Leben, lieben, leiden

10 Dinge, die du von deinem Kleinkind lernen kannst

Sie lieben bedingungslos, leben im Hier und Jetzt und unterdrücken niemals ihre Gefühle: Kleinkinder zwischen eins und drei machen uns Eltern vor, wie man glücklich wird! Zehn Dinge, die wir von ihnen lernen können.

Autor: Gabriele Möller
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Vom Schlafen und Essen

Kleinkind konzentriert
Foto: © fotolia.com/ Petro Feketa

Wer ein kleines Kind hat, kann jeden Tag Erstaunliches beobachten: Es muss kein Autogenes Training machen, um tiefenentspannt zu sein. Es braucht sich nicht mühsam zu konzentrieren, um sich vollständig fokussiert einer Sache zu widmen. Und es muss nichts über den Buddhismus wissen, um ganz im gegenwärtigen Augenblick zu leben. Wenn wir uns davon ein bisschen abschauen, können wir Eltern lang verschüttete Fähigkeiten wieder entdecken, die uns vor Stress, unnötigen Sorgen und Unzufriedenheit bewahren. Was für ein Glück, dass unser Kleinkind uns nochmal zeigt, wie's geht! Und dies sind die zehn schönsten Dinge, die wir von ein- bis dreijährigen Kindern lernen können:

1. Völlig im Moment leben

Malin ist zweieinhalb. Sie ist mit ihrer Mutter unterwegs zu einer Spielverabredung. Doch die Freundin muss warten, denn Malin hat auf dem Bürgersteig gerade eine Truppe Ameisen gesichtet. Sie hockt sich hin und betrachtet die Insektenparade fasziniert. Sie denkt an nichts Anderes mehr: nicht an die Beule, die sie sich morgens auf dem Spielplatz geholt hat, nicht an ihre Verabredung, und auch nicht daran, was es heute wohl zum Abendessen geben wird.

Wir Erwachsenen dagegen verbringen viel Zeit damit, die Zukunft zu planen (oder uns um sie zu sorgen), und mit Dingen zu hadern, die zwar vergangen, aber nicht gut gelaufen sind. Darüber kann ein Kleinkind nur kichern. In seiner Wahrnehmung gibt es nur den gegenwärtigen Moment. Und der besitzt - weil zeitlos - einen Hauch von Ewigkeit. Das ist ein Geheimnis, zu dem ein indischer Guru seine Schüler erst mühsam hinführen muss. Eltern haben es da leichter: Sie können es einfach ihrem Kind nachmachen und die Zeit ab und zu anhalten. Wie das geht? Indem man etwas bewusst genießt, ohne daran zu denken, was alles noch getan werden muss: ein besonderes Licht auf den Herbstblättern vor dem Fenster, die einzelnen Schlucke einer heißen Tasse Kaffee, bevor im Büro der Trubel losgeht, oder eine Melodie im Autoradio, die ganz unerwartet die Seele berührt.

2. Einfach weinen, wenn etwas schief geht

Der Schoko-Muffin ist herunter gefallen und auf dem Küchenboden in mehrere krümelige Teile zerplatzt. Marvin (1,5) blickt vom Kinderstuhl aus überrascht auf das Malheur und bricht dann in Tränen aus. Sein Vater tröstet ihn, hebt die Bruchstücke auf und legt sie auf den Teller zurück. Nach einigen Momenten sind die Tränen versiegt, Marvin knabbert an den Kuchenstücken, als wenn nie etwas gewesen wäre. Wie er das schafft? Beim Weinen konnte er seine Enttäuschung abfließen lassen, bis rein gar nichts mehr davon übrig war. Weil keine schlechten Gefühle sich in seinem Körper anstauen, kennt Marvin auch keine Verspannungen. Wir Erwachsenen, die nicht selten von Nackenschmerzen oder einem nervösen Magen geplagt sind, dürfen es auch machen, wie die Kleinsten: Warum nicht einfach weinen, wenn die Autoreparatur 800 Euro kostet, der Vermieter schon wieder schriftlich über den Kinderlärm meckert, oder ein Kristallglas zerbrochen ist, das noch von der Uroma stammt!

3. Nackt sein ist schön!

"Nacktfrosch!" schreit die zweijährige Lina begeistert, wenn sie so vergnügt wie splitternackt durch alle Zimmer fegt. Sie findet ihren Körper auf selbstverständliche Weise schön und genießt es, wenn er einmal nicht durch ihre Anziehsachen beengt wird. Auch diese Erfahrung müssen die Großen sich nicht versagen: Es fühlt sich wunderbar an, wenn von allen Seiten nichts als Luft an die Haut kommt. Wer also nicht gerade Besuch erwartet, darf sich ruhig öfter  einmal hüllenlos in den eigenen vier Wänden bewegen.

4. Aufhören zu essen, wenn man satt ist

Kleine Bäuche signalisieren ihren jungen Besitzern ganz von selbst, wann sie genug haben. Das Kind hört dann einfach auf zu essen. Im Zeitalter der 1.000 Diäten ist es auch für Erwachsene pures Gold wert, wenn sie spüren, wann der Appetit gestillt ist. Wem das richtige Gefühl dafür noch fehlt, der kann bewusst langsamer essen und jeden Bissen ausführlich genießen. Wer's ausprobiert, wundert sich, von welch relativ kleiner Essensmenge er angenehm satt ist - weil der Magen wieder genug Zeit bekommt, dem Gehirn die Grußbotschaft zu schicken: Vielen Dank, es genügt!

5. Ein Nickerchen tut gut!

Jana (1,5) sitzt im Wohnzimmer auf dem Boden und spielt. Als ihre Mutter wenig später wieder nach ihr schaut, hat sie sich auf dem Teppich ausgestreckt  und schläft selig. Kleine Kinder geben dem Schlafbedürfnis ihres Körpers einfach nach. Für große Menschen gilt: Nachahmung empfohlen! Nach dem Job oder dem anstrengenden Haushalt hilft ein kurzes Couch-Nickerchen, vom Stress herunter zu kommen und sich gute Laune für den Abend zu erschlafen. Auf langen Autofahrten kann man für zehn Minuten einen Rastplatz ansteuern und dort kurz einnicken. Manche schaffen das sogar während der Mittagspause auf ihrem Bürostuhl. Wenn's mit dem Schlafen nicht klappt: Auch Dösen löst Spannungen und verschafft eine Mini-Erholung.

Von Liebe und Vergebung

6. Bedingungslose Liebe

Ob es Mama und Papa sind, oder die immer gut gelaunte Nachbarin, der geduldige Babysitter oder Mamas beste Freundin: Wenn ein kleines Kind jemanden mag, geht es oft schnurstracks hin, sagt "Ich hab' dich lieb!" oder legt die kleinen Arme um den Auserkorenen. Es fragt nicht nach den menschlichen Schwächen des Betreffenden, und es ist ihm erst recht wurscht, ob Mamas Frisur heute mies sitzt, oder der Papa fünf Kilo zugenommen hat. Auch uns Erwachsenen tut es gut, Fehler und Schwächen einfach zu übersehen und wieder öfter zu sagen: "Ich bin so froh, dass du da bist!", "Du bist ein richtig guter Freund/eine tolle Frau, weißt du das?" oder " Ich hab' dich lieb!"

7. Die Magie der Vergebung

Viele Erwachsene schleppen ein unsichtbares, aber gewichtiges Päckchen mit sich herum. Oft ist es gefüllt mit Groll aus der Kindheit, wo es vielleicht Eltern mit zu wenig Zeit oder einen Mangel an Liebe gab. Manchmal steckt in dem Bündel auch Wut über Menschen, die uns enttäuscht oder Unrecht getan haben. Unser Kleinkind macht uns vor, wie man diesen Seelenballast los wird: Es vergibt alles und trägt nichts nach. Ob es empört ist, weil ein Spielkamerad seine Burg aus Klötzen umgeworfen hat, oder trotzt, weil Mama einen Wunsch verweigert hat: Nach ein paar Minuten ist alles vergessen. Es erleichtert auch Erwachsene sehr, das mühsame Nach-Tragen alter Lasten zu beenden und dem Verursacher zu vergeben.

8. Die kleinen Dinge sehen

Luca (2) hockt an einer Pfütze. Er kann sein Gesicht sehen, wenn er sich über das Wasser beugt. Er tippt mit dem Finger auf die Oberfläche, und das Bild löst sich auf. Als er ein bisschen wartet, erscheint es wieder. Solche kleinen Wunder reißen uns Eltern nicht mehr vom Hocker, denn wir haben das Gefühl, alles längst zu kennen. Diese Überzeugung aber hindert uns manchmal daran, Dinge wahrzunehmen, die vielleicht doch besonders sind: die zierlichen Arabesken im Schnee vor unserem Haus, die zarte Amselfüße dort hinterlassen haben. Oder auch bloß, dass die beste Freundin mehrere Pfund abgenommen hat und auf ein kleines Kompliment wartet. 

9. Lachen ist die beste Medizin!

Kleinkinder lachen, bis sie Schluckauf kriegen, wenn der Clown im Zirkus stolpert oder ein Kind in der Kita versucht, sich eine Mandarine ganz in den Mund zu stopfen. Erwachsene haben zwar einen anspruchsvolleren Humor. Doch auch sie müssen nicht gleich an einem Kurs in Lach-Yoga teilnehmen, um die Glückshormone kreisen zu lassen. Zum Beispiel macht es gleich entspannter, wenn man bei einem Missgeschick über sich selbst lachen kann, anstatt sich grün zu ärgern. Fortgeschrittene machen daraus sogar eine Anekdote, an der sie abends die Familie teilhaben lassen. Wer noch etwas Nachhilfe beim Lachen braucht, bestellt einen  Babysitter und geht mal wieder ins Kino, ins Boulevardtheater oder ins Kabarett, um eine Komödie oder Satire anzuschauen. Oder liest statt Krimis, aus deren Seiten das Blut tropft, öfter wieder etwas Witziges vor dem Einschlafen.

10. Keine halben Sachen!

Wenn ein Kleinkind etwas macht, dann richtig: Es schmiert sich die Nivea-Creme gleich komplett in die Haare - denn es wäre schade, wenn etwas davon ungenutzt in der Dose bliebe. Und wenn es etwas nicht will, dann aus ganzer Kraft. Wenn es im Kindergarten mitten im Spiel aufhören soll, nur weil der Papa zum Abholen erscheint, verschränkt es die Arme und stampft mit dem Fuß auf, um zu sagen: Nachgeben? Vergiss es!

Von so viel Entschlossenheit können auch wir Eltern lernen: Wir dürfen eine Sache zuerst zu Ende machen, bevor wir die nächste anfangen. Warum das Telefon nicht mal klingeln lassen, wenn wir gerade eine Email schreiben? Wir können auch mehr auf faule Kompromisse achten. Wollen wir wirklich wieder beim Vereinsfest helfen, obwohl wir am Wochenende dringend mal ausspannen müssten? Und wann haben wir das letzte Mal etwas gemacht, ohne uns von Hemmungen bremsen zu lassen? Warum also nicht auf einer Party mal wieder tanzen, statt nur am Tisch zu bleiben, oder das knallrote Kleid kaufen, anstatt das dunkelblaue?

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