Auf sanftem Weg zum Kind

Fruchtbarkeit natürlich unterstützen

Wenn sich die erwünschte Schwangerschaft nicht einstellt, hat nicht jede Frau den Wunsch, gleich die ganze Fruchtbarkeits-Maschinerie in einer Kinderwunschpraxis über sich ergehen zu lassen. Hier gibt es Infos über natürliche Methoden.

von Gabriele Möller
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Babys Kiste Wolke Pitopia
Foto: © Pitopia / Haymo , 2006

Alternative zur medizinischen Fruchtbarkeits-Maschinerie

Wissenschaftler schätzen, dass 15 bis 30 Prozent aller Paare in den Industrienationen mehr als ein Jahr vergeblich aufs Wunschkind warten. Ein Großteil der ungewollt kinderlosen Paare kommt früher oder später in eine Kinderwunschpraxis. Hier läuft dann eine wahre Fruchtbarkeits-Maschinerie an: Mehrfache Blutabnahmen, Spermiogramme, Hormonspritzen, Eizell-Entnahmen, künstliche Befruchtung (ICSI und IVF) oder Inseminationen können die Paarbeziehung sehr strapazieren. Und die Erfolgsquote ist trotz des großen Aufwands nicht hoch, sie liegt meist unter zehn Prozent. Manches Paar fragt sich da, ob es nicht auch einen sanfteren oder natürlicheren Weg zum Wunschkind gibt. urbia stellt drei alternative Ansätze vor: Die Fruchtbarkeitsmassage, das Hormon-Yoga und das Luna-Yoga.

Fruchtbarkeitsmassage soll den Bauch 'aufräumen'

Kate Moss, Gwyneth Paltrow und Madonna gehörten schon zu ihren Patientinnen: Die Londoner Gynäkologin Dr. Gowri Motha entwickelte seit 1992 das sog. Creative Healing des Amerikaners Joseph B. Stephenson weiter. Sie passte dessen Methode speziell an die Bedürfnisse von Frauen mit Kinderwunsch an. Hierzulande wird die Methode als Fruchtbarkeitsmassage bezeichnet. Eine groß angelegte Studie zur Wirksamkeit steht zwar aus. Motha berichtet jedoch, dass etwa 75 Prozent der Frauen, die sie selbst parallel zu einer konventionellen Kinderwunsch-Therapie behandelte, inh. eines Jahres schwanger wurden – eine etwa siebenmal so hohe Quote wie bei alleiniger schulmedizinischer Behandlung. Auch ohne Kombination mit der schulmedizinischen Behandlung erzielt sie angeblich Erfolgsquoten von zwei Dritteln und mehr – sofern es keine gravierenden Schwangerschaftshindernisse gibt (z. B. vernarbte, undurchlässige Eileiter). Die Heilpraktikerin Birgit Zart führte die Methode vor gut zehn Jahren auch in Deutschland ein.

„Es geht für mich darum, mit der Fruchtbarkeitsmassage den Bauch einer Frau sozusagen aufzuräumen“, erläutert Judith Kulesza, Hebamme und Heilpraktikerin aus Düsseldorf. „Die Massage soll dabei zunächst vier Dinge leisten: Der Körper soll an allen Stellen auf eine gleichmäßige, gesunde Temperatur gebracht werden. Außerdem werden im Lymphsystem Staus gelöst, so dass Schadstoffe wie Schwermetalle, Dioxine, Nitrosamine, aber auch Harnsäurekristalle (entstehen u.a. durch zuviel Fleischgenuss) aus dem Gewebe herausgeleitet werden. Drittens sollen die Unterleibsorgane mit der Hand optimal ausgerichtet werden.“ Zum Beispiel könne man eine nach hinten geknickte Gebärmutter aufrichten. „Und schließlich können Muskelverspannungen, die oft Folge seelischer Verspannungen sind, aufgelöst werden“, erläutert Kulesza, die bei Dr. Motha gelernt hat und die Fruchtbarkeitsmassage in ihrer Praxis anwendet

Positiver Einfluss bei Hormonstörungen, PCO und Endometriose

Während der Massage lässt sich die Hebamme auch innerlich auf die Frau ein: „Zum einen stelle ich mir vor dem inneren Auge die Organe der Frau vor, und auch, wie sie sich unter der Massage positiv verändern, ich visualisiere sie also. Zum anderen frage ich die Frau auch, was sie fühlt. Die meisten Frauen empfinden die Massage als sehr angenehm. Viele bekommen auch zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was eigentlich in ihrem Körper passiert, zum Beispiel beim Eisprung“ berichtet sie. „Mit etwas Übung kann eine Frau ihre Gebärmutter oder die Eierstöcke auch selbst ertasten.“ Für die Massage, für die Olivenöl verwendet wird, werden bestimmte Handhaltungen benutzt, die entweder entspannen, oder zur (Lymph-)Drainage dienen sowie Organe ausrichten oder anregen.

Mit der Fruchtbarkeitsmassage erzielt Kulesza vor allem Erfolge bei hormonellen Störungen. So bekam eine Frau, die zuvor ein Jahr lang keine Menstruation gehabt hatte, nach sechs Massagen ihre erste Blutung. Wenige Monate später wurde sie schwanger. Auch bei PCO (polyzystische Ovarien) oder Endometriose (gutartige Wucherungen von Gebärmutterschleimhautzellen im Bauch) konnte Kulesza helfen. „Bei PCO können die Zysten verschwinden, bei Endometriose kann man zumindest Beschwerdefreiheit erzielen“. Und sogar leichte Verklebungen in den Eileitern können ihrer Erfahrung nach mit etwas Glück durch die Massage gelöst werden. Meist wird zwar die Frau behandelt, jedoch kann auch der Mann von der Massage (in diesem Fall der Prostata) profitieren. Das Paar kann sich aber auch gegenseitig massieren, wenn es die Methode erlernt.

Liegen schwerwiegendere Fruchtbarkeitshindernisse vor, kann die Fruchtbarkeitsmassage eine gute Begleitung der schulmedizinischen Kinderwunschbehandlung sein. Die entspannende, die Selbstheilungskräfte und das Selbstbewusstsein anregende Wirkung sind ein gutes Gegengewicht zum Stress einer Kinderwunschtherapie.

Alle Lebensbereiche stehen auf dem Prüfstand

Die Hebamme setzt aber nicht nur auf die Massage, sondern durchleuchtet zusammen mit der jeweiligen Frau auch deren Lebenssituation. „Es ist dabei wichtig herauszufinden, wo es im Alltag der Frau hapert. Ob zum Beispiel ihre Ernährung verändert werden sollte, sie also vielleicht mehr Vitamin E oder bestimmte Mineralstoffe braucht. Oder ob sie beruflich so überlastet ist, dass gar kein Raum für ein Baby in ihrem Leben wäre, und es deshalb nicht klappt. Und auch psychische Blockaden, die einer Empfängnis entgegenstehen, können bearbeitet werden.“ Die Fruchtbarkeitsmassage kann dabei auch durch andere alternative Heilmethoden ergänzt werden. Eine Massage-Sitzung dauert mit Vor- und Nachgespräch etwa 75 Minuten und findet einmal pro Woche statt (über sechs Wochen). Später reicht eine Auffrischung pro Monat.

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