Alleinerziehend

Alleinerziehend – welche Unterstützung steht mir zu?

Von insgesamt 8,1 Millionen Familien in Deutschland besteht fast jede fünfte aus einem Ein-Elternteil-Haushalt. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Wirft man einen Blick auf die  Fakten zu Alleinerziehenden zeigt sich, dass fast die Hälfte der alleinerziehenden Mütter (42,3 Prozent) armutsgefährdet ist. Gründe dafür, alleinerziehend zu werden, gibt es viele – im Wesentlichen sind diese Scheidung, Trennung und manchmal auch der Tod des Partners. Einige sind von Anfang an alleinerziehend, manche haben dies bewusst gewählt, andere wieder nicht. Doch nur die wenigsten Menschen planen von vornherein ein Kind allein zu bekommen und großzuziehen.

Mutter Sohn ernst
Foto: © iStockphoto.com/ Marina_Di
Alleinerziehende Mütter und Väter stehen vor größeren Herausforderungen als Familien mit zwei Elternteilen, denn sie müssen oftmals alles in einer Person vereinen, gerade dann, wenn der andere Elternteil sich nicht um sein Kind kümmert und keinen Unterhalt zahlt. Der alleinerziehende Elternteil muss dann die Rolle des Versorgers und des Kinderbetreuers übernehmen und gleichzeitig den Haushalt führen – er muss Mutter und Vater in einer Person sein. Viele Alleinerziehende stehen vor dem Dilemma, Kinder und Job unter einen Hut zu bringen. Da ein Schul- oder Kindergartentag meistens nicht so lang ist wie ein normaler Arbeitstag, ist guter Rat da oft teuer. Allerdings wird alleinerziehenden Eltern vom Staat einiges an  Unterstützung gewährt.

So haben die zumeist in Steuerklasse 2 eingestuften Eltern ein Anrecht auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1.308 Euro jährlich, der direkt über die Steuern abgerechnet wird. Minderjährige Kinder haben bis zum Ende der ersten Ausbildung einen Anspruch auf Unterhalt. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet seinen Beitrag durch die Erziehung und Versorgung des Kindes, der andere Elternteil muss seinen Beitrag finanziell leisten. Die  Höhe des Unterhalts richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle, welche die Einkommens-, Vermögens- und Lebensverhältnisse des zahlenden Elternteils in die Berechnung miteinbezieht. Wenn keine Unterhaltszahlungen erfolgen, kann ein Teil des Unterhalts zeitweise durch den staatlichen Unterhaltsvorschuss geregelt werden. Unterhaltsansprüche von minderjährigen Kindern haben Vorrang gegenüber allen anderen Unterhaltsansprüchen wie etwa Trennungsunterhalt. Wer als Alleinerziehender ein geringes Einkommen hat und keine staatlichen Leistungen wie das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Sozialhilfe in Anspruch nimmt, dem steht ein Zuschuss in Form von Wohngeld zu. Wer als Alleinerziehender Hartz IV bekommt, kann zusätzlich für sein Kind bis zu dessen 15. Lebensjahr Sozialgeld beantragen.

Als Alleinerziehende den Alltag bewältigen

Alleinerziehende müssen vor allem eins: Ihren Alltag sehr gut organisieren. Die zwei größten Faktoren sind hierbei die Arbeitszeit und die Zeit für die Kinder. Wer allein für sich und sein Kind sorgen muss, der braucht Geld. Vor allem deshalb arbeiten viele alleinerziehende Eltern in Vollzeit. Daher ist oft ein großer Spagat zwischen Arbeitszeit und Kinderbetreuung notwendig. Daneben müssen alltägliche Notwendigkeiten wie Einkäufe und Haushaltsführung zeitlich optimal organisiert werden. Eine gute Kinderbetreuung in Kindergarten, Schule und Hort ist für Alleinerziehende unerlässlich. Leider ist eine solche Betreuung nicht für jeden möglich, etwa wenn Stunden ausfallen oder die Kindergarten-Öffnungszeiten kürzer sind als die Arbeitszeiten. Einige Alleinerziehende bekommen Unterstützung durch die eigenen Eltern oder Freunde, die in der Nähe wohnen und einspringen können.

Auch gegenüber dem Arbeitgeber ist es oft nicht leicht, sich als alleinerziehender Elternteil zu behaupten. Vielen Eltern, die wegen kranken Kindern ab und zu fehlen, wird der Aufstieg auf der Karriereleiter oft verwehrt. Bestimmte Dinge wie zum Beispiel häufige Dienstreisen sind für Alleinerziehende gar nicht erst möglich. Eine flexiblere Arbeitszeiteinteilung wäre für viele Eltern eine große Entlastung. Wer alleinerziehend mit Kind, dafür aber ohne Arbeit dasteht, ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Es ist vor allem dann schwierig, einen Job mit einem ausreichend hohen Einkommen zu finden, wenn aufgrund der Schwangerschaft Schul- oder Berufsabschlüsse nicht gemacht werden konnten.

Kinder alleinerziehender Eltern

Nicht nur für die Ex-Partner ist eine Trennung schlimm, auch die Kinder leiden sehr darunter, wenn sich  Mama und Papa nichts mehr zu sagen haben. Oft geben sie sogar sich selbst die Schuld an der Trennung der Eltern. Es ist wichtig, mit dem Kind über seine Gefühle und Ängste zu sprechen und ihm die Situation zu erklären. In keinem Fall sollte der Ex-Partner vor dem Kind in einem schlechten Licht dargestellt werden. Das Wohl des Kindes muss jederzeit im Mittelpunkt stehen. Manche Kinder äußern ihre Ängste nicht, sondern machen sie mit sich aus, um ihre Eltern nicht zu belasten. Das entlädt sich dann oft in schlechten Schulnoten, Albträumen, allgemeiner Anhänglichkeit, plötzlichen Wutausbrüchen und anderem ungewöhnlichen Verhalten. Wichtig ist es, dem Kind zu zeigen, dass es geliebt wird und dass sich daran durch die neue Lebenssituation nichts ändern wird. Schwierig kann es zudem werden, wenn  ein neuer Partner auf der Bildfläche erscheint. Auch dann ist es wichtig, mit dem Kind zu sprechen und es nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es braucht Zeit, um sich an den neuen Partner an Mamas oder Papas Seite zu gewöhnen.

Alleinerziehend zu sein heißt eine große Herausforderung zu bewältigen, doch es ist heute kein Sonderfall mehr. Es gibt eine große Zahl an Gruppen und Verbänden, in denen sich alleinerziehende Eltern austauschen können. Sie erhalten nützliche Tipps und können sich mit anderen alleinerziehenden Eltern in ihrer Gegend treffen. Entgegen vieler falscher Behauptungen stimmt es nicht, dass Kinder alleinerziehender Eltern in der Regel psychisch labiler sind. Oftmals sind diese Kinder im späteren Leben sogar belastbarer und selbstständiger.


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