Spielzeug, Kleidung, Nahrung

Was kosten Kinder wirklich?

Was Kinder Eltern schenken, ihr Lächeln zum Beispiel, ist einfach unbezahlbar. Doch Kinder gehören nicht nur einfach zum Leben, sie kosten auch etwas: Zeit, Kraft und - Geld. Aber wie viel eigentlich? Wir haben nachgefragt, was Kinder wirklich kosten.

von Gabriele Möller
Eltern Kinder im Einkaufswagen
Foto: © iStockphoto.com, Paha_L

Wohlhabende geben fast dreimal so viel fürs Kind aus

Das erste Lächeln eines Babys ist unbezahlbar und macht Eltern einfach glücklich. Dennoch: Wenn Paare darüber nachdenken, ob sie gern ein (weiteres) Kind hätten, spielt nicht nur das Bauchgefühl eine Rolle. Auch der kühle Verstand redet, oder vielleicht sollte man lieber sagen: rechnet ein Wörtchen mit. Er gibt zu bedenken: Kinder kosten Geld. Vielleicht sind eine größere Wohnung, Möbel fürs Kinderzimmer oder ein größeres Auto nötig. Nahrung, Kleidung, Spielzeug, Energiekosten – viele zusätzliche Ausgaben müssen gestemmt werden. Und das auch noch von weniger Einkommen, denn meist muss zumindest zeitweise einer der Partner beruflich zurückstecken oder bleibt ganz zu Hause. Was ein Kind wirklich kostet, bis es flügge wird - urbia hat nachgefragt und nachgerechnet.

Was Eltern für ein Kind monatlich berappen, ist theoretisch schnell gesagt: 549 EUR, so stellt das Statistische Bundesamt trocken fest, geben Eltern zwölf Mal im Jahr fürs Kind aus. Und zwar in Ost- ebenso wie in Westdeutschland. Dies sind knapp 120.000 EUR bis zum 18. Lebensjahr, ohne dass die jährliche Inflation schon hinzugerechnet wäre. Die 549 EUR sind dennoch nur die halbe Wahrheit. Zum Einen sind sie nur ein mittlerer Wert, die vom Einkommen und den Ansprüchen jeder Familie abhängen: Paare mit einem Nettoeinkommen von bis zu 1700 Euro je Monat geben durchschnittlich 325 Euro für ein Kind aus. Bewegt sich das Einkommen um 5400 Euro, steigen die Ausgaben für den Nachwuchs bereits auf 862 Euro. Heißt, wer mehr verdient, will dem Kind in der Regel auch mehr bieten.

Zum Anderen sind von den Statistikern nur die Konsumausgaben (Essen, Kleidung, Wohnen, Spielzeug, Freizeit, Verkehr usw.) erfasst worden, viele Extra-Kosten sind in der Rechnung noch gar nicht enthalten, weil sie zu individuell und zu schwer zu erfassen sind: Einmalige Anschaffungen und Maßnahmen (Erstausstattung, Möbelkauf, Renovierung eines Zimmers fürs neue Kind), ein vielleicht nötiges größeres Auto, Betreuungskosten (Tagesmutter, Krippe, Kindergarten, Hort), Kosten für finanzielle Vorsorge und für Versicherungen oder die späteren Ausbildungskosten.

Einkommen sinkt nach Ankunft eines Kindes

Bevor man die tatsächlichen Ausgaben fürs Kind aber nun genauer unter die Lupe nimmt, muss noch einer unangenehmen Wahrheit die Ehre gegeben werden: Sobald ein Kind kommt, sinkt das Familieneinkommen. Der Grund: Meist geht einer von bisher zwei Doppelverdienern in den Erziehungsurlaub oder in Teilzeit und muss deshalb weniger Gehalt in Kauf nehmen und auf bestimmte Karrierechancen verzichten. „Mit dem Hinzukommen von Kindern sinken die Pro-Kopf-Nettoeinkommen, und zwar mit steigender Kinderzahl“, erklärt Dr. Margot Münnich. „Damit bleibt die Möglichkeit, dass Erwachsene nach der Geburt von Kindern ihr Konsumniveau beibehalten können, eher die Ausnahme“, warnt die Wirtschaftsexpertin und rechnet vor: Das Einkommen von Eltern liegt bei durchschnittlich nur 63 Prozent des Einkommens kinderloser Paare. Eine Mutter, die zu Hause bleibt, erwirbt während der Erziehungszeiten zudem nur eingeschränkt Rentenansprüche.

Am teuersten sind Wohnen und Essen

Paare möchten aber nun eine ganz konkrete Vorstellung von dem haben, was tatsächlich an Kosten auf sie zukommt. Ein grober Überblick zeigt zunächst: Den größten Posten machen die Wohn- und Energiekosten aus (plus 127 EUR), gefolgt von Lebensmitteln (108 EUR). Die Freizeitgestaltung nimmt mit 87 EUR im Durchschnitt den dritten Platz ein (Grund sind vor allem teure technische Geräte wie Computer und Spielkonsolen). Auf Rang vier folgen die Kosten für Bekleidung und Schuhe (beim ersten Kind staunen Eltern oft, wie teuer ein Paar guter Kinderschuhe ist). Unzählige weitere Posten folgen. Um einen genaueren Überblick zu bekommen, unterteilt man das Leben eines Kindes am besten in Blöcke. Denn die Ausgaben für den Nachwuchs sind sehr stark vom Alter abhängig, oder anders gesagt: Je älter das Kind, desto teurer wird es.