Warum wir zögern

Ein Baby? Ja, nein, vielleicht später

Ein Baby? Eigentlich schon. Doch eher nur eins. Und lieber erst später – vielleicht. Erst mal die Welt sehen, erst die Karriere, erst ich! Ist das einfach nur egoistisch? Oder steckt mehr hinter dem Verschieben des Kinderwunsches?

Autor: Janine Glugla
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Eltern und nicht Eltern: Zwei Welten?

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Foto: © Fotolia / contrastwerkstatt

Natürlich liegen manchmal Welten zwischen der Zeit mit Kind und der davor. Doch mitunter wirkt es geradezu so, als gelte es, erst ein Leben zu leben und danach ein Kind zu bekommen. Erst mal irgendwie fertig werden mit dem einen Leben, um danach vielleicht mit der Familienplanung zu beginnen. Der aktuelle Stand: ja, nein, vielleicht später. Wann der sich ändert? Zurzeit nicht absehbar. Ist das der Egoismus einer Generation im Selbstverwirklichungswahn? Wollen junge Frauen tendenziell gar keine Kinder? Nein – zeigen Studien der letzten Jahre. Der Kinderwunsch sei durchaus da. Doch die Entscheidung für ein Kind gehe mit vielen Unsicherheiten und Ängsten einher. Die Babyplanung wird so schnell zur Sorgenfalle – und auf unbestimmt verschoben.

Einmal Gleichberechtigung und zurück

„Sobald Kinder ins Spiel kommen, setzt häufig eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen ein" heißt es in einer 2016er Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Erwartungen an Familien- und Gleichstellungspolitik. Und weiter: „In einer Partnerschaft und nach der Familiengründung praktizieren junge Frauen traditionelle Geschlechterrollen. Obwohl sie dies eigentlich nicht wollen, ist es heute aus finanziellen Gründen sinnvoll und vernünftig, so zu handeln." Denn noch immer verdienen Frauen in vielen Fällen weniger und reduzieren nach der Geburt deshalb eher ihre Arbeitszeit, um Betreuungsaufgaben zu übernehmen, während ihre Partner weiterhin in Vollzeit arbeiten. Kinder, Haushalt, Teilzeitkraft statt fairer Teilung der Haus- und Familienarbeit: Die bisher selbstverständlich gelebte Gleichberechtigung in der Partnerschaft sei häufig gefährdet und das gehe in vielen Fällen mit Auseinandersetzungen und zehrenden Aushandlungen mit dem Partner einher. Hinzu kommt die Befürchtung, durch unflexible Betreuungsangebote und Arbeitszeiten an organisatorische Grenzen zu stoßen. Betreuungsplatz? Unsicher. Karriereknick? Ziemlich sicher.

Plötzlich abhängig

Und eben dieser Auswirkungen sind sich viele noch kinderlose Frauen durch einschlägige Erfahrungen aus dem eigenen Bekannten- und Familienkreis durchaus bewusst. Da sind Befürchtungen nicht fern: Was macht das mit mir und unserer Partnerschaft? Kann ich meine Selbstbestimmtheit erhalten? Meine (finanzielle) Unabhängigkeit? Gerade der drohende Autonomieverlust bringt für manche Frauen ganz existenzielle Ängste und Sorgen mit sich. Denn der Unterschied könnte oftmals nicht größer sein, wenn aus bisher selbstverständlichen Halbe-Halbe-Ausgaben, plötzlich eine noch nie gelebte Abhängigkeit zu werden droht. Vor der Frage, ob das Geld dann überhaupt noch zum Leben reicht bis zur Sorge, später von Altersarmut betroffen zu sein, spielt Existenzangst und die Angst vor langfristiger Benachteiligung ein entscheidende Rolle.


Kinderwunsch: Der Zeitfaktor

Sich erst einmal Sicherheiten schaffen, beruflich etwas erreichen, um der Falle der Retraditionalisierung, der finanziellen Anhängigkeit und beruflichen Benachteiligung so lange wie möglich zu entgehen? Vor allem Frauen mit langem Ausbildungsweg wägen stark ab, warten ab und bleiben überdurchschnittlich oft ganz kinderlos. Dabei wünschen sich Akademikerinnen häufig Kinder, wie eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) aus dem Jahr 2016 zeigt.

Schule, Auslandsjahr, Studium, Praktika, dann befristete Verträge, erst mal im Job etablieren – und plötzlich wird die Zeit knapp? Am besten schon während des Studiums Kinder bekommen, lautet da oft das Plädoyer. Doch Frauen mit Kind studieren im Schnitt wesentlich länger und unterbrechen häufig. Ein Nachteil für den Berufseinstieg? Immerhin haben nur 5 Prozent der Studierenden in Deutschland ein oder mehrere Kinder. Ein Kind ganz ohne Veränderungen und besondere zeitliche Aufwendungen geht eben nicht – egal zu welchem Zeitpunkt. Aber andere schaffen das doch auch. Glückliche Working-Moms und lässige Instagram-Mütter zum Beispiel! Doch die öffentliche Stimme sieht oft erstaunlich anders aus.

Kinder sind ein großes Glück – oder doch nicht?

Es gibt nichts Schöneres als Kinder, sie sind das größte Glück. Oder? Erst gar nicht über die Schattenseiten des Elterndaseins zu sprechen, über die Müdigkeit, den Stress, die kleinen und großen Alltagskatastrophen, ist sicher falsch. Doch das Ergebnis der vergleichsweise neuen Offenheit, das Psychologen, Autoren und Co immer öfter zu Tage fordern ist ernüchternd: Da heißt es in Studien, Kinder machen in Wirklichkeit unglücklich und jeder Fünfte würde sich angeblich dagegen entscheiden, noch mal ein Kind zu bekommen. Mütter berichten in Büchern, warum sich die Mutterschaft bereuen oder sie erzählen mit einem Augenzwinkern (oder eher einem heftigem -zucken) wie das Mutterdasein aussieht: Chaos, Geschrei, Trotz, nie endende Wäscheberge, Schlaflosigkeit, Augenringe bis zu den Kniekehlen, Hektikflecken, Nervenbündel. Ganz am Rande dann die kleine Fußnote: Doch, doch – es ist trotzdem schön. Ganz so verlockend klingt das natürlich nicht. Eher beängstigend.

Wie einfach erscheint da die ganz persönliche Prä-Baby-Freiheit, wie logisch das Gebot der Selbstentfaltung, wie befremdlich die mütterliche Selbstlosigkeit. Zwei Welten – Lichtjahre entfernt. Und doch: Zwischen all den negativen Signalen und Zweifeln erfahren die meisten Eltern in der Beziehung zu ihren Kindern eine tiefgreifende Befriedigung und Lebensbejahung. Eine Erfahrung, die viele Paare nicht missen wollen. Der Wille ist da, aber die Zweifel auch. Die anhaltende Vereinbarkeitsfrage, fehlende Vorbilder oder persönliche Ängste, äußere Einflussfaktoren oder individuelle Lebensentwürfe – die Babyfrage ist vielschichtiger geworden. Kinder zu bekommen, ist nicht mehr einfach selbstverständlich, sondern eine Entscheidung mit Gewicht, mit der viele Fragen einhergehen. Ihr ständiger Begleiter ist die Angst vor dem falschen Weg. Doch noch immer gilt auch: Was letztlich den Ausschlag gibt, sind nicht nur verstandesmäßige Abwägungen, sondern ein tiefes Gefühl: der Kinderwunsch.

 

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