Wehen erkennen & Arten unterscheiden

Wie fühlen sich Wehen an?

Wehen gehören nicht nur zur Geburt, sondern auch zur Schwangerschaft dazu. Sie haben verschiedene Aufgaben und fühlen sich auch sehr unterschiedlich an. Welche Wehen-Arten es gibt, wann und warum sie auftreten und woran du erkennst, dass die Geburt deines Kindes beginnt, erklären wir dir hier.

Verantwortlich für die verschiedenen Wehenarten ist die Gebärmuttermuskulatur, die sich während der Schwangerschaft und Geburt zusammenzieht. Dabei kündigen nicht alle Wehen die nahende Geburt an – je nach Phase der Schwangerschaft treten verschiedene Arten auf. 

Die Übungswehen – sanfte Geburtstrainer

Meistens treten die Übungswehen zwischen der  27. und der  32. Schwangerschaftswoche auf. Sehr empfindsame Frauen spüren sie schon ab der 20. Schwangerschaftswoche, andere erst später und einige gar nicht. Mit den Übungswehen, im Fachjargon auch Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt, trainiert die Gebärmutter für die Geburt deines Kindes. Die Muskulatur zieht sich bei diesen Vorwehen zusammen und der Bauch wird hart. Diese Wehen wirken jedoch im Gegensatz zu den Senk- oder Geburtswehen nicht auf den  Muttermund – er öffnet sich nicht, sondern wird noch fester verschlossen.

Wie fühlen sich Übungswehen an?

Für gewöhnlich sind Übungswehen, auch Vorwehen genannt, kaum intensiver als gewöhnliche Regelschmerzen. Die meisten Schwangeren spüren lediglich ein Ziehen im Unterbauch. Es kommt aber auch vor, dass die Wehen sich nur dadurch äußern, dass der Bauch hart wird, was oft nicht einmal als Wehe registriert wird. Übungswehen treten mehrmals täglich in unregelmäßigen Abständen auf und dauern etwa 30 bis 60 Sekunden an. Manchmal vergehen aber auch einige Tage bis zur nächsten Vorwehe.

Was hilft bei Vorwehen?

Bei körperlicher Anstrengung kann es passieren, dass diese Kontraktionen häufiger auftreten. Um die Beschwerden zu lindern, eignet sich alles, was die Schwangere entspannt. So kann es Wunder wirken, die Beine hochzulegen oder ein warmes Vollbad zu nehmen. Jedoch sollte das Badewasser nicht zu heiß sein, damit der Kreislauf nicht belastet wird. Einige Mediziner vermuten, dass Übungswehen auch durch Dehydrierung verstärkt werden – ein paar Gläser Wasser zusätzlich am Tag sollen Abhilfe schaffen. Zudem kann Magnesium die Schmerzen lindern, da es die Muskulatur entspannt. Die Einnahme sollte jedoch immer mit einem Arzt abgesprochen werden. Gleiches gilt übrigens auch, wenn ihr euch bei den Übungswehen unsicher seid. Fragt eure Hebamme oder euren Arzt!

Was tun bei vorzeitigen Wehen?

Vorsicht ist geboten, wenn die Wehen noch vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche auffallend häufig und in regelmäßigen Abstanden auftreten – mindestens vier Mal pro zehn Minuten oder acht Mal pro Stunde. Hast du außerdem stärkere Schmerzen und kommt es womöglich noch wässriges oder blutiges Vaginalsekret hinzu, solltest du unbedingt deinen Frauenarzt aufsuchen oder in die Klinik fahren. Es besteht nämlich die Gefahr, dass es sich um  vorzeitige Wehen handelt. Diese verkürzen den Muttermund und lockern sein Gewebe, was dazu führt, dass er sich frühzeitig öffnet. Frühwehen sind häufige Auslöser von  Frühgeburten und als Warnsignal des Körpers zu verstehen, der jetzt dringend Ruhe braucht. Meist verordnet der Arzt in diesen Fällen ein Magnesiumpräparat, das die Muskulatur entspannt. Dazu solltest du als Schwangere unbedingt Bettruhe eingehalten, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern. Vorzeitige Wehen klingen bei strikter Schonung und Entspannung oft wieder ab. Wenn nicht, solltest du erneut ein Arzt konsultieren oder direkt ins Krankenhaus fahren.

Sehen Sie zu vorzeitigen Wehen auch unser Expertenvideo:

Senkwehen – Das Baby nimmt die Startposition ein

Senkwehen treten meistens zwischen der  36. und der  38. Schwangerschaftswoche auf, also zwei bis vier Wochen vor deinem Geburtstermin. Sie verdanken ihren Namen ihrer Funktion. Sie schieben das Kind tiefer ins Becken und in den Geburtskanal. Das Kind nimmt quasi seine Startposition für die Geburt ein. Genau wie die Übungswehen öffnen sie im Gegensatz zu den Geburtswehen nicht den Muttermund. Äußerlich sind sie daran erkennbar, dass sich der Bauch ein gutes Stück tiefer senkt. Dadurch hat die werdende Mutter zwar wieder mehr Luft zum Atmen und das  Sodbrennen hört auf, jedoch nimmt der Druck auf die Blase häufig zu.

Wie fühlen sich Senkwehen an?

Die Schmerzen der Senkwehen nehmen Schwangere ganz unterschiedlich wahr. Viele verspüren lediglich Spannung und Druck, andere berichten von einem Ziehen im Rücken oder im Unterbauch oder allgemeines Unwohlsein. Senkwehen treten meist sehr unregelmäßig auf, Abstände von einigen Stunden oder sogar Tagen sind völlig normal, sie können aber auch alle zehn Minuten auftreten. In der Schmerzintensität sind etwas stärker als Übungswehen. Viele schwangere Frauen beschreiben sie wie starke Menstruationsschmerzen.

Was lindert die Schmerzen bei Senkwehen?

Genau wie bei den Übungswehen lindern Entspannung und Wärme die Schmerzen, während Überanstrengung sie verstärkt. Jetzt ist außerdem ein guter Zeitpunkt, die im Geburtsvorbereitungskurs gelernten Atemtechniken anzuwenden. Dazu gehört auch, die Wehe zu „veratmen": Dabei sorgen unterschiedliche Atemübungen dafür, dass Mutter und Baby mit genug Sauerstoff versorgt werden und die Konzentration weg vom Schmerz hin zur Atmung und zum Geburtsprozess gelenkt wird. Wenn die Senkwehen in kurzen und regelmäßigen Abständen auftreten und sehr schmerzhaft sind, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Eröffnungswehen – Jetzt wird es ernst

Mit dem Einsetzen der Eröffnungswehen geht es auf die Zielgerade. Sie sind ein verlässliches Zeichen für die bevorstehende Geburt. Sie treten im Normalfall frühestens ab der 37. Schwangerschaftswoche auf, meist aber erst ab der 39. oder  40. Woche. Der Gebärmutterhals verkürzt sich, das Baby rutscht immer weiter in den Geburtskanal und der Muttermund öffnet sich bis auf etwa zehn Zentimeter.

Wie fühlen sich die Eröffnungswehen an?

Diese ersten Wehen der Geburt kommen sehr häufig – etwa alle 5 bis 20 Minuten – und dauern jeweils eine halbe bis anderthalb Minuten. Der größte Unterschied zu den Übungs- und Senkwehen besteht darin, dass sie sich nicht durch ein Entspannungsbad lindern lassen, sondern dadurch eher noch verstärkt werden. Sie zeichnen sich außerdem durch eine höhere Schmerzintensität aus und steigern sich wellenartig bis zum Höhepunkt, bevor sie wieder abfallen. Auch das Kontraktion-Gefühl ist wellenförmig: Die Eröffnungswehen beginnen oben unter der Brust und wandern dann langsam nach unten. Am Anfang machen sich Eröffnungswehen oftmals nicht im Bauch, sondern eher durch ein Ziehen im Rücken bemerkbar. Es kommt auch vor, dass jetzt eine leichte Blutung auftritt – unter Hebammen ist es als sogenanntes „Zeichnen" bekannt. Treten die Wehen in immer kürzeren Abständen auf und wiederholen sich im Fünf-Minuten-Takt oder platzt gar die Fruchtblase, steht die Geburt unmittelbar bevor.

Was hilft bei Eröffnungswehen?

In erster Linie ist jetzt  emotionaler Beistand gefordert – ob vom Partner, einer Freundin oder der Hebamme. Tiefes Atmen gewährleistet eine gute Sauerstoffsättigung und lenkt zumindest ein bisschen von der Wehe ab. Das regelmäßige Aufsteigen und Abfallen der Wehe gibt Frauen meist eine gesunde Atmung vor. Im Laufe der Eröffnungsphase steigert sich der Schmerz, auf Wunsch besteht im Krankenhaus die Möglichkeit einer Periduralanästhesie (PDA).

 

Austreibungswehen – Teamarbeit ist gefragt

Austreibungswehen folgen auf die Eröffnungswehen und läuten damit die letzte Phase der Geburt ein. Sie treten etwa im Abstand von vier bis zehn Minuten auf. Durch die Kontraktion steigt der Druck in der Gebärmutter. Die Austreibungsphase kann beim ersten Kind bis zu einer Stunde dauern, bei Mehrfachgebärenden etwa 20 Minuten.

Die sogenannten Presswehen gehören ebenfalls zur Austreibungsphase, der letzten Phase der Schwangerschaft, und setzen zum Ende der Geburt ein. Sie dienen dazu, das Kind aus der Gebärmutter durch die Scheide auf die Welt zu schieben. Presswehen werden reflektorisch durch den tiefertretenden Kopf des Babys ausgelöst und kommen im Abstand von etwa zwei bis drei Minuten.

Arbeitet die Mutter durch aktives Mitpressen mit, kann sich die Austreibungsphase enorm verkürzen. Bei einigen Frauen ist die Geburt nach zwei bis vier Presswehen vorbei, andere haben stundenlange Wehen. Es gibt sogar Fälle, in denen Frauen gebären, bevor die Wehen einsetzen.

Wie fühlen sich Presswehen an?

Die Presswehen sind die wohl intensivsten Wehen überhaupt. Durch die Weitung des Geburtskanals und des Beckenbodens spürst du als Schwangere einen starken Druck nach unten und das Gefühl von Dehnung.

Was hilft bei den Schmerzen der Presswehen?

Für Wehenschmerzen, die während der Presswehen einsetzen, gibt es kein Einheitsrezept – es ist wichtig, dass Frauen ihrer natürlichen Intuition vertrauen. Einigen hilft es, in Bewegung zu bleiben und kreisende Bewegungen mit den Hüften zu machen. Andere empfinden eine Stellung in der Hocke als entlastend und angenehm. Vor allem sollte man versuchen, sich bei jeder möglichen Gelegenheit zu entspannen. Manchen Frauen gelingt es zum Beispiel, während der kurzen Pause zwischen zwei Wehen einzunicken, um neue Kraft zu tanken.

Nachwehen – Die Wehen nach der Geburt

War die Gebärmutter vor der Schwangerschaft etwa so groß wie ein Hühnerei, hat sie zu deren Ende die Ausmaße einer großen Wassermelone erreicht. Auch wenn das Baby schon auf der Welt ist, ist die Gebärmutter nach der Geburt noch stark ausgedehnt. Die Nachwehen sorgen dafür, dass sie zu ihrer ursprünglichen Größe zurückkehrt, außerdem stimulieren sie direkt nach der Geburt die Ablösung der Plazenta. Ausgelöst werden die Nachwehen vorrangig durch das Hormon Oxytocin, das produziert wird, sobald die Mutter ihr Baby an die Brust legt und stillt. Bei Frauen, die stillen, zieht sich die Gebärmutter in der Regel innerhalb einer Woche auf die halbe Höhe zwischen Nabel und Schambein zurück. Stillt die Frau nicht, dauert es etwas länger. Erst zwei bis drei Monate nach der Geburt hat die Gebärmutter wieder ihre normale Größe erreicht.

Wie fühlen sich Nachwehen an?

Gerade erstgebärende Mütter beschreiben die Nachwehen oft nur als leichtes Ziehen im Unterbauch. Frauen, die schon mehrere Kinder bekommen haben, empfinden Nachwehen oft intensiver.

Was hilft bei den Schmerzen der Nachwehen?

Die Phase der Nachwehen dauert für gewöhnlich nicht länger als zwei bis vier Tage. Wärme auf dem Bauch und viel Ruhe reichen meist schon aus, um den Schmerz zu lindern, aber auch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme hat einen positiven Effekt.

Wehen-Arten im Überblick

Wehenart Welche Funktion haben diese Wehen? Wann? Wie fühlen sich die Wehen an?
Vorwehen Mit den Übungswehen trainiert die Gebärmutter für die Geburt deines Kindes. Etwa ab der 27. SSW

Die meisten Schwangeren spüren lediglich ein Ziehen im Unterbauch.
Senkwehen Sie schieben das Kind tiefer ins Becken und in den Geburtskanal. Das Kind nimmt quasi seine Startposition für die Geburt ein. zwischen der 36. und der 38. SSW Manche Schwangere verspüren lediglich Spannung und Druck, andere berichten von einem Ziehen im Rücken oder im Unterbauch oder allgemeines Unwohlsein.
Eröffnungswehen Sie sind ein verlässliches Zeichen für die bevorstehende Geburt. im Normalfall ab der 37. SSW auf, meist aber erst ab der 39. oder 40. Woche. Eröffnungswehen beginnen oben unter der Brust und wandern langsam nach unten. Die Intensität steigt stetig.
Austreibungswehen Sie dienen dazu, das Kind aus der Gebärmutter durch die Scheide auf die Welt zu schieben. Während der Geburt Diese Wehen sind die wohl intensivsten überhaupt.
Nachwehen Die Nachwehen sorgen dafür, dass die Gebärmutter zu ihrer ursprünglichen Größe zurückkehrt. Außerdem stimulieren sie direkt nach der Geburt die Ablösung der Plazenta. Die Phase der Nachwehen dauert für gewöhnlich nicht länger als zwei bis vier Tage. Mütter beschreiben die Nachwehen oft nur als leichtes Ziehen im Unterbauch.

Was "lockt" die Wehen?

Wenn das Baby und der Körper der werdenden Mutter nicht bereit dazu sind, gibt es keine empfehlenswerte natürliche Methode, um die Geburt anzustoßen. Warum das so ist und was Schwangere jetzt trotzdem für sich tun können, erklärt Hebamme Andrea Ramsell in diesem Video.


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