Prager Eltern-Kind-Programm
PEKiP: Zeit der Zärtlichkeit
Nackte Babys fühlen sich wohler und entwickeln ein besseres Körpergefühl - das ist einer der Grundgedanken des Prager-Eltern-Kind-Programms (PEKiP). Erfahren Sie hier was in einem PEKiP-Kurs stattfindet und wie das Programm entwickelt wurde.
Nackte Babys sind zufriedener
Warm ist es in dem Raum, sehr warm. Den nackten Babys, die vergnügt auf ihren Matten strampeln, ist die Saunaatmosphäre jedoch gerade recht. Sie sind erst zwischen zwei und vier Monaten alt und dürfen nicht frösteln. Die acht zufriedenen Nackedeis samt ihren Müttern bilden eine der PEKiP-Gruppen im Haus der Familie in Schwelm. Dass die Kinder während der Gruppentreffen nackt sind, ist eines der Grundprinzipien des sogenannten Prager Eltern-Kind-Programms (von dem sich die Abkürzung PEKiP herleitet). "Die Babys fühlen sich nackt viel wohler, sind zufriedener und schreien weniger", erläutert Gruppenleiterin Ulrike Kohls. Das Nacktsein hat aber noch weitere positive Wirkungen auf die Säuglinge: "Auch ihr Körpergefühl wird deutlich besser und sie bewegen sich sicherer", weiß die Sozialarbeiterin. Viele Babys krabbeln sogar hier zum ersten Mal, was sie zu Hause noch nicht getan haben.
Feine Antennen entwickeln
Natürlich erschöpft sich PEKiP nicht im unbekleideten Herumliegen der Babys. Aktive Phasen mit Anregungen zum altersentsprechenden Spiel wechseln bei dem Treffen mit Ruhephasen und Gesprächen rund um Themen wie Schlaf, Ernährung, Gesundheit und den Alltag mit Kind. Bei dem Spielangebot werden die Babys selber aktiv. Die Eltern werden unterstützt, sich an den Bedürfnissen ihres Babys zu orientieren. Dazwischen berichten die Mütter oder Väter, wie es ihnen und ihrem Kind im Moment geht. So ist die kleine Isabell zwar tagsüber recht pflegeleicht, schläft aber nachts noch nicht durch. Max dagegen schreit auch tagsüber viel und ist ein wahres Temperamentsbündel. Baby Lukas ist von der ehrgeizigen Sorte und möchte sich nicht nur im Kinderwagen aufsetzen, sondern seinen Kopf auch schon ganz lange selbst hochhalten können. Weiter geht es dann im Kreis mit Theodora, die zum Glück jetzt weniger schreit und mit dem Rotschopf Fabian, bei dem gerade die ersten Zähnchen einschießen. Phil möchte am liebsten den ganzen Tag an der Mutterbrust hängen und Felix’ Mutter hat ein wenig Sorgen um sein Gewicht. Gemeinsam berät die Runde, was man tun könnte. Die Atmosphäre ist lebhaft, aber entspannt.
"Überhaupt ist die Atmosphäre etwas ganz Zentrales beim PEKiP", erläutert Ulrike Kohls. "Wichtig ist zum Beispiel auch zu schauen, wie die Stimmung zwischen Mutter oder Vater und Kind ist. Mit einiger Erfahrung sieht man, ob zwischen den Eltern und dem Kind Harmonie herrscht, oder etwas ungeklärt ist. Ich schaue immer: Sind da Vertrauen und Herzlichkeit zu spüren, oder vielleicht eher Ablehnung?", so Kohls. Bei Bedarf wird allein oder in der Runde über das Problem gesprochen.







