Wie reisen Familien bequem?

Urlaub mit Kindern: Auto, Zug oder Flugzeug?

Familien reisen anders. Und zwar mit mehr Gepäck, oft zur Hochsaison, vor allem aber mit ein bis mehreren ungeduldigen Passagieren an Bord. Welches Verkehrsmittel eignet sich da am besten? Auto, Flugzeug oder die Bahn. Hier erhältst du Entscheidungshilfen für eine entspannte Urlaubsfahrt mit Kind.

Autor: Sara Ebertz
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Die Deutschen steigen am liebsten ins Auto

Kind Flughafen Urlaub
Foto: © colourbox

Geht es in den Urlaub, sind die Deutschen am liebsten mit dem eigenen Auto unterwegs. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kann die Fahrtzeiten frei wählen, so viele Dinge mitnehmen, wie der Kofferraum schluckt, man ist vor Ort flexibel und spart sich den teuren Mietwagen. Was viele Eltern als bequem empfinden, kann für kleine bewegungshungrige Beifahrer aber auch zur Geduldsprobe werden. Festgeschnallt im Kindersitz, oft viele Stunden stillsitzen, dazu vielleicht noch Hitze und Staus: Das kann die Nerven der Kleinen und damit auch ihrer Eltern strapazieren. Wer mit dem Auto verreist, braucht daher einen guten Plan.

Regelmäßige Pausen zum Austoben einplanen

So halten gut ausgetobte Kinder das Stillsitzen im Wagen länger aus. Also die Kinder vor Abfahrt am besten noch einmal auf den Spielplatz jagen. Auch das Gepäck lieber ohne aufgeregte kleine Urlauber verstauen: Das geht schneller und spannt sie nicht schon Stunden vorher auf die Folter. Damit sich Groß und Klein auf langen Autofahrten regelmäßig die Beine vertreten und Sauerstoff tanken können, sollte alle anderthalb bis zwei Stunden eine Pause einlegt werden. Da Fangen- oder Ballspielen auf Rast- und Parkplätzen gefährlich ist, kann ein Springseil gute Dienste leisten. Hüpfen strengt mindestens genauso an, aber die Kinder bleiben an Ort und Stelle.

Glücklicherweise sind entlang der deutschen und europäischen Autobahnen inzwischen eine ganze Reihe moderner, sauberer, vor allem aber familienfreundlicher Raststätten entstanden: mit Kinderspielplatz, Spielecke, Babywickelraum, Babybettchen, Kinderstühlen oder speziellen Kindermenüs.

Mehr als 100 deutsche Raststätten haben sich bereits auf kleine Gäste eingestellt. Deren Niveau ist zwar recht unterschiedlich, doch werden sie regelmäßig vom ADAC unter die Lupe genommen und bewertet.

Autofahrten auf die Schlafenszeit legen

Da Autofahren mit Kindern auch bei allerbester Vorbereitung irgendwann in Stress ausarten kann, schwören viele Eltern auf Nachtfahrten in den Urlaub. Vorausgesetzt, der Fahrzeuglenker fühlt sich dafür ausgeruht und konzentriert genug. Wer zur normalen Schlafenszeit des Kindes startet, hat gute Chancen auf eine nervenschonende An- oder Abreise. Das Kind schläft, die Straßen sind in der Regel frei. Bei sehr langen Strecken empfiehlt der ADAC lieber in den frühen Morgen- oder Abendstunden aufzubrechen, sodass die Belastung für den Fahrer nicht allzu groß ist. In jedem Fall sollte es auf der Rückbank der Familienkutsche so behaglich wie möglich sein: Neben bequemer Kleidung dürfen auch ein Schmusetier und eine Kuscheldecke nicht fehlen. Wer tagsüber fährt, sollte die Abfahrt nach Möglichkeit auf den Mittagsschlaf des Kindes legen. So lassen sich die ersten ein bis zwei Stunden schon einmal sinnvoll überbrücken.

Verpflegung: Alles was nicht krümelt oder tropft

Den Hunger stillen unterwegs am besten kleine Snacks aus Vollkorn, Obst und Gemüse statt schwerer Mahlzeiten. Geeignet ist so ziemlich alles, was nicht krümelt oder tropft: Also zum Beispiel Apfel- oder Birnenschnitze, Gemüsesticks aus Möhren oder Paprika, Kirschtomaten, süße Trockenfrüchte, Nüsse, kleine Kekse und Cracker, Mini-Würstchen, Käsestücke oder Brezeln. Vorsicht geboten ist bei sehr klebrigen oder halbflüssigen Speisen wie Schokolade, Pudding oder Joghurt. Denn Kleckern im Auto ist garantiert. Das Füttern kleinerer Kinder sollte lieber auf den nächsten Stopp aufgeschoben werden, empfiehlt der ADAC. Einmal scharf gebremst und das Kleine könnte sich verschlucken oder mit dem Löffel verletzen.

Für den Kreislauf ist es auf langen Autofahrten wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch auf die Gefahr hin, ein paar zusätzliche „Pipi-Pausen“ einzulegen zu müssen. Als Getränke eignen sich verdünnte Säfte oder Wasser ohne Kohlensäure, die in Plastikflaschen mit Trinkverschluss mitgenommen werden. Mit Essen und Trinken lassen sich nicht nur lange Fahrtzeiten überbrücken. Ausreichend Verpflegung dabei zu haben, ist auch im Falle eines unvorhergesehenen Staus mehr als ratsam.

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Neben Reiseübelkeit ist Langeweile der größte Feind

Ist das Kind satt und ausgeschlafen, hilft gegen Langeweile und Ungeduld nur noch Unterhaltung. Es muss kein bühnenreifes Programm sein, aber ein wenig Gedanken sollte man sich im Vorfeld schon darüber machen, wie man den Nachwuchs bei Laune hält. Richtig anstrengend wird es, wenn Geschwister im Auto zu streiten beginnen und sich Reibereien zu Handgreiflichkeiten auswachsen. Da hilft nur Ablenkung. Erfahrungsgemäß vergeht die Zeit am schnellsten, wenn man spielt. Spaß macht zum Beispiel ein kleiner Zählwettbewerb, der anspornt, die Umgebung bewusst wahrzunehmen. Dafür wird vorher festgelegt, was gezählt wird, zum Beispiel rote Autos.

Es gibt noch eine Menge andere kurzweilige Spiele, für die man nichts anderes als Fantasie benötigt: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Ich packe meinen Koffer“, Nummernschilder erraten oder bekannte Märchen erzählen, in die Fehler eingebaut werden. Zum Beispiel, dass Rotkäppchen von einer Schlange gefressen wird. Kleinere Kinder beschäftigen sich in der Regel gerne und ausdauernd mit Bilderbüchern. Wer vor der Fahrt in ein neues Exemplar investiert, kann seinem Kind damit ein paar spannende Entdeckungsmomente bereiten. Doch Vorsicht: Viele Kinder können es nicht gut vertragen, den Blick während der Fahrt ausdauernd nach unten zu wenden. Reiseübelkeit kann durch Lesen noch verstärkt werden.

Wer genug gelesen, geraten, erzählt oder gesungen hat, der freut sich mit großer Sicherheit über eine spannende Hör-CD oder interessante Apps. Auch davon sollten Mama und Papa ein paar ins Handschuhfach legen oder auf dem Smartphone haben. Benjamin Blümchen und Co. sind selbst im Dutzend noch leichter zu ertragen als das x-te Mal die Frage: „Wann sind wir endlich da?“ Wenn es trotz allerbester Bespaßung zwischendurch trist wird auf der Rückbank, sollten sich Mama oder Papa ruhig ab und zu zum Nachwuchs nach hinten setzen.

 

Beim Zugfahren gibt es viel Raum und Zeit für Spiele

Im Zug ist dieses Problem schon mal gelöst. Denn da sitzt man als Familie zusammen. Ausreichend Bücher, Malsachen und Spiele dürfen jedoch auch auf langen Zugfahrten nicht fehlen. Im Gegensatz zum Auto gibt es in fast jedem Abteil einen kleinen Tisch, sodass ruhig auch ein Kartenspiel dabei sein darf. Nur Spiele mit Würfeln oder vielen losen Einzelteilen eignen sich weniger gut für unterwegs. Großen Spaß macht zum Beispiel ein selbst gebasteltes Zug-Bingo: Vor Abreise werden hierfür ein paar Kärtchen mit mehreren Bildern vorbereitet. Diese zeigen, was man auf einer Bahnfahrt so alles entdecken kann: einen Bahnhof, Wolken, Häuser, Gras, einen anderen Zug, Koffer, Schaffner und so weiter. Wer zuerst alles entdeckt hat oder eine Fünferreihe voll hat, hat gewonnen.

Damit es keinen Ärger mit lärmempfindlichen Mitreisenden gibt, bietet die Bahn in ihren Fernzügen und ICEs spezielle Kleinkindabteile an. Hier dürfen Kinder nach Lust und Laune schreien, rufen, lachen und sogar auf dem Fußboden und den Sitzen spielen. In der Nähe befinden sich zumeist Toiletten mit einer Wickelmöglichkeit und es gibt einen Stellplatz für den Kinderwagen. Sofern mitgebrachte Babykost erwärmt werden soll, gibt es in fast jedem Familienabteil eine Steckdose für den Fläschchenwärmer. Da diese Angebote jedoch begrenzt sind, müssen Sitzplätze frühzeitig reserviert werden.

Wenn das Kleinkindabteil bereits ausgebucht ist oder der Zug keines besitzt, bietet sich mit Kindern am ehesten eine Fahrt im klassischen Sechs-Personen-Abteil an. Auch da gibt es Sitzplätze mit Tisch und die Abteiltür lässt sich im Vergleich zum Großraumwagen schließen. So bringt man sich gar nicht erst in die Verlegenheit, kleinen Passagieren auf langen Zuggängen nachrennen und sie wieder einfangen zu müssen oder den Mitreisenden zuliebe ständig zur Ruhe zu mahnen. In Ferienzeiten kann es in Zügen jedoch ganz schön voll werden. Deshalb gilt für die Bahn-Verpflegung dasselbe wie auf Autofahrten: Auf jeden Fall eine Brotzeit dabei haben! Und je handlicher der Snack, desto unfallfreier der Verzehr.

Das Gepäck separat befördern – so hat man die Hände frei

Wer sich nicht mit Kinderwagen und schwerem Koffer durch die engen Zug-Gänge schieben möchte, kann sein Gepäck separat befördern lassen. Hierfür arbeitet die Deutsche Bahn mit einem Kurierdienst zusammen, der Taschen und Koffer bequem zu Hause abholt. Vor allem für diejenigen, die auf ihrer Strecke mehrmals umsteigen müssen, ist der Gepäckservice eine sinnvolle Einrichtung. So hat man die Hände frei und kann sich entspannt den Kindern widmen. Generell gilt jedoch: Bei Bahnfahrten mit Kindern immer die schnellste Verbindung wählen, bei der man am wenigsten Umsteigen muss.

Sitzt man erst einmal auf seinem Platz und ist die Zug-Verbindung auch noch pünktlich, dann ist der Komfort der Bahn im Vergleich zum Auto eigentlich unschlagbar - trotz ihres schlechten Images. Außerdem fahren Kinder in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern bis 15 Jahre umsonst mit, was die Bahn auch im Vergleich zum Flieger für Familien attraktiv macht. Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern ist es sicherlich die nervenschonendste Reiseform. Die Kleinen haben hier ausreichend Platz zum Krabbeln und Herumlaufen und müssen nicht stundenlang angegurtet im Auto sitzen. Es gibt keine Staus und es müssen auch keine Pausen auf Parkplätzen eingelegt werden. Zwischendurch können sich auch die Eltern mal entspannt zurücklehnen. Wenn man den eigenen Wagen am Urlaubsort unbedingt braucht, dann sind Autozüge eine gute Alternative. Bei längeren Strecken empfiehlt sich auch eine Zugfahrt bei Nacht. Ob Amsterdam, Berlin, Prag oder Kopenhagen: Inzwischen sind eine Menge Städte und Regionen in Europa direkt mit der Bahn zu erreichen. Für die Kinder ein großes Abenteuer, das die auf Reisen sicher meist gestellt Frage („Wann sind wir endlich da“) auch mal ein paar Stunden in den Hintergrund rückt.

Mit dem Flugzeug schnell das Weite suchen

Ob in den Familienurlaub ans Mittelmeer, in die Ägäis oder nach Florida: Um möglichst schnell größere Distanzen zu überwinden, ist das Flugzeug für Reisen mit Kindern das perfekte Transportmittel. Auch wenn bei Start und Landung sowie bei Turbulenzen Anschnallpflicht besteht, haben sie manchmal in der Flugzeugkabine etwas mehr Bewegungsfreiheit als im Auto. Hier gibt es Filme und Musik, Spielzeug, Essen und Trinken am Platz. Die meisten Fluggesellschaften sorgen sich sehr um das Wohlergehen ihrer kleinen Passagiere.

Um möglichst stressfrei abheben zu können, gibt es vielfach die Möglichkeit eines Vorabend-Check-in. Wenn du in der Nähe des Abflughafens wohnst, kannst du das Gepäck bereits am Vorabend am Flughafen einchecken und hast am eigentlichen Reisetag die Hände für die aufgeregten Kinder frei.

Für Familien bieten sich generell Sitzplätze in der ersten Reihe an. Dort gibt es nicht nur die größte Beinfreiheit. Bei Übernachtflügen lassen sich auch Reisebettchen der Airline an der Vorderwand befestigen.

Auch wenn Kleinkinder unter zwei Jahren manchmal umsonst (z.B. innerdeutsch bei der Lufthansa), für 10 Prozent (Lufthansa international, Condor) oder eine Pauschale (15 bis 50 Euro je nach Strecke bei TUIFly oder germanwings) mitreisen, lohnt bei Langstreckenflügen möglicherweise die Investition in einen zusätzlichen Sitzplatz. Denn stundenlang auf dem Schoß der Eltern zu hocken, kann für beide Seiten auf die Dauer anstrengend sein. Dann allerdings muss der erhöhte Preis für ein älteres Kind gezahlt werden. Das sind meist bis zum Altern von 12 Jahren zwischen 66 bis 75 Prozent des Reisepreises für einen Erwachsenen.

Soll das Kleinkind auf dem extra gebuchten Sitzplatz einem Kindersitz gesichert werden, muss das mit der Airline vorher abgesprochen sein. Kläre insbesondere, ob dein Sitz auch für ein Flugzeug zugelassen ist. Als Beispiel für die Richtlinien hier einmal die Kindersitz-Regelung bei Condor.

Wer den eigenen Buggy oder Kinderwagen mitnehmen will, sollte sich vorab erkundigen, wann dieser wo eingecheckt wird. Manche Airlines schicken die ganze Familie zusätzlich zum Sperrgepäckschalter und stellen ab dort einen Leihbuggy zur Verfügung. Andere lassen die Eltern das eigene Gefährt bis zur Tür des Flugzeugs schieben und laden es dann erst ein. Solltest du während der Reise auf den Kinderwagen verzichten und z.B. auf eine Traghilfe ausweichen können, gibt es in diversen beliebten Urlaubszielen die Möglichkeit, über einen Verleihservice einen Buggy oder Kinderwagen ins Hotel liefern zu lassen.

Im Flugzeug herrschen besondere Bedingungen

Die Reiseziele sollten in Entfernungen liegen, die dem Alter entsprechen, empfehlen die Fluggesellschaften. Denn im Flugzeug herrscht meist trockene und kalte Luft sowie ein niedriger Luftdruck. Umstände, die Kinder durchaus in Stress versetzen können. Im Vorfeld der Reise sollte sich der Kinderarzt die Kleinen daher noch einmal ansehen. Gegen den unangenehmen Ohrendruck helfen Schlucken und Kauen, zwei Tätigkeiten, die Kindern immer Spaß machen. Um den Druckausgleich zu mildern, am besten bei Start und Landung etwas zu trinken oder zu essen geben. Ansonsten gilt für Flugreisen das Gleiche wie für Fahrten im Auto oder Zug: Wartezeiten und Langeweile müssen geschickt überbrückt werden. Doch solange die Eltern entspannt bleiben, sind es auch die Kinder – egal ob auf dem Weg an die Ostsee, nach Südfrankreich oder auf die Seychellen.



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