Was Eltern zum Zahnen wissen sollten

Durchbruch: Die Zähne kommen

Wenn die ersten Zähne kommen, sind Babys häufig quengelig und schlafen schlecht. In unserem Artikel zum Zahnen geht es deshalb unter anderem um Abhilfe bei Zahnungsbeschwerden und richtige Zahnhygiene für Babys von Anfang an.

Autor: Constanze Nieder
Seitenanfang

Plötzlich quengelig? Baby bekommt den ersten Zahn

Kind Zahn
Foto: © fotolia.de/ Nomad_Soul

Bisher war Julia (sieben Monate) immer ein sehr zufriedenes Baby. Aber seit einigen Tagen ist sie unleidlich, hat ständig die Finger im Mund, weint viel, wacht mehrfach in der Nacht schreiend auf und lässt sich selbst mit dem Vorsingen ihrer Lieblingslieder kaum beruhigen. Eine Freundin der Mutter, selbst Mutter von zwei Kleinkindern, gibt den entscheidenden Tipp: "Julia bekommt bestimmt den ersten Zahn." Eine Woche später ist in der Mitte des Unterkiefers tatsächlich eine weiße Spitze zu sehen: Der erste Milchzahn ist durchgebrochen – 19 weitere müssen noch folgen.

Babys erste Zähne: Wann kommt der erste Zahn?

"Zwischen dem fünften und zehnten Lebensmonat kommt in aller Regel das erste Zähnchen", sagt Hebamme Lisa Janicke aus Bergisch Gladbach. Allerdings sollten sich Eltern, bei deren Kind auch mit einem Jahr noch kein Milchzahn zu sehen ist, keine Sorgen machen, beruhigt Zahnarzt Dr. Jürgen Eisert vom medizinischen Dienst der Stadt Leverkusen: "Die Durchbruchszeiten der Milchzähne sind sehr individualisiert." Gleichwohl gibt es gewisse Mittelwerte, die zur groben Orientierung dienen können. So brechen meist die mittleren Schneidezähne nach der Mitte des ersten Lebensjahrs durch. Die seitlichen Schneidezähne folgen etwa zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat. Die ersten Backenzähne kommen etwa zwischen dem 14. und 15. Lebensmonat, die Eckzähne zwischen dem 17. und 19. Lebensmonat, bevor nach dem zweiten Lebensjahr die hinteren Backenzähne durchbrechen. Bis zum dritten Lebensjahr ist meist das Milchgebiss mit 20 Zähnen komplett.

Welche Probleme das Zahnen Babys bereitet

Ebenso wie jedes Kind individuelle Durchbruchszeiten hat, so kann auch die Reihenfolge der durchbrechenden Zähne variieren, betont Stefanie Stratmann, praktizierende Zahnärztin in Kerpen und Mutter zweier Kinder. Ob der Durchbruch von Eck- oder Backenzähnen mehr schmerzt als der von Schneidezähnen, kann Stefanie Stratmann nicht genau sagen: "Nach meinem Erleben scheinen aber eher die Backenzähne größere Probleme zu bereiten."

Dr. Jürgen Eisert hebt hervor: "Das Zahnen ist immer mit Schmerzen verbunden. So individuell die Durchbruchszeiten sind, so verschieden sind auch die Reaktionen darauf." Neben der Unruhe, die bei der sieben Monate alten Julia zu beobachten ist, können weitere Anzeichen auf den Zahnungsprozess hinweisen. Lisa Janicke, Beirätin für den Bildungsbereich im Bund Deutscher Hebammen, nennt einige häufig vorkommende Symptome: "Die Kinder sind während des Zahnens stark oral fixiert, das heißt sie nehmen Finger oder Gegenstände in den Mund. Es kommt zu einem vermehrten Speichelfluss. Manchmal bemerkt man auch ein typisches Zusammenziehen von Armen und Beinen, wenn sie Zahnungsschmerzen haben. Oftmals haben die Kinder einen wunden Po; sie bekommen eine Windeldermatitis."

Die Zähne kommen: Erhöhte Temperatur bei Baby

Nach Janickes Erfahrung kann beim Zahnen die Körpertemperatur etwas ansteigen, aber in der Regel bleibt die Temperatur eher unter 38,5 ° C. "Sollte das Kind jedoch hohes Fieber haben, sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden", betont die Hebamme. Selten käme es auch zu Hautausschlägen. Eher nicht bestätigen kann Lisa Janicke, dass Kinder beim Zahnen oftmals auch Durchfall bekommen.

Übrigens: Auch wenn bereits die ersten Zähne durchgebrochen sind, ist dies kein Grund, mit dem Stillen aufzuhören, so die Hebamme: "Wir raten, sechs Monate voll zu stillen. Kinder, die schon Zähnchen haben, versuchen manchmal auch zuzubeißen. Das kann die Mutter dem Kind aber abgewöhnen. Wenn sie ihm beispielsweise lautstark sagt, dass das nicht in Ordnung ist."

Abhilfe bei Zahnungsbeschwerden

Wie können Eltern ihren zahnenden Kindern und damit auch sich selbst helfen? Um den Gaumen zu kühlen und dem Kind damit etwas Linderung der Schmerzen zu verschaffen, könnte man dem Kind einen gekühlten Löffel, einen gekühlten Beißring (der im Fachhandel und Drogeriemärkten zu bekommen ist), einen kalten Waschlappen oder ein kühles Stück Obst geben, rät Lisa Janicke. Manchmal verschafft auch ein hartes Stück Brot, auf das die Kinder mümmeln können, Erleichterung. Veilchenwurzeln, die in Naturläden erhältlich sind und auf denen die Kinder herumkauen, hätten eine zugleich desinfizierende und betäubende Wirkung, erläutert Lisa Janicke. Auch Salben, die auf das Zahnfleisch gerieben werden, sowie Homöopathische Mittel würden häufig empfohlen. Insbesondere auf die Salben sollte man jedoch eher verzichten, meint Lisa Janicke. Auch Dr. Eisert rät von diesen Mitteln ab: "Bei den Salben handelt es sich um ein Lokalanästhetikum. Ich halte den Einsatz davon für umstritten." Nach Ansicht von Zahnärztin Stefanie Stratmann ist aber gegen die wohldosierte Verabreichung einer solchen Salbe nichts einzuwenden: "Viele Medikamente können Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen auslösen. Aber wenn das Kind Schmerzen hat, warum sollte man ihm die angeschwollene Stelle im Kiefer nicht mit dem Mittel einreiben, damit es zur Ruhe kommt und vielleicht einschlafen kann? Ich sehe das eher pragmatisch: Macht alles, was den Kindern und Euch hilft."

Eine andere Einstellung dazu hat die zweifache Mutter Lisa Janicke, die auch schon in Ägypten und im Jemen gearbeitet hat: "Das Zahnen sollte als normaler Prozess angesehen werden. Es ist ein Prozess, den jedes Kind durchmachen muss und man sollte ihm während dieser Zeit auch zugestehen, quengelig zu sein und viel zu sabbern. Ich kenne kein anderes Land, in dem das Zahnen so hoch geschaukelt wird wie in Deutschland." Gleichwohl hat die Hebamme auch Verständnis für Mütter und Väter, die ihren Babys Salben oder homöopathische Mittel geben: "Eltern müssen auch funktionieren. Wenn sie nächtelang nicht zum Schlafen kommen, kann ich verstehen, dass sie alles Mögliche ausprobieren." Wie sieht es eigentlich mit Ketten aus Bernstein aus, die einige Eltern ihren zahnenden Kindern umlegen? Lisa Janicke: "Manche sprechen den Steinen eine heilende Wirkung zu. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Studien dazu, ob die Bernsteinketten tatsächlich helfen. Sie schaden in jedem Fall nicht. Warum sollte man es mit ihnen dann nicht versuchen?"


Rund um die Zahnhygiene

Keine Keime übertragen

Nicht erst mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns beginnt die Zahnhygiene beim Kind. Bereits vorher sollten die Eltern schon einige Regeln beachten. "Die Eltern sollten nicht den Löffel, mit dem das Kind gefüttert wird, oder den herunter gefallenen Nucki ablecken. Keime, die wir in der Mundhöhle haben, werden sonst auf das Kind übertragen. Eine Mutter, die beispielsweise Karies oder Parodontose hat, kann schädlichen Keime auf das Kind übertragen", erläutert Stratmann.

Zähne putzen, sobald welche da sind

Sobald das erste Zähnchen in die Mundhöhle reinragt, muss mit dem Zähneputzen begonnen werden, unterstreicht Dr. Eisert. Auch wenn die Babys und Kleinkinder nicht immer davon begeistert sind, sei es eine "elterliche Verpflichtung, dies durchzusetzen". Dr. Eisert. Und auch hierbei spielt die Vorbildfunktion der Eltern eine wichtige Rolle. Das Zähneputzen erfolgt mit einer altersgerechten Zahnbürste. Ab wann dabei Zahnpasta benutzt werden soll, ist umstritten. Dr. Eisert sagt: "Bis zum zweiten Lebensjahr sollte man ohne Zahnpasta putzen, weil die Kinder sie noch runter schlucken." Stefanie Stratmann hingegen rät zum früheren Gebrauch von Kinderzahnpasta. "Etwa mit einem Jahr kann man damit beginnen, den Kindern mit einem erbsengroßen Stück fluorhaltiger Zahnpasta einmal am Tag die Zähne zu putzen. Fluorid lagert sich in den Zahnschmelz ein, macht ihn damit härter und schützt ihn vor Kariesbefall."

Tipps vom Kinderarzt: Pflege von Babyzähnen

Fluorid richtig dosieren

Kinder, die bereits vom Tisch mitessen und über diesen Weg auch Fluorid zu sich nehmen, sollten zusätzlich nur noch entweder fluoridierte Kinderzahnpasta verwenden oder Fluoridtabletten (vom Kinderarzt verschrieben) nehmen. "In keinem Fall aber sollte das Kind, dessen Zahnschmelz sich noch bildet, über alle drei Wege Fluorid zu sich nehmen. Denn dann kann es zu einer Überdosierung von Fluorid kommen und das kann eine Dentalfluorose auslösen. Das heißt, es kann zu weiß gesprenkeltem Zahnschmelz oder sogar zu braunen Flecken auf dem Zahnschmelz kommen", so Stefanie Stratmann. Ob und wie lange dem Kind Fluoridtabletten gegeben werden, sollten die Eltern mit dem Kinderarzt besprechen. Welche Zahnpasta (mit oder ohne Fluorid) genommen werden sollte, kann ebenfalls mit dem Kinderarzt oder mit dem Zahnarzt – der erste Zahnarztbesuch empfiehlt sich etwa mit zweieinhalb Jahren - abgeklärt werden.

Gesunde Ernährung für gesunde Zähne

Nicht nur die Pflege, auch ausgewogene Ernährung spielt für die Zahngesundheit eine wichtige Rolle. Neben dem Verzehr von Süßigkeiten, kann auch das Trinken von gesüßten Tees und Säften fatale Folgen für die Milchzähne haben. Auch die Apfelsaftschorle muss aus Sicht von Stefanie Stratmann nicht sein: "Die Kombination aus Süße und Säure tut den Zähnen nicht gut." Auch raten die Zahnärzte vom Dauernuckeln aus Saugerflaschen, Schnabeltassen und Ventilflaschen ab, weil hierdurch das Kariesrisiko steigt: Das Getränk umspült das Milchgebiss, es entstehen Kariesbildende Säuren und greifen den weichen Zahnschmelz des Kindes an. Im schlimmsten Fall kann es zur Zerstörung der vorderen Milchzähne kommen. Ab dem ersten Lebensjahr sollte daher auf die Verwendung von Saugerflaschen, Schnabeltassen und Ventilflaschen weitestgehend verzichtet werden. Vielmehr sollten die Kinder daran gewöhnt werden, möglichst zuckerfreie Getränke aus Tassen oder Bechern zu trinken.

Milchzähne sind wichtig

Obwohl Milchzähne später ausfallen, haben sie neben der Funktion als Kauwerkzeug eine enorme Bedeutung – die oftmals verkannt wird. Nicht obwohl sie ausfallen, sondern gerade weil sie ausfallen, sollten sie gründlich und konsequent gepflegt werden. Gesunde Milchzähne unterstützen die Sprachentwicklung des Kindes, sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Kiefers und dienen als Platzhalter für die zweiten Zähne, die bereits unter den Milchzähnen angelegt sind. Zudem sind sie die Voraussetzung für gesunde Erwachsenenzähne. Anders als viele glauben, haben Milchzähne große Wurzeln. Stefanie Stratmann betont: "Seitenzähne im Milchzahngebiss zu ziehen, ist Horror für die Kinder und für den Zahnarzt."

Übrigens: Unter www.kinderzahnaerzte.de finden Sie Adressen von Zahnärzten, die sich schwerpunktmäßig der Behandlung von Kindern widmen.

Foren zum Thema

Unsere Partner
  • SteriPharm Folio
  • Pampers
  • Nestle Bebe
  • Eltern Grußkarten
  • Vorname.com
  • Schöner Wohnen Shop