Bettruhe bei Frühgeburtsrisiko
Liegen müssen in der Schwangerschaft
Besteht z.B. durch vorzeitige Wehen oder eine Gebärmutterhalsschwäche ein Frühgeburtsrisiko, kann es notwendig sein, dass eine Schwangere Bettruhe halten muss. Wie geht man damit um? Was sollten Frauen, die liegen müssen, beachten? Welche Hilfen stehen Schwangeren in einer solchen Situation zu?
Warum müssen Schwangere liegen?
Blutungen, vorzeitige Wehen, Gebärmutterhalsschwäche: Das sind die häufigsten Anlässe, die Frauen im Laufe einer Schwangerschaft zur Bettruhe zwingen können, um eine Fehl- oder Frühgeburt zu vermeiden. „Jede vierte Frau hat bereits in der frühen Schwangerschaft Blutungen, zum Beispiel wegen eines Hämatoms oder einer Placenta Praevia“, sagt Dr. Christian Albring, Frauenarzt in Hannover und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte Deutschlands. Später in der Schwangerschaft sind es meist vorzeitige Wehen oder eine Gebärmutterhals- bzw. Muttermundschwäche (Cervixinsuffizienz), die eine oft wochen- oder gar monatelange Bettruhe nötig machen, um eine Frühgeburt zu vermeiden. „Die Probleme können verschiedene Ursachen haben, wie eine frühere OP oder eine Veranlagung für ein schwaches Bindegewebe“, so der Arzt. „Häufig steckt allerdings auch Stress dahinter.“ Studien belegen, dass psychosomatische Gründe wie Partnerschaftsprobleme, ein stressiger Beruf oder starke, oft unbewusste Ängste bezüglich der Schwangerschaft eine gewichtige Rolle bei Frühgeburten spielen.
Haushalt und Kinder: Wer kümmert sich, wenn Mama liegen muss?
„Der erste Schritt ist, die Schwangeren zu entlasten“, sagt deshalb die Hebamme Ursula Jahn-Zöhrens aus Bad Wildbad im Schwarzwald. Für den Körper bedeutet dies primär: Bettruhe. „Im Liegen werden die Organe entlastet und der Blutdruck sinkt. Das lässt auch Blutungen zurückgehen“, erklärt Dr. Albring. Bei vorzeitigen Wehen werden gegebenenfalls zusätzlich Wehenhemmer eingesetzt. Ob eine Schwangere im Krankenhaus liegen muss oder daheim bleiben kann, hängt unter anderem davon ab, wie gravierend die Probleme sind, ob interveniert werden muss, wie groß das Risiko einer Frühgeburt ist und wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist. „Sofern es medizinisch nicht notwendig ist, in der Klinik zu sein und wenn man daheim gut versorgt wird, ist man in den eigenen vier Wänden am besten aufgehoben“, meint Dr. Albring. Das sieht auch Ursula Jahn-Zöhrens so. Ebenso wie der Frauenarzt hat sie die Erfahrung gemacht, dass, obwohl es paradox klingt, gerade Mütter mit kleinen Kindern zu Hause meist ruhiger sind: „Im Krankenhaus machen sie sich oft die ganze Zeit nur Sorgen um die Kleinen.“ Voraussetzung ist, dass die Schwangere vernünftig genug ist, sich wirklich an die Bettruhe zu halten, und das ist mit Kindern alles andere als einfach, wie auch „kisha88“ um urbia-Forum berichtete: „Mein Großer […] war erst sauer auf Baby und mich, dass ich nicht mehr so aktiv wie vor der Schwangerschaft mit ihm spielen und toben konnte. Ich hab dann, weil es mir selbst das Herz zerriss, eine Matratze in sein Zimmer gelegt und lag dann so bei ihm um mit ihm so zu spielen zu können. Inzwischen hat er Freude an mir und dem Baby und kommt von selbst mit Spielsachen zum Sofa oder zum Bett und wir kuscheln viel oder er erzählt mir aus den Büchern und solche Dinge eben.“
Die Hausarbeit ist für viele Liegende ebenfalls ein Problem: Bei kleinsten Kleinigkeiten um Hilfe bitten zu müssen, fällt schwer. Zwischen Familie, Freunden und netten Nachbarn lässt sich aber, auch wenn es Überwindung kostet, doch so einiges aufteilen. „Es ist bei gesetzlich Versicherten sogar möglich, dass der Mann sich krankschreiben lässt, um sich daheim zu kümmern“, sagt Hebamme Jahn-Zöhrens. Alternativ dürfen sich gesetzlich Versicherte vom Arzt eine Haushaltshilfe verordnen lassen, bis zu acht Stunden am Tag, bis zur 38. SSW – sofern keine andere Person den Haushalt führen kann oder wenn Kinder im Haus sind. Vielleicht ist es auch machbar, für eine gewisse Zeit bei Geschwistern oder den Eltern einzuziehen, um sich im Nest der Familie verwöhnen und bemuttern zu lassen.
Zuspruch und Fürsorglichkeit: Was außer Liegen noch wichtig ist
Neben der körperlichen Entlastung braucht bei einer Diagnose wie vorzeitigen Wehen auch die Psyche unbedingt Hilfe. „Alle Schwangeren reagieren auf die Drohung einer möglichen Frühgeburt natürlich verunsichert und ängstlich, manche mit totaler Panik“, weiß Hebamme Jahn-Zöhrens aus 25 Jahren Berufserfahrung. Und wer liegt, bekommt erst recht Gelegenheit zum Grübeln: „Ich wünschte nur, ich würde mich nicht wegen allem und jedem so verrückt machen“, schrieb urbia-Nutzerin „blumenkeks“ dazu im Forum. Sie „habe echt zuviel Zeit, um sinnlos in mich hineinzuhorchen. Da ziept es im Rücken oder der Bauch wird hart – was macht mein unterfordertes Gehirn...malt sich natürlich aus, dass es Wehen sind.“ Auch das schlechte Gewissen und die Frage, was falsch gelaufen ist, quält viele. Hier ist die Unterstützung von Familie und Freunden wie auch der Hebamme gefragt, sagt Ursula Jahn-Zöhrens: „Die Mütter haben viel Gesprächsbedarf, brauchen Zuspruch und jemanden, der ihnen Mut macht.“ Regelmäßige Entspannungsübungen wie Autogenes Training können helfen, ruhiger zu werden. Ebenso ist hierfür der Einsatz alternativer Heilverfahren überlegenswert, stimmen Dr. Albring und Jahn-Zöhrens überein – wie auch darin, dass Globuli und Co. nicht in Eigenregie genommen werden, sondern die Auswahl des richtigen Mittels durch einen Experten erfolgen sollte. Grundsätzlich steht den werdenden Müttern auch psychotherapeutische Hilfe zu.







