Statt ständiger Ermahnungen

Erziehung mit Humor und Fantasie

Quengelausbruch am Süßigkeitenregal oder Generalstreik beim morgendlichen Anziehen? Wir Eltern reagieren auf solche Krisen oft mit Ermahnungen, die die Situation eher noch zuspitzen. Es geht auch anders: Erziehung mit Humor und Fantasie.

Autor: Gabriele Möller
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Schwierige Situationen fantasievoll entschärfen

Mutter Tochter Mütze anziehen
Foto: © iStockphoto.com/ Imgorthand

Sie gehören zum Leben mit kleinen Kindern dazu, wie das Salz (oder besser das Haar) in der Suppe: Die täglichen Kleingefechte, die Eltern manchmal dazu bringen, ihr Kind in die Erdumlaufbahn zu wünschen. Ob ein Quengelausbruch am Süßigkeitenregal oder der Generalstreik beim Zähneputzen oder Anziehen - so vorhersehbar wie diese Szenen sind meist auch die elterlichen Reaktionen: „Paul, bitte LASS’ es!“, „Madeleine, ich zähle jetzt bis drei...!“ oder „Lauritz, wenn du jetzt nicht hörst, darfst du nachher nicht fernsehen!“ Dabei gibt es für fast jede schwierige Situation viel mehr mögliche Lösungen: Paradoxe, lustige, verwirrende, fantasievolle, unerwartete. Mehr Mut zum Ungewohnten lohnt sich. Das Kind ist überrascht, macht mit, und beide Seiten haben auch noch Spaß dabei. urbia zeigt an den Klassikern der Alltags-Störfälle, wie Erziehung auch mal anders gehen kann.

Countdown in den Tag

Das Kind möchte nicht aufstehen, geschweige denn sich anziehen, die Zeit verrinnt, der Chef wartet, und im Kiga verpasst der Nachwuchs gerade die Begrüßungsrunde. Jetzt hilft das „Sockenmonster“: Man streift sich einen Strumpf über die Hand und haucht ihr – die Finger auf und zu klappend - Leben ein. „Allo? Isch bin das grauslischää Sockenmonstärr! Bittä ste-en ssie jetzt auf.“ Ein neugierig lugender Blick ist einem da schon sicher. Danach zeigt das Sockenmonster seine temperamentvolle Seite. Es kreischt „Alläs aufstähn!“ und kitzelt das Kind dabei kräftig durch. Danach lockt es „Sobald du aufgästandän bist, flüstere isch dirr ein Ge-eimnies ins Orr...“. Das kann etwas zum Freuen sein, wie zum Beispiel, dass heute jemand Bestimmtes zu Besuch kommt, es den Lieblingsnachtisch gibt, der Papa heute früher nach Hause kommt und mit dem Kind schwimmen geht, ein toller Spielplatz oder auch der beste Freund besucht wird.

Beim Anziehen fragt das Sockenmonster (oder eine Handpuppe): „Was meinst du, welche Farbe heute zu diesem Tag passt?“ Das Kind kann aus dem Fenster schauen und nach Bauchgefühl eine Grundfarbe wählen, zu der passend kombiniert wird: „Du möchtest blau tragen, wie der Himmel? Willst du dazu etwas Rotes anziehen, wie die Morgensonne? Oder lieber etwas Gelbes, wie die Mittagssonne? Oder vielleicht Streifen, wie Nebelfäden?“ (Für Technik-Freaks: gelb wie das Postauto, orange wie die Müllabfuhr, rot wie der Lieblingsbagger).

Ein Zaubertrank zum Frühstück

Wenn das Kind regelmäßig beim Frühstück kaum einen Bissen herunterbringt, zückt man lieber allmorgendlich den Mixer und fragt: „Welche Farbe soll Dein Zaubertrank heute haben?“ Je nach Wunsch wird dann auf der Grundlage von Kiwis, Orangen, Bananen, (tiefgefrorenen) Himbeeren, Erdbeeren, einer Prise Zucker, aufgefüllt mit einfachem Sprudelwasser oder Milch in Sekunden ein „magischer Trank“ gebraut, von dem auch Frühstücksmuffel meist einen Becher schaffen - zumal wenn er besondere Kräfte verleiht, die zur Gemütslage des Kindes passen („Grün macht Dich fröhlich, Gelb ist gut, damit Dir viele tolle Ideen einfallen, mit Rot ist man besonders stark“).

Den schwierigsten Akt des morgendlichen Familienschauspiels bildet meist das Anziehen von Schuhen und Jacke. Hier legen Kinder freiwillig den Turbogang ein, wenn draußen die „Rakete“ (Auto) auf die Raumfahrer wartet, die nur noch ihre „Raumanzüge“ und ihre „Mondstiefel“ überwerfen müssen, um starten zu dürfen. Am Steuer wird dann laut rückwärts von 10 bis 0 gezählt, bevor losgefahren wird. Oder wenn der Fußweg zum Kiga oder zum Bus als Spielparcours angekündigt wird: "Wenn wir rechtzeitig los kommen, schaffen wir bestimmt drei Spiele unterwegs." Zum Beispiel "Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm"; bei jedem blauen Auto drei Schritte auf einem Bein hüpfen; sich bei jeder Mülltonne einmal um sich selbst drehen; abwechselnd selbst erfundene Quatschlieder über das Wetter singen; nach Spaziergängern mit Hunden Ausschau halten und für jeden kurzbeinigen Hund einen Punkt ans Kind, für jeden langbeinigen einen an Mama oder Papa vergeben; zusammen Anlauf nehmen und Hand in Hand über jede große Pfütze springen.

Körperpflege: Vorhang auf für die Zahnbürste

„Komm’ jetzt endlich Zähne putzen!“ Dieser Ruf verhallt meist ungehört in den Weiten der Wohnung. Schauspielerin und Autorin Sabine Bohlmann (siehe Buchtipp) lockt ihre Kinder in diesem Fall lieber herbei mit verstellter Jahrmarktstimme und dem Ruf: „Derrr fliegende Teppisch, derrrrr fliegende Teppich! Alles ainstaigen, Türrren schließen, Vorrrsicht bai derrr Abfahrt!“ Linst der Nachwuchs dann neugierig um die Ecke, schleudert man schwungvoll eine Decke auf den Boden, die Kinder setzen sich darauf und werden durch den Flur zum Badezimmer gezogen. Die Zähne werden jetzt besonders bereitwillig geputzt, damit man den „Rückflug“ auf dem Teppich ins Kinderzimmer nicht verpasst.

Bekommt der kleine Milchzahnbesitzer die Zähne ein andermal wieder kaum auseinander, wird es Zeit, den schmählich verkannten Zahnbürsten endlich die verdiente Stimme zu geben: „Bürstenkopf“ und „Schrubbi“ beispielsweise könnten sich darum zanken, wer dem Kind die Zähne putzen darf („Ich bin die Bürste vom Niklas! Nein, ich! Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist, Du blödes Borstenvieh!“) Sie können aber auch zusammen ein Liebes-Duett à la Urmel singen („Ich kösse Ihre Hand, Madam!“), sich mit dem Kind unterhalten: „Ich bin heute sooo schlapp, sind Deine Zähne sehr schmutzig? Lass mal sehen, oje, da habe ich aber eine Menge zu tun. Na gut, dann nichts wie los. Wo soll ich anfangen?“, oder sich kämpferisch geben: „Heute werde ich’s den blöden Bazillen Karius und Baktus aber mal zeigen. Ha, da seh’ ich schon eine, da hinten, bei Dir im Mund. Die will sich gerade verstecken, soll ich die mal wegmachen? Oh, da ist noch eine und noch eine!“ Auch gegenseitiges Zähneputzen, bei dem Mama oder Papa sich vom Kind die Zähne bürsten lassen, während sie das Milchgebiss des Nachwuchses schrubben, erhöht den Fun-Faktor ungemein.

Die ganze Wahrheit über Rapunzel

Kluge Kinderpsychologen betonen, dass man sich Zank und Tränen beim Haarewaschen sparen könnte, wenn man die Kinder nur selbst machen ließe. Schon sehr kleine Kinder sind der Ansicht „Mein Schopf gehört mir“ und möchten daher ihre Haarrpflege (und auch das Duschen) gern selbst übernehmen. Sobald der Nachwuchs Kraft genug hat, die Brause zu halten, sollte man sie ihm einfach in die Hand drücken. Eltern bekommen Assistentenfunktion und dürfen etwas „nachseifen“ und nachspülen. Auch das macht den Kleinen richtig Spaß, wenn man dafür bunte Kinderwaschlappen mit Augen und Mund benutzt, die man wie eine Handpuppe sprechen lassen kann: „Hier soll es irgendwo ein ziemlich verschmutztes Kind geben, bist du das? Harr, ich liiiiebe es, kleine Hände, Füße und Ohren einzuseifen, komm’ schnell her!“

Ob Rapunzel ihre meterlangen Locken regelmäßig gebürstet hat, wird im Märchen verschwiegen. Wahrscheinlich war es aber ein ziemlich verfilzter Zopf, den sie dem Prinzen zum Hinaufklimmen über die Brüstung schmiss. Denn schon Mädchen mit wesentlich kürzerem Haar stimmen wegen des Geziepes zuverlässig laute Klagelieder an und lassen das Kämmen lieber ganz ausfallen. Da hilft der Rapunzel-Turm: Ein kleiner Tritthocker wird mit einem zuvor gemeinsam gebastelten „Turm“ mit ausgeschnittenen Zinnen aus einem großen Pappkarton umhüllt. Das Mädchen besteigt morgens und abends hold den Rapunzelturm. Mutter oder Vater rufen „Ey, Rapunzel, lass mal dein Haar herunter!“ Danach wird das Haar des zufriedenen Kindes an den Spitzen beginnend vorsichtig gebürstet.


Die gezähmte Warteschlange

Scham, Wut, gelinde Verzweiflung: Ein Trotz-, oder besser, Frustanfall ihrer Jüngsten löst bei den meisten Eltern große Gefühle aus - vor allem, wenn es interessiertes Publikum gibt. Einen Trotz- oder Quengelanfall kann man entschärfen, wenn man einmal völlig unerwartet reagiert: Man kann sich den kleinen Wüterich schnappen, hochheben und ihn durchkitzeln oder hin- und herschaukeln. Dabei ruft man: „Ja, ich weiß! Das ist jetzt fürchterlich, dass ich diese Kaugummis nicht kaufe. Sie schmecken wirklich gut, aber ich kann’s-kann’s-kann’s nicht tun!“ Innere Gelassenheit bringt angeblich auch die Methode, die Sabine Bohlmann in ihrem Buch „Das Mary Poppins-Prinzip“ empfiehlt: „Zusehen und nachdenken!“ Wenn ein Kind also von der Wut geschüttelt ist, solle man nur hinschauen, nachdenken und sonst gar nichts tun. Dadurch, dass man innerlich einen Schritt rückwärts macht, kommt Verstehen auf. Und sowieso geht dieser Ausbruch beim Kind ganz von selbst vorbei.

Dem Unwohlsein der Kleinsten beim Einkaufen kann man aber auch vorbeugen, denn das Kinderglück liegt nur einen Millimeter weit vom Quengelschub entfernt: „Sag’ mal, sollen wir heute diese langen Nudeln kochen oder die gedrehten? Such Du doch bitte eine Packung aus und lege sie in den Wagen!“ oder „Kannst Du den Joghurt entdecken, ich seh’ ihn nirgends!“ „Bitte hilf mir, den Wagen zu schieben, der ist schon sooo schwer, ich schaff’ das nicht allein!“

Spätestens aber in der Kassenschlange bricht bei vielen Kleinkindern doch noch der Motzteufel durch. Statt lahmer Ermahnungen, hilft jetzt Beschäftigung. Zunächst sollte man jedoch Verständnis äußern: „Ja, das ist wirklich langweilig, das geht mir auch so.“ Dann kann man dem Kind ungefähr sagen, wie lange es noch dauern wird. „Du, ich glaube, es geht recht schnell voran. Wahrscheinlich dauert es nur wenige Minuten. Das ist so lange, wie das ’Sandmännchen’ im Fernsehen.“ Dann bittet man das Kind um Unterstützung: „Magst Du mal in meiner Handtasche nach dem Portmonee suchen und es mir anreichen? Siehst Du diese Bluse an dem Ständer gleich hier? Ist die schön? Kannst Du mir die mal bringen, dann kann ich sie besser sehen, ich kann ja nicht aus der Schlange weg.“ Aber auch Bewegung killt Langeweile: „Meinst Du, Du schaffst es, einmal um diesen Kleiderständer herum zu rennen, während ich bis fünf zähle? Kannst du auf einem Bein bis zu dem Spiegel da hinten hüpfen?“

Der Familientisch: Schlabbern wie die Ritter

„Es matscht ganz von selbst“, beschreibt die Erziehungsberaterin Ursula Neumann den Esstisch-Konflikt zwischen elterlichem Reinheitsgebot und kindlicher Lust am Matschen. Kanalisiert wird das Matsch-Bedürfnis bei einem wöchentlichen „Ritter-Essen“. Gelten an sechs Tagen die üblichen Benimmregeln, darf am Rittertag ungehemmt mit den Fingern gegessen, geschmatzt und die Hände am Pulli abgewischt werden. Als Ritteressen bieten sich naturgemäß Hähnchenkeulen an, aber auch Pizza, überbackene Baguettes, Koteletts (mit Knochen zum Festhalten) sowie Gemüsesticks mit Dip. Besonders nervenstarke Eltern können natürlich auch andere Gerichte zur „gabelfreien Zone“ erklären und gemeinsam mit den Kindern mit den Fingern essen.

An den anderen Tagen macht Benimm mehr Spaß, wenn man ihn auch mal auf die Spitze treibt. Zum Beispiel „feines Restaurant“ spielt und mit affektierter Stimme bittet: „Könntön Sü mür bütte mal die Serviette anreichen?“, sich den Mund betupft und extra reinlich isst. Geht mal etwas daneben, sollte der kleine Verursacher das Malheur beseitigen helfen. Ein eigenes Kinderschwämmchen in Tierform oder ein kleiner Küchenlappen können fürs Kind griffbereit liegen, so dass die Matscherei erst gar nicht zum Aufreger werden muss.

Damit einem aber nicht schon beim Auftragen des Essens ein „Das maaag ich aba nich, uääh!!!“ entgegen schallt, sollte jedes Kind sich mindestens ein Gericht pro Woche wünschen dürfen. Oder beim Einkauf gleich dabei mitentscheiden, was gekocht wird. Ein Kind, das die lilafarbene, glänzende Aubergine oder die knallrot leuchtende Paprika im Supermarkt selbst ausgesucht (und kleingeschnitten) hat, ist auch eher bereit, sie im garen Zustand zu probieren. Gegen generelle Gemüse-Unlust hilft (zumindest einige Male) auch die paradoxe Methode: Die Gemüsecreme-Suppe oder auch die Gemüsebeilage wird nur auf den Tellern der Erwachsenen verteilt mit dem Hinweis: „Das dürfen nur wir Erwachsenen essen, das ist nichts für Dich!“ Mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit besteht der empörte Nachwuchs darauf, sofort und unmittelbar auch etwas abzubekommen von dieser verbotenen „Leckerei“.

Wohin bloß mit den bösen Worten?

Aus dem Mund des eigenen Kindes kam bisher nie ein böses Wort. Kaum aber geht es drei Wochen in den Kindergarten, fallen ihm aus dem niedlichen Mund plötzlich Wörter wie „Kakapopo“, „Eierloch“ oder „blöde Kuh“. Reflexartig fragt man sich, von welchem üblen, verzogenen Kind der eigene Sonnenschein bloß dieses schlimme Wort aufgeschnappt hat. Statt nun zu ermahnen und zu klagen, ist es besser, den fiesen Wörtern ganz konkret beizukommen. Zum Beispiel mit einer kleinen, verschließbaren „Box für schlimme Wörter“, schlägt Sabine Bohlmann vor. Man hält die Schachtel (oder Schublade) einmal offen vor das Kind und fordert es auf, alle schlimmen Wörter, die es kennt, einmal kräftig dort hineinzusagen. Danach wird die Dose fest verschlossen. Wenn das Kind mal so richtig schlimm sauer ist, darf es sich aus der Box notfallmäßig ein Wort „herausnehmen“. Rutscht doch mal ein schmutziges Wort spontan heraus, behält das Kind es in der Faust oder tut es in die Anoraktasche, um es zu Hause schnell wieder in die Box zu sperren, in die es gehört.

Ist ein Kind wütend, unleidlich oder quengelig, kann es auch an der kleinen „Motzkuh“ liegen. Sie hat Flügel und fliegt besonders gern kleine Kinder an, um ihnen die Laune zu verderben (siehe Buchtipp). Wo sie auftaucht, wird gemotzt, getobt und gewütet. Deshalb muss man unbedingt im Haar, unterm Kragen, in der Hosentasche, hinter dem Ohr des Kindes nach der grünen Mini-Kuh suchen. Hat man sie gefunden, schnippt man sie energisch weg – und schon grinst das zuvor missgelaunte Kind zuverlässig. Sabine Bohlmann ist dagegen überzeugt, dass es der „falsche Fuß“ ist, mit dem ein Kind aufgestanden ist, wenn es schlecht drauf ist. Deshalb schickt sie ihre Kinder einfach kurz zurück zum Bett, damit sie noch mal mit dem „richtigen“ Fuß aufstehen – auch dieses simple Ritual helfe bei ihren zwei Kindern erstaunlich gut, berichtet die Autorin.

Aua! Trost bei kleinen Katastrophen

Die Menschheit ist seit je her fasziniert von Schatzkisten. Bei Kindern ist der Zauber des unsichtbaren Inhalts von Truhen, Kästen und Koffern noch besonders ausgeprägt. Weshalb Schürfwunden und blaue Flecken nach Spielunfällen gleich weniger weh tun, wenn man sich eine Überraschung aus der „Kiste für kleine Katastrophen“ heraussuchen darf. Das kann eine kleine Holzdose oder ein Schuhkarton sein, den man mit einem schönen Geschenkpapier oder in Serviettentechnik beklebt. Darin befinden sich Kleinigkeiten wie Mini-Puzzles, Holztiere, kleine Pfeifen, Seifenblasen-Fix, Puppenstuben-Püppchen, Autos, kleine Kreisel, Haarspangen. Diese Kleinteile gibt es in vielen Spielwarenläden als „Mitgebsel“ preiswert im Mehrfachpack. Eine Kleinigkeit aus der Kiste bietet sich auch an, wenn ein Kind sich vielleicht etwas getraut hat, das es vorher noch nie gewagt hat, wenn es von sich aus geholfen hat, oder weil es einfach einen schweren Tag hatte.

Hat ein Kind eine dicke Erkältung, ist mies gelaunt und gelangweilt, haben sich bei der zweifachen Mutter Sabine Bohlmann einige Rituale bewährt, die für ein paar Glücksmomente trotz Krankheit sorgen. Zum Beispiel die „Genesungskerze“, bei der die Eltern (oder auch ein Geschwisterkind) eine dicke Kerze mit selbst ausgeschnittenen Motiven aus dünnen Bastel-Wachsplatten verzieren. Diese wird angezündet aufs Fensterbrett gestellt, was heimelig, tröstend (und deshalb heilsam) wirkt. Oder das „Kranken-Tischchen“, das neben das Bett gestellt wird und auf das eine Tasse Tee gehören, ein Glas mit Salzstangen und eine kleine „Genesungskiste“ mit besonders schönen Hörspielkassetten oder anderen Spielsachen, die nur bei Krankheit benutzt werden dürfen.

Einschlafen – Fahrkarten ins Land der Träume

Die schlechte Nachricht: Auch im Zeitalter der Quantenphysik ist von der Wissenschaft noch kein Wundermittel für schnelles Einschlafen gefunden. Aber es gibt Hilfestellungen, die Kindern den Umstieg auf den „Nachtmodus“ erleichtern. Schon der Einstieg ins Bett fällt leichter, wenn Mutter oder Vater in eine Trilllerpfeife pusten und rufen: „Der Nachtzug fährt gleich ab, bitte rasch einsteigen, begeben Sie sich in den Schlafwagen!“ Man kann dann zusammen überlegen, was das Schönste (und Zweitschönste) oder Erstaunlichste an diesem Tag war (weißt Du noch, wie wir den 100 Jahre alten, superdicken Baum gesehen haben?“). Auch ein Büchlein mit Kinderliedern gehört auf den Nachttisch, denn wer kennt die wunderschönen Texte von „Die Blümelein, sie schlafen“ oder „Weißt Du wie viel Sternlein stehen?“ wirklich vollständig. Gut kommt auch das Anschauen von Bildern im Foto-Album an, auf denen Mama oder Papa als kleines Kind zu sehen sind. Auch kurze Erzählungen darüber, wie es „früher“ war, als die Eltern noch Kind waren, helfen herunter zu „chillen“. Statt fernzusehen bis kurz vor dem Zubettgehen (was unruhig macht), gibt es zum Einschlafen eine kurze, selbst erfundene Geschichte, zu der das Kind den ersten Satz sagen darf. Sie wird schnell zu einer populären Fortsetzungsgeschichte, bei der der bald vertraute Held immer neue Abenteuer bestehen muss.

Manche Kleinkinder können trotzdem nur einschlafen, wenn sie beiläufig ein bisschen mit Mamas Haaren spielen oder an Papas Ärmel knibbeln dürfen, andere wollen eine Weile am Kopf gestreichelt werden. Einige können bloß nicht gut allein einschlafen und möchten, dass man noch etwas an ihrem Bett sitzt. Statt nun entnervt zu gehen und Machtkämpfe mit dem weinenden Kind auszufechten, könnte man das Minus, das man im Geiste vor die Sitzungen am Kinderbett schreibt, innerlich umwandeln in ein Plus und sie als „Quality time“ für Eltern sehen. Diese innige Zeit, in der das Kind elterliche Nähe sucht, geht schneller vorbei als geglaubt – und wird dann seltsamerweise oft heimlich vermisst.

Auf Reisen – fröhliche Kilometerfresser

„Sind wir gleich da? Mir ist so langweilig!“ tönt es gern schon nach den ersten zehn der 800 geplanten Reisekilometer von der Rückbank. Sind Benjamin Blümchen-CDs, Zaubertafel oder Malbücher ausgereizt, kommt vielleicht das Spiel „Laute Verkehrzeichen“ zum Einsatz, das Sabine Bohlmann empfiehlt. Allen Schildern werden Geräusche zugeordnet: Kommt ein Tempo-100-Schild, müssen alle jodeln. Bei einem Parkplatzschild muss man schnalzen, bei einem Wildwechsel-Schild (Hirsch) muss man klatschen usw. Bei den ganz Kleinen tut es ersatzweise die Farbe überholender Autos, denen Laute zugewiesen werden. Bei Farbunsicherheiten können die Großen nachhelfen: „Ah, da kommt ein blaues Auto – jetzt müssen wir alle laut husten!“ Oder man spielt ein Musik-Quiz (das geht dann auch auf Zug- oder Flugreisen): „Wer weiß, wie das Lied mit den Räubern geht? Oder mit dem roten Pferd? Oder mit der kleinen Fliege?“ Wer’s zuerst errät, kann bekannte Kindergartenlieder wie „Räuber von Toulouse“, „Da hat das rote Pferd sich einfach umgedreht“ oder „In dem Mondenschein...“ anstimmen und entweder allein oder mit Hilfe des Familienchors singen. Auch ein oder zwei Handpuppen sollten mit auf Reisen gehen: „Ich bin Schnappi, das kleine Krokodil! Äh, wer seid denn Ihr da? Und wo fahrt Ihr hin? Gibt’s da auch eine Badewanne für mich zum Schwimmen? Uaa, und darf ich da auch Leute beißen?“ Ganz kleine Kinder können Tierstimmen raten („Wie macht die Krähe? Wie macht das Huhn?“) und dabei ganz leise bellen und krähen, oder ganz laut, und auch mal im Flüsterton oder ganz tonlos nur mit Mundbewegungen.

Ich will ein Haustier! - Die Patenkatze

„Ich will einen Hund!“ (wahlweise eine Katze, einen Hamster, einen Hasen) – keine Elterngeneration bleibt es wohl erspart, irgendwann auf diesen schlichten Satz reagieren zu müssen. Wer das entsprechende Tier lieber nicht oder noch nicht anschaffen möchte, muss sich auf eine mittlere Seelenkrise beim Kind gefasst machen. Die wird gelindert, wenn man dem Nachwuchs vorerst ein „Paten-Tier“ vermittelt, so der Rat von Autorin Sabine Bohlmann. Vielleicht freut sich der berufstätige (oder alte) Nachbar, wenn ein Kind zweimal pro Woche seinen Hund für ihn ausführt. Oder die alleinstehende Dame mit den vielen Katzen erlaubt, dass das Patenkind seinen Lieblings-Vierbeiner ab und zu besucht, bürstet und füttert. Auch, wer Kleintiere für Bekannte oder Freunde im Urlaub hütet, kann den Alltag mit einem Tier erleben und erlernen.

Zum Weiterlesen

Sabine Bohlmann: „Ein Löffelchen voll Zucker, und was bitter ist wird süß – das Mary Poppins-Prinzip“. Vgs Verlag 2004, ISBN 978-3-8025-1642-9.

Annette Langen und Imke Sönnichsen: „Die kleine Motzkuh - Oder: Wie man die schlechte Laune verjagen kann“, Coppenrath Verlag 2000, ISBN 978-3815720004.

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