Wassergeburt

Die Wassergeburt – eine alte Tradition

Viele Frauen schwören auf die Wassergeburt. Denn die Geburt in der Badewanne kann entspannter sein und sanfter verlaufen. Was für und was gegen eine Wassergeburt spricht, lesen Sie in diesem Artikel.

Wassergeburt Aufsicht
Foto: © iStockphoto.com/ myrrha
Wenn früher eine Maori-Frau in Neuseeland Wehen bekam, ging sie zum Meer. In einem der tidepools, bei denen Steine ein kleines Becken bilden, brachte sie dann vor den Wellen geschützt und vom immer frischen, warmen Wasser umspült ihr Kind zur Welt. Wie die Maori nutzten viele andere Naturvölker die entspannende Wirkung des warmen Wassers. So wurden die Kinder auf den polynesischen Inseln in den warmen Lagunen der Korallenriffe geboren. Auch heute noch halten sich die Frauen vieler Urwaldvölker am Amazonas an Mangroven fest, während sie ihre Babys im Fluss gebären.

Längst haben auch in unserer westlichen Welt Gebärende, Hebammen und Ärzte die Geburt im Wasser als eine der sanftesten Geburtsmethoden entdeckt. Die meisten Kliniken und  Geburtshäuser sind inzwischen darauf eingestellt und große Wassergeburtsbecken gehören heute fast selbstverständlich zur Ausstattung der Geburtszimmer dazu. Auch wer eine Hausgeburt plant, kann sein Kind im Wasser zur Welt bringen: Mobile, aufblasbare Geburtswannen, die eigens für diesen Zweck konstruiert wurden, können bei speziellen Verleihfirmen ausgeliehen und per Post zugesandt werden.

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Die Vorteile der Wassergeburt

Die Wassergeburt bietet viele Vorteile für Mutter und Kind. Vor allem aus zwei Gründen findet die Geburt im Wasser immer mehr Interesse: Die werdende Mutter kann die  Wehen besser ertragen und das Kind erlebt weniger Stress.

Starke Schmerzen führen dazu, dass sich die Gebärende stark verkrampft – das betrifft auch die Gebärmuttermuskulatur, die dadurch nicht mehr richtig arbeitet. Das warme Wasser unterstützt die Entspannung von Muskulatur und Gewebe. So lassen sich körperliche Beschwerden, die durch die Wehen ausgelöst werden, mildern und es fällt der Gebärenden leichter, sich auch mental zu entspannen. Die Kontraktionen der Gebärmutter fallen weniger schmerzhaft aus, wenn der Körper sich in einem entspannten Zustand befindet. Daher brauchen Frauen bei einer Wassergeburt, wie die Erfahrungen zeigen, deutlich seltener Schmerzmittel: Nur 2 von 100 Frauen fragen danach, während sich bei konventionellen Geburten rund 40 von 100 Frauen eine Betäubung wünschen. Außerdem wird die Öffnung des  Muttermundes durch die Entspannung gefördert und dadurch der Geburtsverlauf oft deutlich verkürzt. Auch Dammrisse sind seltener: Da die Wärme des Wassers für die Lockerung des Gewebes sorgt, kann es sich wesentlich besser dehnen. Lässt sich die Gebärende im warmen Wasser treiben, fällt es ihr oft leichter, eine für sie angenehme Geburtsposition zu finden.

Auch das Kind profitiert von einer Wassergeburt. Wasser ist für das Baby vertrautes Milieu, lebte es doch bisher umgeben vom wohltemperierten Fruchtwasser. Ins Wasser hineingeboren zu werden, bedeutet daher einen sanfteren Übergang von seiner bisherigen Umgebung in die normale Außenwelt. Auch die Entspannung der Mutter wirkt sich auf das Baby aus, es wird bei der Geburt weit weniger Stress ausgesetzt. Die Kölnerin Ulrike Seifert, die ihre Töchter beide per Wassergeburt gebar, schildert ihre Erfahrungen: „Keines der Kinder schrie nach der Geburt. Beide wirkten ganz entspannt und zufrieden, als sie im Wasser auf meinem Bauch lagen.“

Der Geburtsablauf

Die Gebärende entscheidet selbst, ob und wann sie in das Geburtsbecken steigen möchte. Das kann schon zu Beginn der Wehen oder auch erst mit dem Einsetzen der Presswehen geschehen. Einige Frauen verlassen das Becken auch wieder, wenn die Geburt einsetzt und gebären lieber im Trockenen.

Bei einer Wassergeburt tragen die Nachteile in erster Linie die Geburtshelfer. Die routinemäßigen Untersuchungen gestalten sich für sie etwas aufwendiger, da sie schlechter an die badende Frau herankommen. Für  erfahrene Hebammen stellt das aber in der Regel kein Problem dar. Auch das CTG-Funk-Gerät, mit dem die kindlichen Herztöne überwacht werden, funktioniert im Wasser. Wenn es für beide angenehm ist, steigt der Geburtspartner mit ins Becken oder er unterstützt die Gebärende vom Beckenrand aus mit sanften Berührungen und aufmunternden Worten. „Während der anderthalb Stunden, die ich im Wasser verbrachte, saß mein Partner hinter mir und stützte mich“, berichtet Ulrike Seifert. Nach der Geburt können Eltern und Kind im Wasser bleiben und sich in Ruhe kennenlernen. Das Abnabeln und auch das  erste Anlegen können wunderbar im warmen Wasser stattfinden. Erst wenn sich die Plazenta gelöst hat, ist es an der Zeit, die Wanne zu verlassen.

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Einwände gegen die Wassergeburt

Einwände gegen eine Wassergeburt gibt es eigentlich nur, wenn medizinische Gründe vorliegen. Die Angst, das Neugeborene könne im Wasser der Geburtswanne ertrinken, ist völlig unbegründet, denn der Atemschutz-Reflex des Kindes verhindert, dass Wasser in seine Lunge eindringt. Dieser natürliche Reflex verschließt die Luftröhre des Kindes, solange es von Wasser umgeben ist. Das Neugeborene atmet erst dann ein, wenn die Haut seines Gesichts mit Luft in Berührung kommt. Auch bleibt das Baby nicht Minuten, sondern nur einige Sekunden unter Wasser, bevor die Hebamme es auf den Bauch seiner Mutter legt.

Ein Infektionsrisiko für den Säugling besteht nicht. Das mit Fruchtwasser und Blut vermischte Badewasser enthält nur körpereigene Stoffe der Mutter, an die das Kind seit neun Monaten gewöhnt ist. Außerdem wird das Wasser im Geburtsverlauf in der Regel mehrmals erneuert.

Triftige Gründe, die gegen eine Wassergeburt sprechen, sind allerdings folgende:

  • Frühgeburt
  • auffälliges CTG
  • grünes Fruchtwasser
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Beckenendlage

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht einer Wassergeburt.

Wo Sie ein Gebärbecken für die Hausgeburt ausleihen können, erfahren Sie bei Ihrer Hebamme oder hier.


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