Nerviger Alltag
Wenn Mama ihre Krise kriegt
Wahnsinn, dieser Alltag mit kleinen Kindern! Keine ruhige Minute, ständig wollen alle 20 Sachen gleichzeitig von Mama. Das schafft sie alles, kein Problem, doch dann kommt die 21. Sache und dann kann Mama nicht mehr. Wütendes Schreien ist das untrügliche Zeichen: Mama hat ihre Krise. Lesen Sie, wie sie da (natürlich) wieder rauskommt.
Kleinkind-Alltag: Manchmal einfach zu viel des Guten
Bei mir ist es das Anziehen, das mich manchmal in den Wahnsinn treibt. Ich habe es zum Spaß mal durchgerechnet. Drei Kinder an 250 Werktagen morgens fertig machen, im Kindergarten nochmal Hausschuhe an, nach dem Kindergarten wieder rein in die Klamotten, zu Hause wieder raus und abends in die Schlafanzüge. Rechne ich mir für einen kompletten Drei-Kinder-in-frische-Klamotten-Wechsel 20 Minuten, und für die anderen zehn Minuten an, komme ich im Jahr auf 20.000 Minuten, also 333 Stunden nur für das Anziehen meiner Kinder. Wäre Kinderanziehen mein Fulltime-Job, wäre ich 44 Werktage, also quasi zwei Monate beschäftigt. Nach dieser Rechnung geht es mir besser.
Zwanzigtausend Minuten jährlich Kinder anziehen – das DARF einen manchmal in den Wahnsinn treiben, oder? Ich frage mich ehrlich gesagt, warum ich nicht viel häufiger mit den Nerven am Ende bin, sondern weiter mit Engelsgeduld die rosa Haarspange mit den weißen Tupfen suche, das Lieblings-T-Shirt aus der Wäsche hole und über Unterhosenfarben diskutiere.
Und täglich grüßt das Murmeltier: Der Alltag kann einen schaffen
Spaß beiseite. Der Alltag mit Kleinkindern ist anstrengend und zermürbend, ein bisschen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“, nur dass „I got you, Babe“ hier „Ich hab Hunger, Mama“ heißt. Was für mich das Anziehen, mag für andere das Sitzen am Tisch, das Baden, Kinderzimmer aufräumen oder das Zähneputzen sein. Es geht nicht um Situationen, in denen Kinder etwas tun, wie z.B. das Ledersofa mit Filzstift bemalen, worauf man reagieren muss. Es ist der unendliche Strom an Momenten, in denen ein Kind einfach nur Kind ist, müde, trotzig, ungeschickt, der auf eine Mutter trifft, die eine ganz schlechte Minute hat, nämlich die Zwanzigtausendunderste. Und in dieser zwanzigtausendundersten Minute kann sie einfach nicht mehr und will nur noch schreien – und tut es dann auch.
Ich fühle mich dann als schlechte Mutter, das Gefühl überfordert zu sein, ist kein schönes. Das teile ich offensichtlich mit Autorin Julia Heilmann. In dem Buch „Kinderkacke – Das ehrliche Elternbuch“, das sie gemeinsam mit ihrem Mann verfasst hat, spricht sie vielen Müttern aus der Seele: „Oft schreie ich die Kinder oder meinen Mann an, weil mir schlicht die Kraft für konstruktive Verhandlungen fehlt." Bei einem Treffen mit anderen Müttern erfahre ich Ähnliches. „Ich bin nur am Meckern, meistens brülle ich auch“ gesteht Dagi, Mutter von drei Kindern. „Jonas sagt, ich würde nur schimpfen“, klagt Nina, „manchmal bin ich vor dem Kindergarten schon fertig mit den Nerven“, offenbart Katie.
Autorin Heilmann stellt allerdings über das Schreien fest: „Das funktioniert jedoch nicht.“ Und Recht hat sie. Nur, wie kommt man aus der Tretmühle wieder raus, was kann man tun, bevor es eskaliert, wie reagieren, wenn es doch wieder so weit gekommen ist?




