Die Lehre von der Berührung

Haptonomie: Direkter Draht zum Kind

Haptonomie ermöglicht es beiden Partnern, ihr Kind zu spüren, zu streicheln und schon im Mutterleib kennen zu lernen. urbia sagt dir, wie das funktioniert.

Autor: Gabriele Möller
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Dem Baby schon vor der Geburt begegnen

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Foto: © panthermedia, Walter Zerla

Viele Schwangere kennen das: Man spürt das Kind schon hier und da, kann sich aber trotzdem an manchen Tagen gar nicht so recht vorstellen, dass man tatsächlich ein Baby im Bauch hat. Und wie das wohl so ist, aussieht und sich fühlt, schon gar nicht. Väter haben es da noch schwerer: An ihrem Körper verändert sich frustrierenderweise so rein gar nichts während der Schwangerschaft ihrer Partnerin - außer dass auch sie oft mehr futtern und deutlich rundlicher werden. In ihrem Bauch tritt nichts und zappelt nichts, und sie beneiden die Frau manchmal, weil sie das gemeinsame Baby schon spüren und vielleicht eine engere Beziehung zu ihm herstellen kann. Hier setzt die Haptonomie (griechisch: Lehre von der Berührung) an: Sie ermöglicht es beiden Partnern, ihr gemeinsames Kind zu spüren, zu streicheln und schon im Mutterleib recht gut kennen zu lernen.

Ein kleines Experiment überzeugt auch skeptische Väter

Wenn ein Paar zur Haptonomie kommt, beginnt Hebamme Claudia Knie vom Geburtshaus in Wuppertal zunächst mit einem kleinen Experiment: „Ich bitte den Vater immer, sich mit dem Bauch nach unten auf eine Gymnastikmatte zu legen. Dann kitzele ich ihn ohne Vorwarnung ein wenig, so dass er die übliche Reaktion zeigt, eben ein bisschen zuckt.“ Jetzt legt ihm Claudia Knie eine Hand auf den Rücken und beide fühlen die gegenseitige Berührung einige Minuten lang schweigend. „Nach fünf Minuten merkt man, dass irgendetwas sich verändert hat. Man kann es nicht in Worte fassen.“ Und das Erstaunliche: „Wenn ich den Mann jetzt noch mal kitzele, reagiert sein Körper nicht mehr. Die übliche Abwehrspannung ist nicht mehr auslösbar.“ Was ist passiert? „Während der haptonomischen Berührung hat sich Vertrauen aufgebaut. Hat der Mann zunächst seine eigene Verletzlichkeit (durch das Kitzeln) gespürt, erfährt er jetzt, wie man sie aufheben kann. Das ist ein guter Start, um zu verstehen, wie Haptonomie funktioniert“, so die Hebamme.

Die eigentliche Begegnung findet Innen statt

Nach dieser Einführung beginnt die gemeinsame Arbeit mit Eltern und Baby im Mutterleib. Dabei gilt: Je kleiner das Baby noch ist, desto kürzer dauern die haptonomischen Übungen und Berührungen. Eine Übungsphase dauert maximal eine dreiviertel Stunde. „Man kann ab der 24. Woche kommen, frühestens jedoch ab dem Zeitpunkt, wo die Mutter das Kind schon spüren kann“, so die gelernte Hebamme, Homöopathin und Heilpraktikerin. Wenn Mutter oder Vater nun die Hände auf den Bauch der Schwangeren legen, so ist das jedoch lediglich der äußere Ausdruck für etwas, das eigentlich innerlich abläuft. „Man konzentriert sich auf das Kind, spricht es in Gedanken an und sendet ihm die Botschaft, dass man für es da ist, es lieb hat und sich auf seine Geburt freut“, erklärt die Hebamme. „Man nimmt das Kind also nicht nur mit den Händen, sondern auch gefühlsmäßig wahr und das Kind spürt das.“

Das Baby antwortet

Ist das Kind im Bauch der Frau schon recht groß, gibt es bald sogar unmissverständlich Antwort. „Die Kinder reagieren auf die innere und äußere Berührung oft mit Bewegungen und kleinen Tritten oder schmiegen sich gar in die aufgelegten Hände wie eine kleine Katze“, beschreibt Claudia Knie ihre Erfahrungen. Und mit der Zeit lernen die Eltern sogar das Erspüren der augenblicklichen Stimmung ihres ungeborenen Kindes. Merken, ob es gerade müde ist oder eher verspielt und unternehmungslustig. Die Haptonomie kann man täglich und jederzeit anwenden, immer, wenn man ein wenig Ruhe hat und mit dem Kind Kontakt aufnehmen möchte.

Dadurch, dass auch der Vater nun einen innigen Kontakt zum Kind herstellen kann, ist es ihm möglich, seine schwangere Partnerin zu entlasten: „Die Frau fühlt sich nun nicht mehr ganz allein zuständig für die gefühlsmäßigen Bedürfnisse des Babies nach Nähe und Zuwendung, sondern kann die Verantwortung auch mal an den Vater abgeben“, so Knie. Zum Beispiel kann sie den Vater, der abends von der Arbeit kommt, bitten, sich ein wenig um das Kind zu „kümmern“, falls sie selbst dazu während des Tages nur wenig Zeit hatte. Sie kann ein wenig entspannen, sich vielleicht hinlegen, während der Vater das Kind mit Händen und Gedanken begrüßt.

Haptonomie unter der Geburt

Man kann die Haptonomie während der Schwangerschaft anwenden, aber auch als zusätzliche Hilfe bei der Geburt. „Rein haptonomische Geburten kommen nicht so häufig vor, sind aber sehr schön“, beschreibt Hebamme Claudia Knie ihre Erfahrungen. Meist wird die Haptonomie aber eher als unterstützende Maßnahme mit in die Geburt einbezogen. Die Frau hat während der Schwangerschaft durch die Haptonomie schon gelernt zu erspüren, wie sich das Kind fühlt und wie es ihm geht. Sie kann es ansprechen und die innere Verbindung zu ihm während der ganzen Geburt aufrechterhalten. Sie spürt ihr Becken und den Muttermund und versucht, ihn zu öffnen und für das Kind weich zu machen.

Und oft kommt dann schließlich für Vater und Mutter ein überraschendes und besonders inniges Erlebnis: Wenn sie nämlich ihr Kind nach der Geburt spontan wiedererkennen, obwohl sie es noch nie gesehen haben. „Es ist dann, als ob sie das Kind, das da gerade gekommen ist, schon seit langem kennen“, so Knie, „und das stimmt ja auch.“

Haptonomie-Kurse werden von manchen Geburtshäusern, bei einigen kirchlichen oder städtischen Familienbildungsstätten oder in Volkshochschulen angeboten.


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