Für Kinder der "Türöffner zur Welt"
So wichtig sind Väter!
Berufstätige oder auch getrennt lebende Väter sind im Alltag ihrer Kinder oft immer noch wenig präsent. Doch Mädchen und Jungen brauchen ihren Vater dringend - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Lesen Sie deshalb hier, warum gerade Väter so wichtig für ihre Kinder sind.
Ohne Vater gerät die Welt in Schieflage
„Ich habe den ganzen Tag Stress im Job – da kann ich mich nicht auch noch um die Kinder kümmern!“ – zwar werden Väter, die so denken, allmählich weniger. Trotzdem ist es immer noch in vielen Familien Alltag, dass die Mutter den Löwenanteil bei der Betreuung und Erziehung der Kinder übernimmt – und zwar auch dann, wenn sie ebenfalls berufstätig ist. Fatal, wie Diplom-Sozialpädagoge Achim Schad betont. Denn findet der Vater zu Hause zu wenig statt, gerät das Leben der Kinder leichter in eine Schieflage. "Mädchen reagieren sozial unauffälliger, da die Folgen eher in psychosomatischen Beschwerden oder depressivem Verhalten sichtbar werden." Als junge Frauen würden sie häufiger ungewollt schwanger und öfter Opfer von sexuellen Übergriffen, da sie mit männlichen Forderungen nicht souverän umgehen könnten, so Schad in einem Vortrag. Auch hätten sie es oft schwer, positive, lang andauernde Beziehungen einzugehen. "Sie pendeln zwischen Idealisierung des Mannes und Verachtung, da der Idealisierung notwendigerweise die Enttäuschung folgt."
Nachwirkungen bis ins Erwachsenenalter
Jungen, deren Väter zu wenig Anteil an ihnen nehmen, reagieren anders. "Jungen idealisieren dann oft männliche Attribute wie körperliche Stärke, Kampfbereitschaft, Siegeswillen", so der Sozialpädagoge. Da ihnen männliche Bezugspersonen als Vorbilder fehlten, bei denen Stärke mit liebevoller Zuwendung, Verständnis und Interesse verbunden würden, fielen sie oft durch schwieriges Sozialverhalten oder Regelverstöße auf. Als Erwachsene täten sie sich oft schwer, liebevolle und gleichwertige Beziehungen mit Frauen einzugehen. "Der Zugang zu den eigenen Gefühlen ist erschwert. Die Nähe zu Frauen wird als bedrohlich erlebt, emotionale Hingabe ist nicht möglich, die Beziehung ist von Machtgebaren und Imponiergehabe geprägt." Auch hätten diese Männer oft eine nur geringe Bindung an ihre eigenen Kinder.
Natur plant Väter bei der Erziehung fest ein
Auch die Natur selbst hat für Väter keineswegs nur die Erzeuger- und Versorgerrolle bestimmt. Werden Männer zu Vätern, steigt der Spiegel des Hormons Oxytocin in den folgenden Monaten in ihrem Blut deutlich an, so das Ergebnis einer israelischen Studie. Dieses Hormon aber bewirkt, dass Männer einfühlsamer werden, sich dem Kind (besonders oft durch Spielen) zuwenden und dass Gefühle, die sie selbst als Kind hatten, wieder aktiviert werden. Auch bei Müttern steigt der Oxytocin-Spiegel, was sich bei ihnen aber eher in einem Gefühl der Bewunderung für das Baby, in Zärtlichkeit und einer typischen Singsangstimme äußert. "Väter und Mütter steuern also schon früh unterschiedlich zur kindlichen Entwicklung bei", fasst die Leiterin der Studie, die Psychologin Ruth Feldman aus Ramat-Gan, zusammen.
Väter stoßen Tore zur Welt auf
Väter prägen ihre Kinder also nicht erst, wenn sie mit ihnen Fußball spielen können. Hilft der Vater schon bei der Babypflege mit, bekommt er früh eine enge Bindung zum Kind und umgekehrt. Dabei zeigt er dem Baby und Kleinkind schon ein wenig die Welt – und zwar auf seine Weise: Väter bevorzugen, so beobachteten Wissenschaftler, Imitations- und Bewegungsspiele, während Mütter mehr mit den Kindern sprechen.
Sind Mütter oft eher vorsichtig und besorgt, trauen Väter ihrem Kind auch einmal etwas zu: Sie werfen schon das begeistert juchzende Baby spielerisch in die Luft. Und auch in der weiteren Kindheit ist Papa oft der große Mutmacher: "Mein Vater schaffte es, dass ich das erste Mal vom Fünfmeter-Brett im Schwimmbad sprang. Da war ich zwölf, und ich stand ewig da oben und traute mich nicht, während er mir von unten Mut machte. Und dann hielt ich mir die Nase zu und sprang. Ich glaube, wir gingen hinterher beide gleich stolz nach Hause", erinnert sich Heike Fröhlich aus Wuppertal (37) an einen wichtigen Tag ihrer Kindheit.
Väter trauen Kindern aber auch mehr Eigenständigkeit zu: Forscher beobachteten, dass sie später eingreifen, wenn ihr Kind Ärger auf dem Spielplatz hat, oder noch nicht von der richtigen Seite ins T-Shirt findet. Vom Vater als "Türöffner der Welt" spricht daher Prof. Dieter Thomä ("Väter. Eine moderne Heldengeschichte"). Dieser bringe eine besondere Farbe ins Spiel des Lebens, welche "für die Neugier, mit der man die Welt entdeckt steht. Aber auch für den unbedingten Schutz und Rückhalt, den man bei dieser Entdeckungsreise benötigt".







