Wohin mit Bauch?

Reisen in der Schwangerschaft

Urlaub mit Bauch: Ja, sicher! Vor dem neuen Kind noch einmal gemeinsam Zeit verbringen. Aber was sind die besten Reiseziele, wann ist die günstigste Reisezeit und was gehört unbedingt zur Planung? Lesen Sie hier, wie Sie Ihren Urlaub in anderen Umständen unbeschwert genießen können.

Autor: Petra Fleckenstein
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Urlaubstage: Schwangerschaft und reisen?

Paar Strand

Wenn eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist, stellt sie sich häufig auch diese Frage: Was wird aus meinen Urlaubsplänen? Vielleicht hatte sich das Paar gerade für dieses Jahr die seit langem erträumte Asienreise vorgenommen, oder es stand ein Abenteuerurlaub im Hochgebirge auf dem Programm. Aber wie war das noch mit der Strahlenbelastung im Flugzeug oder der Gefahr durch dünne Luft in den Bergen? Und was ist, wenn die Reise in ein Malaria-Gebiet gehen sollte? Fernweh und Abenteuerlust mit dickem Bauch – geht das zusammen?

In der Praxis der Kölner Gynäkologin Brigitte Steinford-Görner legt man bei der Entscheidung dieser Frage besonderen Wert auf die psychische Komponente. Wenn die Schwangere große Lust zu reisen hat und frei ist von Sorgen und Bedenken, dann steht ihrem Urlaub – vorausgesetzt die entsprechenden Werte der Vorsorgenuntersuchungen sind in Ordnung – nichts entgegen, so die übliche Praxis-Politik. Sorgenfreie Naturen, die sich viel zutrauen und frei von Ängsten bezüglich ihrer Schwangerschaft sind, können auch Reisen in größere Fernen wagen. Wichtig für alle Schwangeren mit Reiseplänen ist jedoch, den richtigen Zeitpunkt zum Reisen zu beachten, das für sie geeignete Verkehrsmittel zu wählen und sich gut über gesundheitliche Risiken bzw. das Gesundheitswesen im Reiseland zu informieren, um vorbereitet zu sein, falls es doch im Urlaub einmal zu Problemen mit der Schwangerschaft kommt.

Die beste Reisezeit

Als günstigste Reisezeit gilt das mittlere Schwangerschaftsdrittel, da Beschwerden der ersten drei Monate dann meist abgeklungen sind und die Schwangerschaft in eine stabile Phase eingetreten ist. Außerdem schleppt die Schwangere noch nicht allzu viele zusätzliche Pfunde mit sich. Während der ersten drei Monate leiden viele Frauen noch unter der hormonellen Umstellung und damit verbunden häufiger Übel- und Müdigkeit. Manche Ärzte/innen raten auch wegen der noch drohenden Gefahr von Blutungen oder einer Fehlgeburt von Reisen in dieser Phase ab. Andere vertreten jedoch die Ansicht, dass einer stabilen Schwangerschaft eine Reise auch in den ersten drei Monaten nichts anhaben kann. Schwangere sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass im Ausland Blutungen und auch eine Fehlgeburt ebenso möglich sind wie zu Hause und sich vorher prüfen, inwieweit sie Vertrauen zu fremden Ärzten und Gesundheitssystemen mitbringen.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel sind Reisen ebenfalls nur noch eingeschränkt empfehlenswert. Zum einen stört in vielen Fällen der große Bauch, so dass die Beweglichkeit vermindert und die Hitzeempfindlichkeit erhöht ist. Zum anderen besteht die Möglichkeit einer Frühgeburt am Urlaubsort. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich vor Reiseantritt Gedanken über den Abschluss einer Auslandsreiseversicherung zu machen, die im Gegensatz zum Auslandskrankenschein der Krankenkassen auch einen medizinischen Rückholdienst beinhaltet und auch für außereuropäische Länder gültig ist(zum Beispiel beim ADAC für ca. 13 € für Nichtmitglieder). Wer eine Flugreise plant, sollte vor dem Ende der 35. Schwangerschaftswoche abheben, denn danach gilt bei den meisten Fluglinien Flugverbot für Schwangere. Unbedingt dabei haben sollten Frauen, die ein Kind erwarten, auf Flugreisen wie auf jeder anderen Reise den Mutterpass!

Welche Reiseziele kommen in Frage?

Im Allgemeinen ist es für Schwangere sicher ratsam, Reiseziele innerhalb Europas zu bevorzugen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine allzu langen Anreisen, kein Jetlag, keine allzu krasse Klimaveränderung, kein allzu großes Erkrankungsrisiko. Besonders hitzeempfindliche Naturen sollten jedoch auch hier darauf achten, im Hochsommer nicht gerade die heißesten Ziele in südlichen Gefilden anzufahren.

Schwangere, die einen Wanderurlaub planen, sollten berücksichtigen, dass die Luft weiter oben (besonders ab 2000 Meter) dünner wird und einem mit Bauch noch eher die Puste ausgeht. Außerdem sind Schwangere eher anfällig für Schwindel und dürfen natürlich u.a. wegen der Gefahr von Stürzen nicht klettern. Urlaub am Wasser eignet sich besonders gut für Schwangere, da Schwimmen zu den Sportarten mit den positivsten Wirkungen in dieser Zeit gehört. Wen es dagegen unter die Wasseroberfläche zieht, der sollte sich eher aufs Schnorcheln beschränken.

Bloß (nicht) weit weg?

Fliegen

Wer auch mit Bauch exotischere Schauplätze bereisen möchte, der kommt um zwei Themen nicht herum: Langstreckenflüge und Impfungen in der Schwangerschaft. Gegner langer Flüge argumentieren meist mit der Gefahr von Durchblutungsstörungen der Beine durch zu langes Sitzen und mit der erhöhten Strahlenbelastung in großer Höhe. Beides ist sicher bedenkenswert, aber wenn eine Schwangere sich gut fühlt, und gerne verreisen möchte, sicher kein Grund, um rundweg vom Fliegen bzw. längeren Flügen abzuraten. Wer Flugangst oder Herz-Kreislauf-Probleme hat, sollte vorher mit dem Arzt/der Ärztin abklären, ob eine Flugreise sinnvoll ist. Auf dem Boden bleiben müssen Schwangere mit EPH-Gestose, Mehrlingsschwangerschaften und Placenta Praevia. Zur Thrombose-Vorbeugung ist es sehr wichtig, viel Wasser oder Tee zu trinken und immer wieder aufzustehen und im Gang des Flugzeugs auf und ab zu gehen.

Zum Thema Strahlenbelastung gibt der Reiseinformationsdienst des Münchener Tropeninstituts einen Grenzwert für Schwangere von 0,5 Millisiervert bis 50 Millirad an, der insbesondere während der Hirnentwicklung des Föten in der 8.-15. Schwangerschaftswoche zu beachten sei. Es existieren jedoch bislang keine Studien, die eine erhöhte Anzahl von Fehl- und Frühgeburten oder von Fehlbildungen bei Schwangeren aufgrund von Flügen nachweisen.

Impfen in der Schwangerschaft?

Etwas kniffeliger wird es beim Thema Impfen. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts gibt die Empfehlung, "dass während der Schwangerschaft nur geimpft werden soll, wenn dies unbedingt notwendig ist." Nicht geimpft werden darf mit Lebendimpfstoffen gegen Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, und Varizellen. Relativ kontraindiziert (also mit Einschränkung verboten) sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit folgende Impfungen: Cholera, FSME (aktiv), Hepatitis A (aktiv), Hepatitis B (aktiv), Influenza, Japanische Enzephalitis, Meningokokken-Meningitis, Pneumokokken, Tollwut, Typhus. Unbedenklich sind Impfungen gegen Tetanus, Diphterie (im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel) und Polio.

Auch das in Deutschland für die Prüfung und Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich Institut weist beim Thema Impfen in der Schwangerschaft auf das häufige Fehlen ausreichender wissenschaftlicher Nachweise hin. So sagt Pressesprecherin Susanne Stöcker, "dass sich kaum konkrete Ja/Nein Antworten geben lassen, einfach weil es zur Frage der Impfungen in der Schwangerschaft keine ausreichenden Erfahrungswerte gibt."

Von der Reise in Malaria-Gebiete wird Schwangeren dringend abgeraten, da die Malaria während der Schwangerschaft zu schweren Komplikationen wie Früh- und Totgeburten führt. Muss die Reise dennoch in ein Malaria-Gebiet führen, sind nach Informationen des Münchner Tropeninstituts als Malariamedikamente Chloroquin und Proguanil (vom 4. Monat an auch Mefloquin) erlaubt. Außerdem muss ein Schutz vor Mückenstichen durch den ganzen Körper bedeckende Kleidung und das Schlafen unter Moskitonetzen gegeben sein.

Neue Reisewarnung: Zika-Virus

Das Auswärtige Amt warnt Schwangere zudem vor Reisen in Gebiete mit Zika-Virus-Gefährdung: "Schwangere sollten möglichst von nicht zwingend notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen Abstand nehmen".

Seit Ende 2015 gibt es vermehrt Hinweise aus Brasilien, dass schwere kindliche Fehlbildungen in Form eines verminderten Kopfumfangs (Mikroenzephalie) möglicherweise mit einer Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft zusammenhängen. Hauptinfektionsregionen sind zurzeit Länder in Mittel- und Südamerika.

Das Virus wird durch den Stich der Aedes-Stechmücken übertragen. US-Behörden meldeten zwar einen Fall, in dem eine Infektion durch Sexualkontakt für wahrscheinlich gehalten wird, das Robert-Koch-Institut misst der Mensch-zu-Mensch-Übertragung aber keine Rolle bei der Verbreitung der Krankheit zu.

Zug- und Autoreisen

Bahn

Wen es nicht allzu weit in die Ferne zieht, der kann das für Schwangere empfehlenswerteste Verkehrsmittel nutzen - die Bahn. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenige Stressfaktoren wie in anderen Verkehrsmitteln durch Höhe oder Staus, gute Bewegungsmöglichkeiten, geringe Unfallgefahr. Reservierung im Nichtraucherabteil sichert zudem einen guten Platz und vom lästigen Gepäck-Transport kann man sich durch den Haus-zu-Haus-Service der Deutschen Bahn (14,30 Euro, jedes weitere 9,20 Euro) entlasten lassen. Er gilt innerhalb Deutschlands und für Österreich, Frankreich, die Niederlande und Südtirol. Koffer und auch Sondergepäck wie Fahrräder oder Golfausrüstungen werden dabei abgeholt und direkt ins Ferienquartier geliefert. Etwas preiswerter (9 EUR pro Gepäckstück) wird es, wenn man das Gepäck vor der Abreise selbst aufgibt. Am Zielort wird es dann zugestellt.

Auto

Sicher strapaziöser als die Bahnreise, aber ebenso möglich sind Urlaubsreisen im Auto: Wichtig ist richtiges Anschnallen für Schwangere. Der Dreipunktgurt muss – nicht zu locker - über der Brust und unterhalb des Bauches entlang laufen. Bei Unfällen, auch leichten, müssen Schwangere sofort ins Krankenhaus, da die Gefahr einer Plazentaablösung besteht. Wichtig bei der Autofahrt sind häufige Pausen (alle ein bis zwei Stunden, verbunden mit Bewegung) und die Versorgung mit ausreichend Flüssigkeit.

Weitere Informationen:

Fit for Travel, Reiseinformationsdienst des Tropeninstitus an der Universität München

Individuelle Reiseberatung bieten das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg, Tel.: 040-42 81 88 00 (werktags von 9-16 Uhr)

und das Tropenmedizinische Institut der Universität Tübingen, Tel.: 07071-29 23 64 (werktags von 8-17.30 Uhr)

Zentrum für Reisemedizin