Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen

Heilpflanzen gegen Schwangerschaftsbeschwerden

Die Pflanzenheilkunde ist die älteste Heilkunst überhaupt. Und für so ziemlich jedes Wehwehchen ist ein Kraut gewachsen - auch und gerade in der Schwangerschaft. urbia stellt hilfreiche Heilpflanzen, ihre Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten vor.

Autor: Christiane Prang
Seitenanfang

Warum Heilpflanzen in der Schwangerschaft?

Schwanger Beschwerden Heilpflanzen
Foto: © panthermedia.net/ Bernd Friedel

So alt wie die Menschheit selbst ist die Anwendung von Pflanzen und Kräutern in der Heilkunde. Gerade Frauen und Hebammen nutzen seit Jahrtausenden die Heilkraft der Pflanzen. Sind sie doch durch den weiblichen Zyklus und durch Schwangerschaft, Gebären und Kinderbetreuen mit dem Rhythmus der Natur aufs Engste verbunden. Weise Kräuterfrauen und Geburtshelferinnen standen Frauen mit ihrem uralten Wissen über Heilpflanzen seit jeher zur Seite.

Sanfte Medizin erfährt seit Jahren ein ungebrochenes Comeback. Heilpflanzen sind seit Jahrtausenden bewährt, sie lindern Beschwerden auf milde Weise und gelten bei vorschriftlicher Anwendung als gut verträglich. Daher kommen sie gerade in der sensiblen Phase der Schwangerschaft als Alternative zu synthetisch hergestellten Medikamenten besonders in Frage. Die werdende Mutter beansprucht nicht nur für sich selbst schonende Medizin, sondern auch für ihr Ungeborenes. Dennoch sollte man auch in der Anwendung von Heilkräutern, Tees und innerlicher Einnahme bei Unsicherheiten Rücksprache mit dem Hausarzt halten und seinen Körper gut beobachten. Auch Naturmedizin kann unerwünschte Wirkungen zeigen. Es gibt sogar Pflanzen wie den Wacholder, der in hoher Dosierung abtreibend wirken kann. Ein sorgfältiger Umgang sollte bei der Anwendung von Heilpflanzen in der Schwangerschaft selbstverständlich sein.

Dr. med. Rainer C. Görne, Facharzt für Klinische Pharmakologie und Toxikologie in Neustadt an der Weinstraße weist darauf hin, dass pflanzliche Arzneimittel in therapeutischen Dosen mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln eine Wechselwirkung eingehen können. „Sogar der Genuss von Grapefruitsaft in Verbindung mit blutdrucksenkenden Mitteln kann unerwünschte Wechselwirkungen zeigen“, mahnt der Mediziner zur Vorsicht. Treten unbekannte Symptome wie Übelkeit, Magenkrämpfe oder Gebärmutterkontraktionen auf, sollte die Einnahme des Pflanzenpräparats unterbrochen und der Rat eines Mediziners, einer Hebamme oder eines Naturheilarztes eingeholt werden. Grundsätzlich gilt bei der Einnahme von Heilkräutern immer, dass die Pflanze nur im akuten Beschwerdefall angewendet wird. Jeder übermäßige Gebrauch der Heilpflanze kann die Gesundheit gefährden. Es kommt dabei natürlich auf die richtige Dosierung an. Darum sollte der Behandlungszeitraum mit Heilpflanzen auch nie länger als ein bis zwei Monate umfassen. Am besten lässt man sich von einem fachkundigen Apotheker, einer Hebamme oder einem Heilpraktiker beraten.

Diese Heilpflanzen für Schwangere besser nicht

Eisenkraut und Mutterkraut regen den weiblichen Zyklus an und können Kontraktionen der Gebärmutter fördern.

Abführende Heilpflanzen wie Sennesblätter, Aloe, Rhabarberwurzel oder Faulbaumrinde können zu starken Darmreizungen führen, was Wehentätigkeiten in Gang setzen kann. Daher rät das Autorenduo von „Ganzheitliche Therapien“, die bekannte Hebamme und Heilpraktikerin in Ausbildung, Ingeborg Stadelmann und der Apotheker Dietmar Wolz, von der Verwendung dieser Kräuter in der Schwangerschaft ab.

Der Einsatz wehenfördernder Heilpflanzen macht erst dann wieder Sinn, wenn die Mutter überträgt und eine solche Wirkung beabsichtigt ist. Dann kämen in der Schwangerschaft verbotene No-Go-Kräuter wie Beifuß, Eisenkraut, Zimt, Nelken oder Rosmarin zum Einsatz. Entweder als Teemischungen oder als Badezusätze, empfiehlt Heide Fischer, Ärztin für Frauen-Naturheilkunde aus Freiburg und Autorin mehrerer Bücher über Frauenheilpflanzen.

Der Klassiker schlechthin ist der berühmte schwangerschaftsstabilisierende Tee, gemischt zu gleichen Teilen, von dem zwei bis drei Tassen täglich über drei bis fünf Monate getrunken werden können. Er besteht aus Himbeerblättern, Schafgarbe, Frauenmantel, Melisse, Brennessel, Johanniskraut und Zinnkraut. „Es genügt, wenn er erst ab der 15. bis 20. Schwangerschaftswoche genossen wird“, ergänzt Ingeborg Stadelmann. 

Beliebte Heilpflanzen, die in der Schwangerschaft gut tun

Schafgarbe – Bitterer Frauenfreund

  • Vorkommen und Name: Zu den absolut beliebten Heilpflanzen für Frauenleiden zählt die Schafgarbe. In ganz Europa auf Weiden, Wiesen und an Wegrändern findet man das Kraut mit den weißlichen bis rosafarbenen Blütendolden und den zähen Stängeln. Einer ihrer Beinamen „Augenbraue der Venus“ weist schon auf die Verwendung als Frauenheilkraut hin. Ihr wichtigstes Merkmal ist die wundheilende und blutstillende Wirkung. Schafgarbe, auch als „Bauchwehkraut“ bekannt, wirkt mit seinen Bitterstoffen entkrampfend und verdauungsfördernd. Bei Schwangerschaftsübelkeit kann die Schafgarbe gute Dienste leisten. Schafgarbe ist außerdem entzündungshemmend, was bei der Behandlung von Hämorrhoiden von großem Nutzen ist. Positiver Einfluss wird der Schafgarbe ebenfalls bei venösen Problemen nachgesagt, da das Kraut gefäßtonisierend wirkt. Bei vorzeitiger Wehentätigkeit oder Blutungen hat die Schafgarbe einen blutstillenden Einfluss.
  • Beschwerdebilder: Darmträgheit, Übelkeit, Hämorrhoiden
  • Anwendungsbeispiele: Schafgarbe kann als Tee, Tinktur oder Frischpflanzensaft verwendet werden. Bei der Verwendung in Teeform sollte die Schwangere täglich schon etwa drei bis fünf Tassen zu sich nehmen. Ein Sitzbad mit Schafgarbe hat neben seinem wundheilenden Einfluss zudem einen zusammenziehenden und Juckreiz stillenden Effekt.

Hopfen – Angenehmer Müdemacher

  • Vorkommen und Name: Die Verbindung des Hopfens zum Bierbrauen lässt die anderen Eigenschaften der auffälligen Rankpflanze, dessen deutscher Name soviel bedeutet wie „über die Hecken hüpfen“ in den Hintergrund treten. Zu Unrecht, denn bereits in der Antike wurde das Hanfgewächs als Delikatesse verspeist. Gerne wird der Hopfen bei Schlafstörungen und Unruhezuständen jeglicher Art verwendet. Bei Magen-Darmstörungen ist Hopfen ebenfalls ein moderates Heilmittel. Da Hopfen zu den Bitterdrogen zählt, ist sein Einsatz gegen die berühmte Schwangerschaftsübelkeit außerdem von Nutzen. Ingeborg Stadelmann empfiehlt in ihrer bekannten „Hebammensprechstunde“ bei Wadenkrämpfen im letzten Schwangerschaftsdrittel eine Teemischung mit Hopfen. Und zwar den „Hebammentee Baldrian“ mit Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Majoran, Melisse und Thymian. Auch bei vorzeitigen Kontraktionen hat sich diese Teemischung in der Praxis der Hebamme bewährt.
  • Beschwerdebilder: Schlafstörungen, Unruhezustände, Magen-Darmbeschwerden, Wadenkrämpfe
  • Anwendungsbeispiele: Teezubereitungen jeglicher Art. Ein  bis zwei Teelöffel getrocknete Hopfenzapfen pro Tasse mit heißem Wasser überbrühen und zehn bis 15 Minuten bedeckt ziehen lassen. Hopfen ist auch in Form von Fertigdragees in der Apotheke erhältlich.

Melisse – Erfrischender Stimmungsaufheller

  • Vorkommen und Name: Eine alte Arzneipflanze der Mittelmeerländer, die Melisse, kennt man hierzulande bereits als zitronig duftende Rezept-Zutat zu Salaten oder Desserts. Sie galt seit der Antike als typisches Frauenkraut. Der griechische Begriff „melissa“ =„Biene“ lässt darauf schließen, dass die Melisse gerne von Bienen aufgesucht wird. Der Stimmungsaufheller wirkt bei aufgewühlten Gedanken beruhigend und erheiternd. „Aufgrund seiner entspannenden Wirkung ist Melisse ein idealer Bestandteil in Kombination mit Mistelkraut und Weißdorn bei schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck im letzten Schwangerschaftsdrittel“, so Stadelmann. Auch bei Blähungen und Verdauungsproblemen wird Melisse erfolgreich eingesetzt. Da Melisse sogar antivirale Eigenschaften besitzt, lässt sich das Kraut, wie von Heide Fischer beschrieben, als Pflanzenwasser oder Salbe gegen Lippen- und Vaginalherpes verwenden.
  • Beschwerdebilder: Blähungen, Gereiztheit und Niedergeschlagenheit, Virenanfälligkeit
  • Anwendungsbeispiele: Als Teezubereitung bei Schlaflosigkeit oder Unwohlsein des Magens, oder als Badezusatz bei Stress und Überarbeitung. Äußerlich angewendet wird Melissensalbe bei Lippenherpes eingesetzt. Der Saft eines frischen Melisseblatts kann auch mehrmals täglich auf die betroffene Stelle aufgetupft werden.

Hamamelis – Hautfreundlicher Wundheiler

  • Vorkommen und Name: Blätter, Rinde und Extrakt der sogenannten Zaubernuss, wie die Heilpflanze auch genannt wird, sind für gesundheitliche Zwecke gebräuchlich. Die Indianer setzen Hamamelis seit Jahrhunderten zur Wundheilung ein und nutzen damit erfolgreich die Haupteigenschaft des Zierstrauchs mit den gelben Blüten. Hamamelis wirkt bei Wundflächen und auf Schleimhäuten zusammenziehend. Der Blutfluss wird schneller gestoppt und das verletzte Gewebe verschließt sich, so dass Bakterien und Viren keine Chance haben, einzudringen. Juckende, schuppige und empfindliche Hautstellen werden durch die Gerbstoffe beruhigt. Darum kommt Hamamelis auch überwiegend äußerlich, in Form von Cremes und Kompressen zum Einsatz. Zäpfchen gegen Hämorrhoiden sind in der Anwendung ebenfalls bekannt.
  • Beschwerdebilder: Hautprobleme, Juckreiz, Hämorrhoiden, Krampfadern
  • Anwendungsbeispiele: Aus getrockneten Hamamelisblättern einen Sud abkochen, abkühlen lassen und kühlende Kompressen auf die hochgelegten Beine legen. Auch gut geeignet: Sitzbäder bei Hämorrhoiden und Vollbäder bei juckender Haut.

Isländisch Moos - Hilfreicher Schleimlöser

  • Vorkommen und Name: Glücklicherweise wächst die Pflanze mit dem irreführenden Namen „Isländisch Moos“ nicht nur in Island, sondern ebenso in den Alpen und in den arktischen Gebieten der Nordhalbkugel. Die Heilpflanze ist auch kein Moos, sondern eine Flechtenart. Seit dem 17. Jahrhundert setzt man Isländisch Moos in ganz Europa bei Atemwegserkrankungen ein. Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und trockenem Husten beschert Isländisch Moos bald ein Ende. Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden können mit der Flechte ebenso wirksam bekämpft werden. Isländisch Moos hat eine natürliche, leicht antibiotische Wirkung. Das Wachstum von Bakterien wird durch ihren Einsatz gehemmt und das Immunsystem positiv beeinflusst.
  • Beschwerdebilder: Entzündungen / Reizungen im Mund- und Rachenraum, trockener Husten, Halsschmerzen, Magenschleimhautentzündung
  • Anwendungsbeispiele: Als Teeaufbereitung und zum Gurgeln werden ca. 1,5 Gramm getrocknetes Isländisch Moos (etwa ein gehäufter Teelöffel) mit 150 Milliliter Wasser überbrüht. Zehn Minuten ziehen lassen und etwa drei bis vier Tassen über den Tag verteilt trinken. Auch erhältlich als Lutschpastillen bei akuten Erkältungsbeschwerden des Mund- und Rachenraumes.

Weitere Pflanzenhelfer bei Schwangerschaftswehwehchen:

  • Bei Sodbrennen, Ischiasproblemen, Übelkeit oder Kopfweh ist die Pfefferminze ein Tausendsassa. Frische Minzeblätter sollten bei Sodbrennen gut gekaut werden oder 0,2 bis 0,4 ml ätherisches Öl wird in wenig lauwarmes Wasser aufgelöst und langsam getrunken. Die kühlende Wirkung der Minze beruhigt den Magen. Bei allgemeiner Schwangerschaftsübelkeit kann auch Pfefferminztee schluckweise getrunken werden. Bei Spannungskopfschmerzen oder Kreislaufschwäche etwas Pfefferminzöl in die Schläfen reiben. Selbst bei Katarrhen der oberen Luftwege lässt sich Pfefferminzöl als Inhalat gezielt anwenden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Homöopathika besser auf Pfefferminze verzichten. Die Wirkung wird dadurch aufgehoben.
  • Dem leidigen Thema Darmträgheit und damit verbunden eine Neigung zu Hämorrhoiden in der Schwangerschaft lässt sich mit einer ballaststoffreichen Ernährung, viel Flüssigkeitszufuhr und der Verwendung von Indischem Flohsamen zu Leibe rücken. Dafür werden etwa ein bis zwei Esslöffel indischer Flohsamen in Joghurt oder Müsli verrührt und eingenommen. Es ist absolut wichtig, begleitend zu dieser Einnahme tagsüber viel Flüssigkeit in Form von Mineralwasser und Tees zu sich zu nehmen.
  • Bei Erkältungen und fieberhaften Erkrankungen haben sich alte Hausmittel wie erhitzter Saft aus Holunderbeeren und Spülungen mit Kamilleblüten bewährt. Ein Tee aus Hagebuttenschalen hilft mit seinem hohen Vitamin C-Gehalt wirkungsvoll bei Erkältungsbeschwerden und grippalen Infekten. 

Weiterführende Links und Infos

  • Fischer, Heide: 
    Frauenheilbuch. Naturheilkunde, medizinisches Wissen und Selbsthilfetipps für eine ganzheitliche Frauengesundheit. 
    4. Auflage 2012, nymphenburger
  • Fischer, Heide: 
    Frauenheilpflanzen. Wirkungen, Hausmittel und praktische Selbsthilfetipps 
    1. Auflage 2006, nymphenburger
  • Stadelmann, Ingeborg: 
    Die Hebammensprechstunde. Einfühlsame und naturheilkundliche Begleitung zu Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit mit Kräuterheilkunde, Homöopathie und Aromatherapie. Stadelmann Verlag. 2005 komplett neu bearbeitete Ausgabe. Wiggensbach.
  • Stadelmann, Ingeborg / Wolz, Dietmar: 
    Ganzheitliche Therapien in Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit. Deutscher Apotheker Verlag 2010.

Eine ausführliche Suchmaschine zu pflanzlichen Arzneimitteln findet man bei der Kooperation Phytopharmaka

(Wichtige Erläuterung für diese Webseite: Da für Schwangere, Stillende und Kleinkinder keine klinischen Studien vorliegen, weil an dieser Personengruppe keine klinischen Studien durchgeführt werden (dürfen), steht in der Regel ein allgemeiner Warnhinweis unter der Pflanzenarznei, dass diese Heilpflanze entweder für Schwangere nicht genügend erforscht wurde, oder von einer Einnahme abgeraten wird. Pharmakologen, Apotheker und Hersteller medizinischer Präparate sichern sich mit dieser Aussage ab. Das heißt allerdings nicht, dass diese Pflanzen nicht angewendet werden dürfen. Die Empfehlungen unseres urbia-Artikels wurden von erfahrenen Experten auf dem Gebiet der Pflanzenkunde geprüft und sind für Schwangere freigegeben/unbedenklich).

Weitere Infos zum Thema bei docjones.de

 

Banner für die Schwangerschafts App von URBIA