Eine heikle Frage

Bin ich eine gute Mutter?

Wer stellt sich diese Frage nicht immer wieder? Bin ich eine gute Mutter? urbia-Autorin Jumana Mattukat jedenfalls kennt Tage, an denen die Antwort gut, andere, an denen sie vernichtend ausfällt. Aber was macht eigentlich eine gute Mutter aus?

von Jumana Mattukat
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Mutter Kind Herbstspaziergang Panther Monkeybusiness Images
Foto: © panthermedia, Monkeybusiness Images

'Eine rechte Mutter sein, das ist ein schwer Ding'

Heute war ich mit meinen Kindern lange draußen im Wald, wir haben Blätter gesammelt und anschließend zu Hause aus ihnen Männchen gebastelt. Dann haben wir uns bei einer schönen Tasse Tee und selbst gebackenen Waffeln zusammen gekuschelt und zu guter Letzt ein paar Herbstlieder gesungen. Am Abend gab es keinerlei Zähneputz–Schlafanzuganzieh-ins Bett geh–Streit und meine Kinder sind erfüllt und glücklich eingeschlafen. An Tagen wie diesen sage ich überzeugt und mit Stolz geschwellter Brust: „Was bin ich für eine gute Mutter!“

Aber es gibt auch die anderen Tage – Tage, an denen ich wegen der geringsten Kleinigkeit aus der Haut fahre, an meiner Großen ständig herumkritisiere und wutschnaubend Dinge sage wie „Musst Du immer…“ „Kannst Du nicht einmal…“. Wenn ich die Kinder an solchen Tagen ins Bett bringe, denke ich: Meine Güte, wie müssen sich die Kleinen nach so einem Tag fühlen? Und alles nur weil ich schlechte Laune hatte. Was bin ich nur für eine Rabenmutter!“

Der Schriftsteller Jeremias Gotthelf spricht mir aus der Seele mit seiner Weisheit aus dem 19. Jahrhundert: „Mutter wird manche ungesinnt, aber eine rechte Mutter sein, das ist ein schwer Ding, ist wohl die höchste Aufgabe im Menschenleben.“ Wie Recht er hat! Aber was ist eigentlich eine „rechte“ Mutter, an welchen Bildern orientieren wir uns in diesem Punkt?