Wie reisen Familien bequem?
Urlaub mit Kindern: Auto, Zug oder Flugzeug?
Familien reisen anders. Und zwar mit mehr Gepäck, oft zur Hochsaison, vor allem aber mit ein bis mehreren ungeduldigen Passagieren an Bord. Welches Verkehrsmittel eignet sich da am besten? Auto, Flugzeug oder die Bahn. Hier erhalten Sie Entscheidungshilfen für eine entspannte Urlaubsfahrt mit Kind.
Die Deutschen steigen am liebsten ins Auto
Geht es in den Urlaub, sind die Deutschen am liebsten mit dem eigenen Auto unterwegs. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kann die Fahrtzeiten frei wählen, so viele Dinge mitnehmen, wie der Kofferraum schluckt, man ist vor Ort flexibel und spart sich den teuren Mietwagen. Was viele Eltern als bequem empfinden, bedeutet für kleine Beifahrer jedoch Anstrengung pur. Festgeschnallt im Kindersitz, stundenlang stillsitzen, dazu vielleicht noch Hitze und Staus: Da kann die Vorfreude auf den Urlaub schnell verpuffen. Wer mit dem Auto verreist, braucht daher einen guten Plan.
Regelmäßige Pausen zum Austoben einplanen
So halten gut ausgetobte Kinder das Stillsitzen im Wagen länger aus. Also die Kinder vor Abfahrt am besten noch einmal auf den Spielplatz jagen. Auch das Gepäck lieber ohne aufgeregte kleine Urlauber verstauen: Das geht schneller und spannt sie nicht schon Stunden vorher auf die Folter. Damit sich Groß und Klein auf langen Autofahrten regelmäßig die Beine vertreten und Sauerstoff tanken können, sollte alle anderthalb bis zwei Stunden eine Pause einlegt werden. Da Fangen- oder Ballspielen auf Rast- und Parkplätzen gefährlich ist, kann ein Springseil gute Dienste leisten. Hüpfen strengt mindestens genauso an, aber die Kinder bleiben an Ort und Stelle.
Glücklicherweise sind entlang der deutschen und europäischen Autobahnen inzwischen eine ganze Reihe moderner, sauberer, vor allem aber familienfreundlicher Raststätten entstanden: mit Kinderspielplatz, Spielecke, Babywickelraum, Babybettchen, Kinderstühlen oder speziellen Kindermenüs.
Mehr als 100 deutsche Raststätten haben sich bereits auf kleine Gäste eingestellt. Deren Niveau ist zwar recht unterschiedlich, doch werden sie regelmäßig vom ADAC unter die Lupe genommen und bewertet.
- Infos zu rund 370 Raststätten entlang deutscher Autobahnen
- ADAC-Test von 101 Raststätten in 16 verschiedenen Ländern
Autofahrten auf die Schlafenszeit legen
Da Autofahren mit Kindern auch bei allerbester Vorbereitung irgendwann in Stress ausarten kann, schwören viele Eltern auf Nachtfahrten in den Urlaub. Vorausgesetzt, der Fahrzeuglenker fühlt sich dafür ausgeruht und konzentriert genug. Wer zur normalen Schlafenszeit des Kindes startet, hat gute Chancen auf eine nervenschonende An- oder Abreise. Das Kind schläft, die Straßen sind in der Regel frei. Bei sehr langen Strecken empfiehlt der ADAC lieber in den frühen Morgen- oder Abendstunden aufzubrechen, sodass die Belastung für den Fahrer nicht allzu groß ist. In jedem Fall sollte es auf der Rückbank der Familienkutsche so behaglich wie möglich sein: Neben bequemer Kleidung dürfen auch ein Schmusetier und eine Kuscheldecke nicht fehlen. Wer tagsüber fährt, sollte die Abfahrt nach Möglichkeit auf den Mittagsschlaf des Kindes legen. So lassen sich die ersten ein bis zwei Stunden schon einmal sinnvoll überbrücken.
Verpflegung: Alles was nicht krümelt oder tropft
Den Hunger stillen unterwegs am besten kleine Snacks aus Vollkorn, Obst und Gemüse statt schwerer Mahlzeiten. Geeignet ist so ziemlich alles, was nicht krümelt oder tropft: Also zum Beispiel Apfel- oder Birnenschnitze, Gemüsesticks aus Karotten oder Paprika, Kirschtomaten, süße Trockenfrüchte, Nüsse, kleine Kekse und Cracker, Mini-Würstchen, Käsestücke oder Brezeln. Vorsicht geboten ist bei sehr klebrigen oder halbflüssigen Speisen wie Schokolade, Pudding oder Joghurt. Denn Kleckern im Auto ist garantiert. Das Füttern kleinerer Kinder sollte lieber auf den nächsten Stopp aufgeschoben werden, empfiehlt der ADAC. Einmal scharf gebremst und das Kleine könnte sich verschlucken oder mit dem Löffel verletzen.
Für den Kreislauf ist es auf langen Autofahrten wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch auf die Gefahr hin, ein paar zusätzliche „Pipi-Pausen“ einzulegen zu müssen. Als Getränke eignen sich verdünnte Säfte oder Wasser ohne Kohlensäure, die in Plastikflaschen mit Trinkverschluss mitgenommen werden. Mit Essen und Trinken lassen sich nicht nur lange Fahrtzeiten überbrücken. Ausreichend Verpflegung dabei zu haben, ist auch im Falle eines unvorhergesehenen Staus mehr als ratsam.
Neben Reiseübelkeit ist Langeweile der größte Feind
Ist das Kind satt und ausgeschlafen, hilft gegen Langeweile und Ungeduld nur noch Unterhaltung. Es muss kein bühnenreifes Programm sein, aber ein wenig Gedanken sollte man sich im Vorfeld schon darüber machen, wie man den Nachwuchs bei Laune hält. Richtig anstrengend wird es, wenn Geschwister im Auto zu streiten beginnen und sich Reibereien zu Handgreiflichkeiten auswachsen. Da hilft nur Ablenkung. Erfahrungsgemäß vergeht die Zeit am schnellsten, wenn man spielt. Spaß macht zum Beispiel ein kleiner Zählwettbewerb, der anspornt, die Umgebung bewusst wahrzunehmen. Dafür wird vorher festgelegt, was gezählt wird, zum Beispiel rote Autos.
Es gibt noch eine Menge andere kurzweilige Spiele, für die man nichts anderes als Fantasie benötigt: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Ich packe meinen Koffer“, Nummernschilder erraten oder bekannte Märchen erzählen, in die Fehler eingebaut werden. Zum Beispiel, dass Rotkäppchen von einer Schlange gefressen wird. Kleinere Kinder beschäftigen sich in der Regel gerne und ausdauernd mit Bilderbüchern. Wer vor der Fahrt in ein neues Exemplar investiert, kann seinem Kind damit ein paar spannende Entdeckungsmomente bereiten. Doch Vorsicht: Viele Kinder können es nicht gut vertragen, den Blick während der Fahrt ausdauernd nach unten zu wenden. Reiseübelkeit kann durch Lesen noch verstärkt werden.
Wer genug gelesen, geraten, erzählt oder gesungen hat, der freut sich mit großer Sicherheit über eine spannende Hör-CD. Auch davon sollten Mama und Papa ein paar ins Handschuhfach legen. Benjamin Blümchen und Co. sind selbst im Dutzend noch leichter zu ertragen als das x-te Mal die Frage: „Wann sind wir endlich da?“ Wenn es trotz allerbester Bespaßung zwischendurch trist wird auf der Rückbank, sollten sich Mama oder Papa ruhig ab und zu zum Nachwuchs nach hinten setzen.

Druck
Kommentare
Email