Entspannung ist gut für alle

10 Tipps gegen Elternstress

Die lieben Kleinen sind bisweilen ganz schön anstrengend, wenn sie müde sind, tief in der Trotzphase stecken oder wir es wieder mal furchtbar eilig haben und der Nachwuchs trödelt. Wir zeigen, was Sie tun können, um Stresssituationen zu entschärfen!

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Mutter schlafend Söhne
Foto: © fotolia.com/ S. Kobold

1. Machen Sie eine Bestandsaufnahme

Manche Stresssituationen lassen sich vorhersagen, etwa morgendliches Getrödel beim Anziehen. Manche kommen unverhofft, etwa, wenn Sie Ihr Baby stillen, während der quengelnde „Große“, der heute schlecht geschlafen hat, nur stört und dann klingelt es auch noch an der Haustür…

Überlegen Sie, wann und warum Ihre Belastungsgrenze überschritten wird. Sind Sie gehetzt, weil Sie das Gefühl haben, nichts fertigzubekommen und unter Zeitdruck zu stehen? Sind Sie entnervt, weil jede Anweisung, die Sie Ihrem Kind geben, zu einem Trotzanfall führt? Sind Sie allgemein gereizt, weil Sie sich wie im Hamsterrad fühlen? Sind Sie übermüdet, weil Sie nachts mehrmals aufstehen müssen?

Wenn Sie für sich ermittelt haben, welche Situationen bzw. Verhaltensweisen bei Ihnen zu Stress führen, können Sie Strategien entwickeln, wie Sie etwas ändern können.

2. Kinder ticken völlig anders

Kinder können ganz schön anstrengend sein und trotzdem ist es keine Böswilligkeit, wenn sie sich unerwünscht verhalten. Sie ticken einfach anders und haben andere Bedürfnisse als wir Erwachsene! Wenn Sie sich das klarmachen, können Sie leichter gelassen bleiben.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem Kind auf dem Spielplatz und es will unbedingt noch länger schaukeln oder rutschen. Sie aber denken schon daran, dass in einer Stunde das Abendessen auf dem Tisch stehen soll und Ihr Kind ja dann auch ins Bett muss (wenn es zu spät wird, gibt es wieder „Abendtheater“…). Sie leben nach der Uhr, haben Verpflichtungen – Ihr Kind hingegen lebt völlig im Hier und Jetzt und will einfach nur sein Spiel fortsetzen.

Für kleine Kinder sind feste Abläufe und Rituale sehr wichtig, denn sie geben ihnen Halt. Wenn Sie einen Termin haben, trippeln Sie vielleicht nervös von einem Bein aufs andere, während Ihr Kind sich von jedem  Kuscheltier einzeln verabschiedet. Für Ihr Kind muss alles so sein wie immer, aber das dauert eben!

3. Kämpfen Sie nicht gegen Unvermeidliches

Wenn Sie versuchen, Ihr Kind unter Zeitdruck zu „beschleunigen“, wird es oft auf dem gewohnten Ablauf bestehen und sich sperren. Dann geht alles noch langsamer statt schneller. Es nützt auch nichts, sich bei einem Einjährigen über die Kleckerei beim Essen zu ärgern. Kinder in diesem Alter können es einfach noch nicht besser. Legen Sie lieber eine Plastikfolie unter den Essplatz.

Nervt Ihr Kindergartenkind aber jedes Mal, wenn Sie telefonieren, können Sie es mit einer „Spezial-Spielzeugkiste“ versuchen, die besonders interessante Spielsachen enthält und die Ihr Kind ausschließlich dann bekommt, wenn Sie telefonieren.

Überlegen Sie also jeweils, was Sie als unvermeidlich akzeptieren sollten, weil Ihr Kind es aufgrund seines Entwicklungsstandes noch nicht besser kann und versteht, und was Sie gezielt in Angriff nehmen können, um ein unerwünschtes Verhalten abzustellen.

4. Planen Sie Zeitpuffer ein

Hektik und Stress entstehen oft durch Zeitdruck. Planen Sie am besten eine Viertelstunde „Pufferzeit“ ein, wenn Sie aus dem Haus müssen. Wird es morgens eng, können Sie abends schon den Frühstückstisch decken oder mit Ihrem Kind die Kleidung für den nächsten Tag herauslegen – das erspart morgendliche „Kämpfe“. Wenn Sie die Kleidung dann auch noch so hinlegen, wie sie der Reihe nach angezogen wird (Unterwäsche oben auf den Stapel), klappt auch das Anziehen besser.

Wenn Sie das Gefühl haben, mit der Hausarbeit nicht fertig zu werden, weil Ihr Kind immerzu „bespaßt“ werden möchte,  beziehen Sie es in die Hausarbeit ein. Haben Sie eingeplant, dass auch Sie manchmal einfach eine Ruhepause brauchen? Lieber kurze Zeit die Beine hochlegen und etwas lesen, während Ihr Kind schläft, als gehetzt noch schnell abspülen. Wenn Sie ausgeglichen sind, zahlt sich das für alle aus!

5. Sie müssen nicht perfekt sein!

Viele Mütter sind zu streng mit sich selbst. Ihrer besten Freundin würden sie es zwar zugestehen, dass die Wohnung nicht tiptop aussieht, wenn die Kinder krank sind. Sie selbst wollen das Unmögliche jedoch trotzdem schaffen… In einem Haushalt mit Kindern kann es schon mal ein bisschen chaotisch aussehen – das schadet auch nicht! Ihr Kind wird sich später nicht dran erinnern, ob der Boden frisch geputzt war, aber es wird sich erinnern, dass Sie mit ihm gespielt haben, es getröstet haben, für es da waren!

Setzen Sie Prioritäten – denn mit kleinen Kindern reicht die Zeit nie für alles. Und wenn es Ihnen wichtig ist, ein paar Mal pro Woche eine Runde zu joggen, sollten Sie sich die Zeit dafür nehmen, auch wenn dann vielleicht etwas im Haushalt liegenbleibt.

Kleiner Tipp: Eine eher „spartanische“ und kindgerecht eingerichtete Wohnung ohne herumstehenden Nippes entlastet Sie doppelt. Einerseits müssen Sie Ihr Kleinkind nicht von diesen interessanten Dingen abhalten und andrerseits müssen Sie auch weniger abstauben.

6. Auch Mütter und Väter sollten ausgeschlafen sein

Sie wissen selbst, wie quenglig Kinder sein können, wenn sie nicht ausgeschlafen sind. Auch Sie selbst werden durch Schlafmangel gereizt und stressanfällig. Vermeiden Sie daher nach Möglichkeit ein Schlafdefizit. Machen Sie ein Nickerchen, sobald Ihr Kleines schläft. Bitten Sie Ihren Partner, zumindest einmal in der Woche die „Nachtschicht“ zu übernehmen und Ihr Kind zu beruhigen oder zu füttern, wenn es nachts aufwacht. Falls Sie noch stillen, kann er Ihnen das Baby bringen. Wenn Sie nicht selbst aufstehen müssen, schlafen Sie nach dem Stillen schneller wieder ein.

7. Knackpunkte mit Humor und Fantasie „entstressen“

Wenn Ihr Kind sich sträubt, das zu tun, was es soll, können Sie schimpfen (meist ohne Erfolg) oder „schwerere Geschütze“ wie Konsequenzen auffahren – dann klappt´s vielleicht. Ziemlich sicher – und auch viel lustiger für Sie beide – funktioniert es jedoch auf überraschende und humorvolle Weise.

  • Ihr Kind mag sich abends nicht den Schlafanzug anziehen lassen? Versuchen Sie, die Arme in die Hosenbeine zu stecken und machen Sie ein hilfloses Gesicht. Wetten, dass Ihr Kind weiß, wie es richtig gehört?
  • Ihr Kind wäscht sich nach dem Toilettengang nicht die Hände? Übertreiben Sie schamlos und entsetzt: „Iihh, da seh ich ja die Bakterien Salto schlagen!“
  • Ihr Kind trödelt beim Spazierengehen? Sofern Sie nicht an einer vielbefahrenen Straße gehen, können Sie Fangen spielen oder Ihrem Kind einen Wettlauf vorschlagen. Das spornt die meisten Kinder an. Vielleicht probieren Sie es aber auch mit „Zauberpuste“, indem Sie hinter Ihrem Kind gehen und kräftig pusten, sodass es „wie von selbst“ schneller läuft…

8. Wenn Mama oder Papa eine Auszeit braucht

Wenn die Emotionen hochkochen und man nur noch Sekunden davon entfernt ist, entnervt loszubrüllen, sollten Eltern sich eine kurze Auszeit gönnen. Verlassen Sie den Raum oder zählen Sie rückwärts von zehn bis eins oder stellen Sie sich ans offene Fenster und atmen Sie fünfmal tief durch…

Rutscht Ihnen sogar schon die Hand aus, lenken Sie den Schlag um und lassen die Hand beispielsweise auf die Tischplatte fallen. Besser ist es natürlich, schon etwas früher Bescheid zu geben. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie etwas Ruhe brauchen, bevor Ihnen der Kragen platzt. Schlagen Sie ihm z.B. vor, dass es im Kinderzimmer ein Bilderbuch heraussuchen kann, das Sie ihm später vorlesen.

Gönnen Sie sich Pausen zum Abschalten, vielleicht durch eine kleine „Traumreise“. Denken Sie z.B. an Ihren letzten Urlaub, die Sonne auf der Haut, den Geruch des Meeres, den feuchten Sand unter Ihren Füßen…

9. Lassen Sie sich helfen!

Mütter sind meist DIE Expertinnen im Umgang mit den Kindern, wissen beim ersten Kieks schon, was ihr Kleines braucht. Vätern fällt das oft schwerer, weil sie nach wie vor meist nicht so viel Zeit mit ihrem Kind verbringen. Doch wie soll Ihr Partner es lernen, wenn Sie ihm nicht die Gelegenheit dazu geben?

Lassen Sie ruhig mal den Papa ran! Kinder haben in der Regel keine Probleme damit, wenn es bei Papa ganz anders läuft als bei Mama. Und dass bei Oma und Opa die Uhren sowieso wieder ganz anders gehen, haben die Kleinen auch schnell raus.

Nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie kriegen können. So haben Sie Freiräume gewonnen und Papa bzw. die Großeltern die wunderbare Möglichkeit, eine vertraute Beziehung zum Kind aufzubauen.

10. „Plan B“ für Stresssituationen

Oft sind es immer wieder dieselben Situationen, in denen Stress aufkommt: das abendliche Zähneputzen, die morgendliche Trödelei, Ihr Kind gehorcht nicht, wenn Sie etwas von ihm wollen… In diesen Situationen fällt es uns schwer, ruhig zu bleiben, aber brüllen hilft auch nicht, und eine funktionierende Lösung will uns einfach nicht einfallen.

Setzen Sie sich in einer ruhigen Minute entspannt hin und legen Sie sich für solche Situationen einen „Schlachtplan“ zurecht. Was bisher nicht funktioniert hat, können Sie getrost „einmotten“, denn das wird auch die nächsten zwanzig Male nicht zum Erfolgmodell. Überlegen Sie sich eine überraschende, neue Lösung (siehe dazu auch Punkt 7!) oder eine wirkungsvolle logische Konsequenz, wie Sie auf mangelnde Kooperation Ihres Kindes reagieren können. So sind Sie für kommende Problemsituationen vorbereitet und allein das hilft Ihnen schon, nicht so schnell unter Stress zu geraten. Und falls Ihnen alleine keine Lösung einfällt, kann es helfen, sich mit Ihrem Partner zu beraten oder eine Freundin um Hilfe zu bitten.

Buchtipps:

  • Sabine Bohlmann: Ein Löffelchen voll Zucker… und was bitter ist, wird süß! Das Mary-Poppins-Prinzip. VGS 2004, 12. Auflage; 144 Seiten; 14,99 Euro
  • Ute Glaser: Die Eltern-Trickkiste. Gräfe & Unzer 2011; 192 Seiten; 17,99 Euro

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