Prager Eltern-Kind-Programm

PEKiP: Zeit der Zärtlichkeit

Nackte Babys fühlen sich wohler und entwickeln ein besseres Körpergefühl – das ist einer der Grundgedanken des Prager-Eltern-Kind-Programms (PEKiP). Erfahre hier was in einem PEKiP-Kurs stattfindet und wie das Programm entwickelt wurde.

Autor: Gabriele Möller
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Pekip vermittelt Körpergefühl

Baby Hand der Mutter
Foto: © panthermedia/ Christina Köhn

Warm ist es in dem Raum, sehr warm. Den nackten Babys, die vergnügt auf ihren Matten strampeln, ist die Saunaatmosphäre jedoch gerade recht. Sie sind erst zwischen zwei und vier Monaten alt und dürfen nicht frösteln. Die acht zufriedenen Nackedeis samt ihren Müttern bilden eine der PEKiP-Gruppen im Haus der Familie in Schwelm. Dass die Kinder während der Gruppentreffen nackt sind, ist eines der Grundprinzipien des sogenannten Prager Eltern-Kind-Programms (von dem sich die Abkürzung PEKiP herleitet). "Die Babys fühlen sich nackt viel wohler, sind zufriedener und schreien weniger", erläutert Gruppenleiterin Ulrike Kohls. Das Nacktsein hat aber noch weitere positive Wirkungen auf die Säuglinge: "Auch ihr Körpergefühl wird deutlich besser und sie bewegen sich sicherer", weiß die Sozialarbeiterin. Viele Babys krabbeln sogar hier zum ersten Mal, was sie zu Hause noch nicht getan haben.

Durch Pekip feine Antennen zum Baby entwickeln

Natürlich erschöpft sich PEKiP nicht im unbekleideten Herumliegen der Babys. Aktive Phasen mit Anregungen zum altersentsprechenden Spiel wechseln bei dem Treffen mit Ruhephasen und Gesprächen rund um Themen wie Schlaf, Ernährung, Gesundheit und den Alltag mit Kind. Bei dem Spielangebot werden die Babys selber aktiv. Die Eltern werden unterstützt, sich an den Bedürfnissen ihres Babys zu orientieren. Dazwischen berichten die Mütter oder Väter, wie es ihnen und ihrem Kind im Moment geht. So ist die kleine Isabell zwar tagsüber recht pflegeleicht, schläft aber nachts noch nicht durch. Max dagegen schreit auch tagsüber viel und ist ein wahres Temperamentsbündel. Baby Lukas ist von der ehrgeizigen Sorte und möchte sich nicht nur im Kinderwagen aufsetzen, sondern seinen Kopf auch schon ganz lange selbst hochhalten können. Weiter geht es dann im Kreis mit Theodora, die zum Glück jetzt weniger schreit und mit dem Rotschopf Fabian, bei dem gerade die ersten Zähnchen einschießen. Phil möchte am liebsten den ganzen Tag an der Mutterbrust hängen und Felix’ Mutter hat ein wenig Sorgen um sein Gewicht. Gemeinsam berät die Runde, was man tun könnte. Die Atmosphäre ist lebhaft, aber entspannt.

"Überhaupt ist die Atmosphäre etwas ganz Zentrales beim PEKiP", erläutert Ulrike Kohls. "Wichtig ist zum Beispiel auch zu schauen, wie die Stimmung zwischen Mutter oder Vater und Kind ist. Mit einiger Erfahrung sieht man, ob zwischen den Eltern und dem Kind Harmonie herrscht, oder etwas ungeklärt ist. Ich schaue immer: Sind da Vertrauen und Herzlichkeit zu spüren, oder vielleicht eher Ablehnung?", so Kohls. Bei Bedarf wird allein oder in der Runde über das Problem gesprochen.

Pekip: Wie alles anfing

Beim PEKiP, das Eltern und Kinder im ersten Lebensjahr (etwa ab der vierten bis sechsten Lebenswoche) begleitet, wird den Kindern kein festes Programm geboten, sondern die Mütter oder Väter sollen herausfinden, wie die Stimmung des Kindes ist und was es jetzt gern tun würde. Wer beim Treff schlafen möchte, schläft. Wer Hunger hat, bekommt Brust oder Flasche. Den Babys werden Spielangebote gemacht, bei denen sie selbst aktiv werden können. All dies gibt den Jüngsten das Gefühl, dass sie genau so respektiert werden, wie sie sind. "So wird von der Pike auf Freiheit gelebt", bringt die gelernte PEKiP-Gruppenleiterin Ulrike Kohls die Idee auf den Punkt. Für sie heißt PEKiP denn auch nichts anderes, als "dem Kind eine umfassende, altersgerechte und individuelle Entwicklung zu ermöglichen."

"Erfunden" wurde das Prager Eltern-Kind-Programm Ende der 60er Jahre von dem tschechischen Kinderpsychologen Dr. Jaroslav Koch. Er war der Ansicht, dass Säuglinge ihren Bewegungsdrang nicht ausreichend ausleben konnten. Sie lagen seiner Ansicht nach zu viel in ihren Bettchen und wurden durch ständiges Tragen von Kleidung eingeengt. Die Möglichkeit, sich nackt und frei zu bewegen, förderte nach seiner Erfahrung dagegen ihre Zufriedenheit und ihre körperliche und geistige Entwicklung. Die Kinder, mit denen Koch arbeitete, schliefen besser und waren seltener krank. In den 70er Jahren griffen die deutschen Psychologen Christa und Hans Ruppelt von der Gesamthochschule Wuppertal Kochs Erkenntnisse auf und erweiterten sie. In Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen entwickelten sie das Prager Eltern-Kind-Programm, das inzwischen längst deutschlandweit den meisten jungen Eltern ein Begriff geworden ist.

Informationen zu Pekip-Kursen

Für PEKiP-Gruppen muss man sich in der Regel bereits sehr früh anmelden, da die Zahl der Plätze auf sechs bis acht begrenzt und daher rasch vergeben ist. Die Kosten werden nicht mehr von den Krankenkassen bezuschusst. Ein Jahreskurs, der aus mehreren Blöcken besteht, kostet in öffentlichen Einrichtungen etwa 120 bis 130 EUR. Privat ist es meist teurer, weil es dort keine Zuschüsse aus der öffentlichen Hand gibt. Die Gruppenleiterinnen müssen Pädagoginnen, Sozialtherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen o. ä. sein und haben zudem eine spezielle Zusatzausbildung zur PEKiP-Gruppenleiterin.

Die Homepage des PEKiP Vereins in Deutschland mit zahlreichen Infos findet man im Internet unter http://www.PEKiP.de/

Ein nach Postleitzahlen geordnetes Verzeichnis der Organisationen, die PEKiP-Gruppen anbieten, ist ebenfalls einsehbar.

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