Foto: © iStock, PeopleImages

Du bist jetzt im sechsten Schwangerschaftsmonat. Die Medizin spricht ab der 21. Schwangerschaftswoche von der Konkretisierungsphase. Denn deine Schwangerschaft ist für alle deutlich sichtbar, die Vorfreude steigt und die Entwicklung des Babys ist soweit fortgeschritten, dass der kleine Mensch jetzt „nur“ noch wachsen muss. Alle Organe arbeiten, die Sinne sind angelegt und schon zum größten Teil in Aktion. In den kommenden Schwangerschaftswochen wird dein Bauch noch viel konkreter werden. Leider führt die Gewichtszunahme bei vielen Schwangeren zu Rückenschmerzen. Sei besonders nett zu dir und nimm dir bewusst Auszeiten. Ein gesunder Egoismus ist in dieser Phase deiner Schwangerschaft genau das Richtige für das Baby und dich.

Die wichtigsten Daten zur 21. Schwangerschaftswoche

Größe: Dein Baby ist in der 21. SSW ungefähr so groß wie eine Banane (26 – 27 cm Scheitel-Ferse-Länge).

Gewicht: Der Fötus wiegt in Schwangerschaftswoche 21 zwischen 350 und 400 Gramm.

Noch 19 Wochen bis zur Geburt!

Zu Beginn des 6. Monats wiegt euer Baby schon fast so viel wie vier Tafeln Schokolade. Die Größe wird nun vom Scheitel bis zur Ferse gemessen. Die Maßeinheit Scheitel-Ferse-Länge (SFL) hat die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) abgelöst. Der Durchmesser des Kopfes beträgt etwa 5 cm. Das Baby wächst nun immer mehr in Richtung Bauchdecke. Dadurch steigt auch die Chance, Kindsbewegungen zu spüren.

Die Entwicklung deines Babys/Fötus in der 21. Schwangerschaftswoche

In dieser Schwangerschaftswoche vergrößert sich die Oberfläche des Gehirns. Es beginnen sich Furchen und Wölbungen zu bilden, die auch im Ultraschall zu sehen sind und deinem Arzt zeigen, dass die Entwicklung deines Babys im richtigen Tempo voranschreitet. Das Nervensystem leitet Reize weiter, die reflexartige Bewegungen beim Kind hervorrufen. Auf diese Weise reagiert der Fötus zum Beispiel auf Druck, Schmerz oder Hell-Dunkel-Kontraste. Auch das Gehör hat sich weiterentwickelt. Es kann Geräusche von außen und innen wahrnehmen und sich auch nach der Geburt an sie erinnern. Dein Kind weiß zum Beispiel genau, wie sich deine Stimme und dein Herzschlag anhören. Legst du es später auf deine Brust oder trägst es nah am Herzen, wird der individuelle Rhythmus dein Baby beruhigen. Das ist vermutlich einer der Gründe, warum Babys, die direkt nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt wurden, ihre leibliche Mutter auch als Säugling schon vermissen können.

Zu Beginn des 6. Monats hat dein Baby bereits einen relativ regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus entwickelt. Er verläuft häufig entgegengesetzt zu deinem. Wenn du dich hinlegst und ausruhst oder schlafen willst, wird der Fötus aktiv, weil nun die beruhigenden Schaukelbewegungen fehlen. Bist du selbst aktiv, wiegst du dein Kind beim Gehen in den Schlaf. Im Ultraschall ist dabei zu erkennen, dass viele Babys eine besondere Schlafposition einnehmen. Die Wachphasen nutzt der Fötus weiterhin für Turnübungen. Da es nun langsam enger wird in der Gebärmutter, wirst du die Bewegungen jetzt vermutlich schon als kleine Tritte und Knuffe spüren. Je nach Lage der Plazenta können diese Kindsbewegungen auch schon von außen beobachtet werden.

Das Baby trainiert auch in dieser Schwangerschaftswoche Lungen und Zwerchfell, indem es Fruchtwasser in die Lunge hineinzieht und so die spätere Atmung simuliert. Manchmal bekommt es dabei Schluckauf. Man vermutet, dass das dann passiert, wenn das verschluckte Wasser durch einen Krampf des noch nicht ausgereiften Zwerchfells wieder herausgedrückt wird. Den rhythmischen Schluckauf ihres Babys können viele Mütter spüren. Aber keine Angst, auch das gehört zur normalen Entwicklung des Fötus und ist nicht gefährlich.

Das Skelett des Fötus verknöchert immer weiter. Auch die schon angelegten Nägel an Zehen und Fingern werden jetzt zunehmend fester. Die Mimik eures Krümels wird immer individueller. Daran haben auch die schon gut sichtbaren Augenbrauen ihren Anteil. Wimpern und Kopfhaare wachsen in dieser Phase ebenfalls stetig weiter und auch die Haut wird dicker und weniger durchscheinend. Im Mund wird nun die Zahnleiste angelegt, aus der später die bereits als Keim angelegten Milchzähne wachsen.

Dein Körper in der 21. Schwangerschaftswoche

Foto: © iStock, AleksandarNakic

Auch zu Beginn des 6. Monats ist alles auf Wachstum eingestellt. Durch das zunehmende Gewicht des Babys und deiner Gebärmutter samt Fruchtwasser und Plazenta verlagert sich dein Körperschwerpunkt zunehmend nach vorne. Diese ungewohnte Haltung kann jetzt zu Rückenschmerzen führen. Dass sich deine Bänder und Gelenke dank der Hormone lockern, hat natürlich seinen Sinn, verstärkt aber zusätzlich die Gefahr, ins Hohlkreuz zu fallen. Da hilft nur gegenhalten! Leichter Sport, der die Muskulatur stärkt und viele kleine Pausen im Alltag, die den Rücken entlasten. Am immer wieder besten hinsetzen und Füße hoch! Ach ja, schwere Dinge heben und hohe Hacken sind jetzt natürlich tabu. Sneaker-Time! Die gibt es ja heute auch in coolen Variationen.

In der 21. Schwangerschaftswoche zeigt die Waage nun 4,5 bis 7 Kilo plus. Das ist ein Richtwert. Wenn du etwas mehr zugelegt hast, kann das viele Gründe haben. Liegst du extrem weit über oder unter dieser Spanne, fragst du bei der nächsten Vorsorge am besten deinen Arzt, ob deine Gewichtszunahme im Rahmen ist. Die Hauptsache ist, dass der kleine Mitbewohner ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt wird und du dabei gesund bist.

Auch deine Brüste haben sich in den vergangenen Wochen schon merklich gerundet. In diesen Wochen beginnen sie vielleicht damit, die Erstmilch (Kolostrum) zu produzieren. Wann sich die Brüste einer Schwangeren auf das Stillen vorbereiten, ist sehr unterschiedlich. Vielleicht tröpfelt die Milch bei dir schon seit einigen Wochen aus den Drüsen der Brustwarzen. Vielleicht passiert das bei dir auch erst in den kommenden Schwangerschaftswochen. Beides ist völlig normal. Es kann auch sein, dass die Milch, die das Baby in den ersten Tagen nach der Geburt versorgen soll, in einer kleinen Fontäne herausschießt. Also bitte nicht erschrecken!

Wie oben schon erwähnt, sprechen die Ärzte zu Beginn des 6. Monats von der sogenannten Konkretisierungsphase der Schwangerschaft. Das kannst du vielleicht nachvollziehen: Der Bauch ist nun für dich und alle anderen deutlich sichtbar, du spürst schon dein Kind, die erste Hälfte ist geschafft, die Ängste der Frühschwangerschaft sind weniger geworden und die Vorfreude steigt. Andere können mit diesem Begriff vielleicht weniger anfangen. Für sie war die Schwangerschaft schon konkret und greifbar, als sie das Herz zu ersten Mal schlagen sahen. Die Gynäkologen beziehen den Begriff aber auch auf die Entwicklung des Kindes: Die Organe sind alle angelegt und arbeiten, aus dem Embryo ist ein kleiner Mensch geworden, der sich bewegt, dessen Sinne schon funktionieren und der durch seine Bewegungen bereits unbewusst Kontakt mit seiner Umwelt aufnimmt.

Wenn du noch keine Kindsbewegungen wahrnimmst, versuch einmal, dir etwas Zeit zu nehmen und dich ganz auf das Baby zu konzentrieren. Leg dich hin, atme ruhig ein und aus und versuch mit deiner Hand den Fundus (den oberen Rand der Gebärmutter) zu ertasten. Lass deine Hand dort liegen und horch in deine Gebärmutter hinein. Vielleicht spürst du jetzt ein leichtes Flattern. Das ist dein Kind! Es dreht sich gerade, fasst nach der Nabelschnur oder strampelt mit den Beinen. Auch wenn du das Kind in dir noch nicht spüren kannst, musst du dir keine Sorgen machen, solange dein Arzt sagt, dass alles okay ist. Es wird jeden Tag wachsen und schon bald wirst auch du die ersten Kindesbewegungen deutlich wahrnehmen.

Typische Schwangerschaftsbeschwerden in der 21. Schwangerschaftswoche:

Vitamin D-Mangel

Wenn du in der Schwangerschaft häufig unter Wadenkrämpfen leidest, kann ein Mangel an Vitamin D die Ursache sein. Bestätigt sich der Verdacht bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung, wird dein Arzt dir vielleicht Fischöl-Kapseln empfehlen. Da Vitamin D im Körper durch Sonnenstrahlung gebildet wird, hilft es ab vielleicht auch, wenn du häufiger an der frischen Luft spazieren gehst. Achte darauf, dass deine Haut Sonne abbekommt. 15 Minuten reichen schon! Der Spaziergang darf natürlich auch länger dauern ;)

Ischiasbeschwerden

Durch das Gewicht deines Bauchs kann sich jetzt die Rückenmuskulatur so verkrampfen, das die Muskeln auf den Ischiasnerv drücken. Der Schmerz strahlt dann häufig bis in die Beine aus. Am besten lagerst du deine Beine in Stufenhaltung (z.B. mit mehreren Kissen unter den Unterschenkeln) hoch, um den unteren Rücken zu entlasten. Auch ein warmes Dinkelkissen kann helfen. Reichen Hausmittel nicht aus, kann dein Arzt dir auch eine Physiotherapie verschreiben.

Das kannst du für dich und das Baby tun

Foto: © iStock, nd3000

Etwas egoistischer werden

Dauerstress tut dir und dem Kind nicht gut. Ein gesunder Egoismus ist jetzt die Devise. Versuche jetzt Dinge, die dich unter Druck setzen oder körperlich zu sehr anstrengen, an deinen Partner, deine Eltern oder Freunde zu delegieren. Sie haben sicher Verständnis, dass du nun noch mehr auf dich achten möchtest.

Den Rücken schonen

Über kurz oder lang bekommen die meisten Schwangeren Rückenschmerzen. Wenn du deine Füße im Sitzen hochlegst, entlastest du den Rücken. Und wenn du lange stehen musst, hilft es, die Füße abwechselnd auf einen kleinen Hocker zu stellen. Sind die Beschwerden während der Arbeit zu stark, solltest du das Gespräch mit deinem Chef suchen. Ab dem 6. Monat dürfen werdende Mütter bei der Arbeit nicht länger als 4 Stunden ohne Pause stehen.

Zur Geburtsvorbereitung anmelden

Ab der 25. SSW beginnen die meisten Geburtsvorbereitungskurse. Wenn du noch nicht angemeldet bist, wird es jetzt Zeit. Es sei denn, du möchtest keinen regelmäßigen Abendkurs, sondern einen Kompaktkurs am Wochenende besuchen. Dann hast du je nach Lage an deinem Wohnort noch etwas Luft.

Alternative Fortbewegungsmittel suchen

Getränkekisten und schwere Einkaufstaschen überlässt du jetzt dem werdenden Papa. Aber was, wenn du schon ein Kleinkind hast, das so gerne auf Mamas Arm möchte? Ganz vermeiden lässt sich das im Alltag sicher nicht. Dennoch kannst du dir jetzt Alternativen überlegen. Wie wäre es mit einem coolen Laufrad, einem Bobycar mit Stange oder einem neuen Roller? Wetten, Mamas Arm ist dann gar nicht mehr so spannend?

Welche Untersuchungen stehen in der 21. SSW an?

In der 21. SSW ist der Herzschlag deines Babys schon richtig kräftig. Wenn du jetzt einen Vorsorgetermin hast, kann der Arzt ihn mit einem Fetaldoppler (Dopton) abhören. Dazu legt er das Gerät auf deinen Bauch und sucht eine Stelle, an der man den Herzschlag am besten hören kann. 120 bis 160 Mal in der Minute schlägt das Babyherz und damit doppelt so schnell wie deins!

Viele Schwangere waren bereits in der 19. oder 20. SSW bei der vierten Vorsorgeuntersuchung und haben dort auch den zweiten großen Ultraschall machen lassen. In unserem Schwangerschaftskalender findest du in der 19. SSW alle Informationen zu dieser wichtigen Untersuchung. Wenn du noch keinen Termin hast, wird es jetzt Zeit. Der zweite Ultraschall sollte zwischen der 19. und 22. Woche stattfinden. Er kann nur der Frauenarzt machen, die Vorsorge auch deine Hebamme. 

Ultraschallbilder aus der 21. Schwangerschaftswoche

Foto: © iStock, gorodenkoff

Euer Kind wird immer größer. In den kommenden Wochen wird es nicht mehr komplett auf das Ultraschallbild passen. Was bedeutet das für die Messungen beim Ultraschall? Der Arzt arbeitet nun mit Referenzmaßen. Von der Länge des Oberschenkelknochens, des Brustumfangs und des Kopfdurchmessers wird auf die Gesamtgröße und das Gewicht eures Krümels geschlossen. Hundertprozentig sind die ermittelten Werte nicht. In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass ein Baby dann schwerer oder leichter auf die Welt kommt. Dennoch liefern die Messungen wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung eures Babys und die Planung der Geburt.

Medizinerlatein: Plazenta Praevia

Die Plazenta (Mutterkuchen) bildet sich dort, wo sich das befruchtete Ei in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. In der Regel ist das im oberen Teil der Gebärmutter. Bei einigen Frauen geschieht es aber im unteren Teil des Uterus. Dadurch kann sich im Verlauf der Schwangerschaft eine Plazenta Praevia entwickeln. Wortwörtlich bedeutet das, dass die Plazenta im Weg liegt (lat. Praevius = vor dem Weg befindlich). Sie verdeckt den Muttermund zum Teil (Plazenta Praevia marginalis oder partialis) oder vollständig (Plazenta Praevia totalis).

Ist der Geburtskanal vollständig verdeckt, wird dein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kommen. Verdeckt der Mutterkuchen den Muttermund nur leicht, ist häufig noch eine natürliche Geburt möglich. In einigen Fällen wandert die Plazenta auch mit dem Wachstum der Gebärmutter weiter nach oben und gibt den Weg frei. Die genaue Lage der Plazenta wird routinemäßig in der 29. SSW ermittelt. Kommt es in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft aber zu Blutungen, ist das immer auch ein mögliches Anzeichen für eine Plazenta praevia, die sich vielleicht gerade durch das Wachstum der Gebärmutter abzulösen beginnt. Das ist sehr gefährlich. In diesem Fall musst du sofort zum Arzt oder in eine Klinik.

Gut zu wissen

  • Auch in der 21. SSW gilt für werdende Eltern die Devise: Sex ist erlaubt, wenn er beiden gefällt. Und das Baby? Dem schadet er ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Wenn es Mama gut geht, ist das Baby auch zufrieden. Stellungen, bei denen der Partner auf den Bauch drückt, solltet ihr natürlich vermeiden. Und was ist noch wichtig? Eine gute Intimhygiene. So vermeidet ihr Infektionen.
  • Bei Rückenschmerzen helfen auch warme Bäder. Keine Wanne? Frag doch eine Freundin oder lass dich bei deinen Eltern einen Tag rundum verwöhnen.
  • Du hast schon genaue Vorstellungen, was ihr noch für das Baby braucht? Dann schreib doch eine Wunschliste und verteil sie unter Freunden und Familienmitgliedern. Die freuen sich auch, wenn sie nicht lange grübeln müssen und so genau das Richtige aussuchen können.

Quellen:

  • Imlau, Nora; Pfützner, Sabine: Babybauchzeit: Geborgen durch die Schwangerschaft und die Zeit danach. Hebammenwissen für Mutter und Kind, Weinheim 2018.
  • Kainer, Franz; Nolden, Annette: Das große Buch zur Schwangerschaft. Umfassender Rat für jede Woche, München 2018.
  • Blohmer, Jens-Uwe; Matthias, David; Henrich, Wolfgang; Sehouli, Jalid (Hrsg.): Charité Kompendium Gynäkologie, Berlin 2018.
  • Frauenärzte im Netz

 

Zurück zur 20. SSW

Weiter zur 22. SSW