Geburtshelferinnen schlagen Alarm

Hebammen-Betreuung gefährdet?

Ist die Geburtshilfe durch die freie Hebamme in Deutschland gefährdet? Das zumindest befürchten Hebammen, seit eine erneute Erhöhung ihrer Haftpflichtversicherungsbeiträge beschlossen wurde. Nun fordern die Hebammen: Die Politik soll helfen.

von Gabriele Möller
  • DruckenDruck
  • KommentierenKommentare
  • Per E-Mail empfehlenEmail
Hebamme beraet Schwangere
Foto: © pantermedia.net/Monkeybuisness Images

Immer mehr Hebammen geben auf

„Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“, klagt Jana Setter, Hebamme im Lübecker Geburtshaus. Seit 15 Jahren betreuen sie und ihre Kolleginnen Hausgeburten und Geburtshausentbindungen, bieten Kurse, Vor- und Nachsorge an. Doch bald könnte es damit vorbei sein. Denn ab 1. Juli dieses Jahres steigen die Berufshaftpflichtbeiträge für freiberufliche Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sind, auf fast 3.700 EUR jährlich an. Für eine Geburtshaus- oder Beleghebamme und ihr Durchschnittseinkommen von ca. 14.000 EUR im Jahr ein Betrag, der ihr Honorar in den Bereich einer Aushilfstätigkeit rückt. Schon jetzt haben nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands zehn Prozent aller in der Geburtshilfe tätigen, freiberuflichen Hebammen aufgegeben. Kommt nicht bald Hilfe, wird es für Schwangere schwer, überhaupt noch eine Hebamme für eine Beleggeburt im Krankenhaus, eine Entbindung zu Hause oder im Geburtshaus zu finden. Aber auch die Anzahl von Hebammen, die Vor- und Nachsorge anbieten, wird bei einer Schließung von Hebammenpraxen und Geburtshäusern sinken.

Schwangere müssen mehr zahlen

Für die Betreuung einer Geburt im Krankenhaus, die acht Stunden vor der Geburt und drei Stunden danach mit einschließt, bekommt eine freie Hebamme 237 Euro, für eine Geburt im Geburtshaus 445 Euro und für eine Hausgeburt 537 Euro. Weiß man, dass eine Beleghebamme bei einer Rundumbetreuung, mit Vorsorge, Kursen, Klinikgeburt, Wochenbett und Stillzeit ca. 30 Frauen im Jahr betreut, eine außerklinische Hebamme etwa zehn Frauen, ergibt die Rechnung: Meist reichen die Netto-Einnahmen aus der Geburtshilfe gerade mal zur Deckung des neuen Versicherungsbeitrages. „Davon können wir uns und unsere Kinder nicht ernähren“, klagt Hebamme Jana Setter. „Die ohnehin wenigen geburtshilflich tätigen Hebammen sind nicht bereit, allein für die Haftpflicht zu arbeiten“, bekräftigt auch Dr. Edith Wolber, Pressesprecherin des Deutschen Hebammenverbandes DHV. Deshalb überlegen viele freiberufliche Hebammen, entweder ganz aus der Geburtshilfe auszusteigen, oder die erhöhten Versicherungsbeiträge zum Teil über eine Erhöhung der Kosten für Hebammenleistungen (z. B. der Rufbereitschaftspauschale) an die Frauen weiterzugeben.