So kommt Ordnung ins Chaos
Räum Dein Zimmer auf!
Kinderzimmer aufräumen – für Eltern und Kinder das Streitthema Nummer eins. Wieviel Ordnung muss sein - und wie gelingt es, das Aufräumen nicht als Strafe zu empfinden? Wir zeigen Wege aus der Chaos-Falle.
Kinder brauchen Ordnung
Berge von Spielzeug im ganzen Zimmer verteilt, die Kleider wild durcheinander auf dem Boden, das Bett ungemacht: So sieht das Chaos aus. Hier aufzuräumen überfordert selbst einen Zehnjährigen – und sorgt unter Garantie für Streit zwischen Eltern und Kindern. „So weit sollte man es erst gar nicht kommen lassen“, sagt Saskia Heyden, Kinder- und Jugendpsychologin aus München, „Kinder brauchen Strukturen. Ordnung ist für sie eine Möglichkeit, sich orientieren zu können.“
Macht Chaos kreativ?
„Natürlich darf der Ordnungswunsch nicht zum Ordnungszwang werden“, sagt die Psychologin. Rigide Ordnung, ein Zimmer, in dem nichts herumliegen darf, hemmt die kindliche Entwicklung. Hier heißt es, die Balance zu finden zwischen hemmungslosem Chaos und penibler Ordnung. Und sich selbst zu fragen: Wie wichtig ist mir Ordnung? Kann ich es ertragen, auf meinem Schreibtisch Bücher aufgeschlagen liegen zu lassen, weil ich später noch etwas nachlesen möchte, oder muss ich gleich alles wieder ins Regal stellen? Hat mein Ordnungsbedürfnis vielleicht schon zwanghafte Züge? Oder umgekehrt: Fällt es mir schwer, nach dem Kochen die Küche aufzuräumen? Wo ist Ordnung sinnvoll und wo unnötig? Brauche ich das Buch, das ich eben ins Regal gestellt habe, nicht gleich morgen früh wieder? Finde ich in meiner losen Rezepte-Sammlung nicht das viel leckere Rezept als in einem Kochbuch? Viele Menschen, die kreativ oder anders ausgedrückt schöpferisch arbeiten, brauchen für ihren Schaffensprozess ein gewisses Maß an Chaos um sich. Für den britischen Maler Francis Bacon, in dessen Atelier ein unbeschreibliches Chaos herrschte, war die Unordnung eine Quelle der Inspiration: „Chaos suggests images to me.“ Auf Kinder übertragen könnte das bedeuten, dass während des Arbeitsprozesses – also wenn gemalt oder gebastelt wird – ruhig Farben, Kleber, Schere herumliegen dürfen – auch, wenn das Bild oder die Bastelei erst am nächsten Tag fertig wird.







